Netzwerk Österreich

Wer in der Republik die Fäden zieht

von NZZ.at / 07.01.2016

Die NZZ.at-Datenbank zeigt Verbindungen auf, die nicht so schnell zu sehen sind. 

Raiffeisen zum Beispiel. 24 Treffer. Hinter jedem verbergen sich die wichtigsten Namen aus einem der mächtigsten Netzwerke des Landes. Oder ♦ Werner Faymann. Nur ein Treffer, dafür ein gewichtiger. Wer nach dem Bundeskanzler sucht, kann sich anzeigen lassen, mit wem dieser seiner Wege gegangen ist.

Wir haben eine Datenbank entworfen, sie ist ein Experiment. In ihr sind Lebenswege, Karrierestationen und Vereinsmitgliedschaften von über tausend Österreichern gespeichert. Es gibt kein einheitliches Muster, warum wir sie für wichtig erachtet haben: Parlamentsabgeordnete, Regierungsmitglieder, Sektionschefs oder Unternehmensvorstände. Aber: Viele treffen öfter aufeinander.

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♦ Dieses Symbol markiert Links zur Datenbank

Wonach wir gewichtet haben

Das alles kann man aus den öffentlichen Quellen ablesen, die wir für dieses Projekt verwendet haben. Die Datenbank ist nicht nur eine Sammlung der Skandale (auch einigen von ihnen haben wir uns gewidmet), sie ist vor allem eine Sammlung für sich. Sie soll Daten verknüpfen, aufzeigen.

Was in der Datenbank gespeichert ist, ist also schon bekannt. Es sind Fakten, Berichte, Zitate, Lebensläufe. Neu ist, dass wir sie erstmals zusammenbringen, anders ordnen. Einem Netzwerk kann man sich aus mehreren Blickwinkeln nähern. Wir haben uns für vier entschieden:

  • Personen: Hier können Sie nach Namen suchen
  • Karriere: Geordnet nach Unternehmen, Ministerien oder Parteien
  • Ereignisse: Gewichtet anhand ausgewählter chroniques scandaleuses
  • Vereine: Blickt auf die Verbindungen zwischen Vereinsmitgliedern

Vom Liesinger Netz zum Bundesheer

Ob Suchfunktion oder durchklicken – wie Sie an diese Sammlung herangehen, bleibt Ihnen überlassen. Am Ende können sich aus diesen Daten neue Geschichten ergeben, wie jene über das Liesinger Netzwerk der SPÖ. Sie können aber auch ungewohnte Einblicke bringen, zum Beispiel ins Bundesheer.

So zeigen die Lebensläufe der Führungsriege, dass das Bundesheer doch besser sein dürfte als sein Ruf. Da ist zum Beispiel ♦ Othmar Commenda: Der General hat sich nicht einfach nach oben gesessen, er hat einen Generalstabskurs am renommierten US-Army College of War in Carlisle absolviert. Immerhin einer der wichtigsten Bildungseinrichtungen der mächtigsten Armee der Welt.

Die gesammelten Viten zeigen aber auch eine Seite der österreichischen Armee, über die seltener geredet wird: die Verflechtung ihrer Führung mit NATO und EU, längst ausgehöhlte Neutralität spiegelt sich auch in den Lebensgeschichten wider. So war der burgenländische Brigadier ♦ Johann Luif der erste Soldat eines Nicht-NATO-Mitglieds, der zum stellvertretenden Leiter einer NATO-Mission ernannt wurde. Nicht neu, aber komprimiert aufbereitet.

Was Sie über die Datenbank wissen müssen

Die Datenbank wird laufend aktualisiert, sie wächst. Ein bisschen lebt sie wohl auch. Sie ist auch nicht vollständig, denn der Kreis des österreichischen Einflusses verändert sich ständig. Sie ist eine Wertung, denn es bleibt schwierig, eine objektive Skala für Macht, Einfluss oder das Gewicht eines Netzwerks zu finden.

Deswegen hoffen wir darauf, dass Sie uns sagen, was Ihnen an der Datenbank gefällt und was nicht. Und natürlich freuen wir uns, wenn Sie eine Geschichte mit uns teilen, die Ihnen durch die vielen Lebensläufe und Netze aufgefallen ist.

Hier geht es zur Datenbank. Bitte schreiben Sie uns, wenn Sie Fragen oder Feedback haben (feedback@nzz.at).