APA/HANS PUNZ

Randnotiz

Was Werner Faymann zu sagen hatte

Meinung / von Georg Renner / 02.05.2016

Der Sonntag, der zufällig auch der 1. Mai war, lief für Werner Faymann nicht hundertprozentig optimal: Viele seiner Genossen wollten den Kanzler dazu bewegen, zurückzutreten, manche auch mit geschmackvollen „Schleich di, du Oaschloch“-Rufen.

Nun gibt es mehrere Arten, wie man auf solche Proteste während einer Rede reagieren kann: Man könnte sie einfach abbrechen. Man könnte mit den Unzufriedenen zu argumentieren beginnen. Oder man könnte selbstkritisch abwägen, wo die eigenen Fehler liegen und Besserung geloben.

Nichts davon hat der Kanzler getan – sondern versucht, beinhart seine (ohnehin bereits gekürzte) Rede durchzubringen – eine nichtssagende Ansprache, gestrickt rund um klassische sozialistische Schlagworte. Aber lesen Sie selbst – hier ist Faymanns Rede im Transkript:

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Wienerinnen und Wiener,
in einer Welt, in der der Terror viele Menschen in die Flucht treibt, in einer Welt, in der viele Ungerechtigkeiten existieren, ist der 1. Mai als Tag der Arbeit gerade richtig, um dagegen aufzustehen.
Aufzustehen für eine faire Gesellschaft in einer Welt des friedlichen Zusammenlebens, in einer Welt, wo das Gemeinsame stärker als das Trennende ist. Liebe Genossinnen und Genossen, wenn wir im Vorjahr geholfen haben, dann sind wir stolz darauf – aber wir haben auch zu vertreten, dass Österreich nicht alleine das Flüchtlingsproblem dieser Welt lösen kann. Dass wir Gesetze und Maßnahmen benötigen, die Menschlichkeit und Ordnung erfordern.
Wir werden in unserer Verantwortung das tun, was für uns Sozialdemokraten das Entscheidende ist. Wir werden kämpfen für eine faire und gerechte Gesellschaft, aber auch für Ordnung in unserem Land; für Menschlichkeit; und das in den Vordergrund bringen, was uns zu dieser Stärke bringt, die notwendig ist, um auch stark genug für die nächsten Wahlauseinandersetzungen zu sein.
In diesem Sinne wünsche ich mir von allen, die kritisieren, und von allen, die unterstützen, dass wir einen gemeinsamen Weg gehen für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, dass wir einen gemeinsamen Weg gehen für ein faires Österreich, ein sozial gerechtes Österreich.
Freundschaft.