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Kriminalitätsstatistik 2015

Weniger Wohnungseinbrüche? Nur im Osten

von Moritz Gottsauner / 04.04.2016

In Österreich waren Wohnungs- und Hauseinbrüche 2015 stark rückläufig, heißt es vonseiten der Polizei. Doch das kommt ganz darauf an, wo man hinsieht. 

Sie kommen in der Dämmerung, brechen Fenster und Eingangstüren auf, durchwühlen Kästen und Laden. Auch wenn sie nichts mitnehmen, hinterlassen Einbrecher nicht nur Unordnung, sondern auch mulmige Gefühle bei den Opfern. Das Thema Einbrüche ist in der Bevölkerung emotional aufgeladen. Mit ihm wird auch Politik gemacht.

2014 gab es in Österreich einen bemerkenswerten Anstieg bei Einbrüchen, vor allem in den östlichen Bundesländern. Die Flüchtlingssituation dürfte das Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung zusätzlich verstärkt haben. Die Politik reagierte darauf, etwa in Person des burgenländischen Landeshauptmanns Hans Niessl, der Anfang des Jahres kundtat, sogenannte „Sicherheitspartner“ einführen zu wollen. Das sind private Dienstleister, die durch die Gemeinden patrouillieren sollen. Vergangene Woche forderte der Landeshauptmann wieder einmal einen Assistenzeinsatz des Bundesheeres im Burgenland. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner präsentierte ihrerseits das Projekt „Gemeinsam sicher“, das freiwillige Sicherheitsbeauftragte in Gemeinden etablieren soll. Zumindest bei Einbrüchen kommt Niessl und Mikl-Leitner die Kriminalitätsstatistik für 2015 in die Quere. Scheinbar.

Während in Deutschland im Jahr 2015 fast 10 Prozent mehr Wohnungseinbrüche gemeldet wurden als im Vorjahr, gab es in Österreich einen Rückgang von 9,3 Prozent. So viel ist seit der Präsentation der ersten, groben Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik 2015 klar. Im Detail gelangen die Daten allerdings erst jetzt Stück für Stück an die Öffentlichkeit. Sie zeigen, dass die Einbrüche insgesamt zurückgegangen sind, aber auch, dass das nicht für alle Regionen und betroffenen Objekte gleichermaßen gilt. Tatsächlich ist die Zahl der Haus- und Wohnungseinbrüche in einigen Bundesländern sogar gestiegen, während andere die geringsten Einbruchszahlen seit über zehn Jahren verzeichnen konnten.

Rückgänge im Osten

Im Gegensatz zu Gewaltverbrechen oder Sexualstraftaten sind die Daten der Kriminalstatistik bei Einbruchsdiebstählen verlässlicher. Die Dunkelziffer ist kleiner, weil Einbrüche aus versicherungstechnischen Gründen viel eher gemeldet werden. Trotzdem bleiben gewisse Unschärfen, da es sich um Anzeigen handelt. In diesen Zahlen sind außerdem nicht nur vollendete, sondern auch versuchte Einbrüche enthalten.

Wer den Rückgang bei der Gesamtzahl der Einbrüche verstehen will, muss in den Osten des Landes schauen. In den bevölkerungsreichen Bundesländern Wien und Niederösterreich, die dementsprechend auch mehr Verbrechen verzeichnen, gab es einen sehr eindeutigen Rückgang bei Einbrüchen insgesamt, aber ganz besonders, was den Wohnraum betrifft, wie die Aufschlüsselung nach Objekt zeigt.

Angezeigte-Einbr-che-in-Wien-nach-Objekt-2015-Firmen-Gesch-f-chart

Angezeigte-Einbr-che-in-Nieder-sterreich-nach-Objekt-2015-Fi-chart

Im Osten bleibt noch das Burgenland, in dem Einbruchswellen schon seit Jahren ein Thema sind. Im vergangenen Jahr gab es auch dort einen Rückgang. Abgesehen von Einbruchsdelikten bleibt das Burgenland aber jenes Bundesland mit der mit Abstand geringsten Kriminalität pro Einwohner.

Anstieg im Westen und Süden

Während im Osten die Einbrüche zurückgingen, blieben die Gesamtzahlen in den restlichen Bundesländern auf den ersten Blick stabil. Doch der Eindruck täuscht, zumindest in den Fällen von Oberösterreich, Salzburg und auch Kärnten. Hier zeigt die Detailansicht nach Objekt, dass die Wohnungs- und Hauseinbrüche zunahmen – wenn auch teils nur geringfügig – aber vom Rückgang bei Geschäftseinbrüchen ausgeglichen wurden. Im Fall Salzburgs ist der Rückgang der Kellereinbrüche dafür verantwortlich. Die Gesamtzahl der Haus- und Wohnungseinbrüche ist also hauptsächlich aufgrund der Entwicklung in Wien und Niederösterreich zurückgegangen.

Angezeigte-Einbr-che-in-Ober-sterreich-nach-Objekt-2015-Firm-chart

Angezeigte-Einbr-che-in-Salzburg-nach-Objekt-2015-Firmen-Ges-chart

Angezeigte-Einbr-che-in-K-rnten-nach-Objekt-2015-Firmen-Gesc-chart

Kontinuität im Westen und in der Steiermark

In Tirol, Vorarlberg und der Steiermark haben sich die Einbruchszahlen im Vergleich zum Vorjahr kaum bewegt. In der Steiermark ist ein ähnlicher Trend wie in Oberösterreich zu bemerken, nur in abgeschwächter Form: Einbrüche in Firmen und Geschäfte nahmen ab, jene in Wohnungen zu.

Angezeigte-Einbr-che-in-Tirol-nach-Objekt-2015-Firmen-Gesch--chart Angezeigte-Einbr-che-in-der-Steiermark-nach-Objekt-2015-Firm-chart (1) Angezeigte-Einbr-che-in-Vorarlberg-nach-Objekt-2015-Firmen-G-chart

Bessere Vorbereitung, unbekannte Täter

Das Bundeskriminalamt macht vor allem die Präventionsarbeit und die bessere Vorbereitung der Bürger dafür verantwortlich, dass es in rund 40 Prozent der Fälle nur bei Einbruchsversuchen geblieben ist, die Täter also nicht in das Haus oder die Wohnung gelangten. Maßgeblich dafür sei unter anderem der Eigenschutz mit Sicherheitstüren und Alarmanlagen.

Im Osten Österreichs wurden Einbruchswellen in den vergangenen Jahren vor allem grenzüberschreitenden Banden zugeschrieben. Trotz der Rückgänge 2015 entfällt der überwiegende Großteil der Einbrüche auf Wien und Niederösterreich. Wer die Täter wirklich sind, ist schwer zu ermitteln. Bei wenigen Strafdelikten dieser Bedeutung ist die Aufklärungsquote derart gering. Sie lag 2015 bei nur 11 Prozent. Von den wenigen gefassten Einbrechern auf die große Masse zu schließen, kann zu grob verzerrten Ergebnissen führen, obwohl „Ostbanden“ durchaus ein Faktor sein dürften.