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Werner Faymann kann das

Meinung / von Michael Fleischhacker / 14.08.2016

Als UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon bekannt gab, dass der ehemalige österreichische Bundeskanzler Werner Faymann zum UN-Sonderbeauftragten für Jugendbeschäftigung ernannt wird, setzte in den Foren der berichtenden Medien und in den sozialen Medien naturgemäß das große Höhnen ein.

Das Übliche: Versorgungsjob, großes Spesenkonto, in welcher Sprache redet der dann mit den Taxifahrern in New York und überhaupt.

Papiertigerkäfig

Wenn man die offizielle Mitteilung der Vereinten Nationen und das, was die Nachrichtenagenturen daraus gemacht haben, liest, darf einen das nicht wundern. Ziemlich viel Blabla von wegen Jugendarbeitslosigkeit als großes Problem und dass es da einen Fürsprecher braucht und dass das österreichische Lehrlingswesen so vorbildlich sei. Das UN-Sonderbeauftragtenwesen ist eben ein großer Papiertigerkäfig, in dem die einst mächtigen Tiere aus den nationalen Politikrevieren ihre Runden drehen, weil sie manchen noch immer als Attraktion gelten.

Aber um die Frage, ob die Vereinten Nationen als diplomatische Container des Kalten Krieges eine angemessene institutionelle Antwort auf die großen Fragen unserer Zeit geben, ging es den Kritikern wohl eher nicht. Es geht darum, einen österreichischen Politiker, der es geschafft hat, sich ziemlich lang an der Macht zu halten, obwohl ihm kaum jemand inhaltliche Substanz, Charisma oder auch nur eine politische Idee zutraute, nicht aus der Versenkung zu lassen, in die er sich vor ein paar Monaten zurückgezogen hat.

Euler-Rolles Unbehagen

Und das ist dann bei aller fundamentalen Kritik, die man am als Bürger der Republik Österreich an Werner Faymann üben konnte und musste, doch irgendwie unschön. Faymanns ehemaliger Sprecher Matthias Euler-Rolle hat das Unbehagen, das einen ob solcher Häme-Attacken befallen kann, in einem Facebook-Post auf den Punkt gebracht:

Ja, so kann man das sehen. Und genau so funktioniert ja auch das Narrativ, mit dem immer öfter von besorgten Beobachtern darauf hingewiesen wird, dass sich das irgendwann überhaupt niemand mehr antun wird, wenn er bei Verstand ist. Wenn es nicht gelingt, statt der flächendeckenden Verachtung, mit der dem politischen Personal der Republik begegnet wird, wieder etwas Wertschätzung gegenüber dem politischen Betrieb und seinen Akteuren aufzubringen, so lautet der einhellige Befund, dann wird es nur noch schlimmer.

Ja eh. Aber. Dass man die post-politischen Karrieren österreichischer Politiker, die im Wesentlichen auf der Kapitalisierung ihrer politischen Kontakte in teils fragwürdigen Geschäftsbeziehungen beruhen, mit Argwohn verfolgt, hat schon auch plausible Gründe. Ob die Herrschaften nun – wie Alfred Gusenbauer – erfolgreich mit dem Pfund ihrer internationalen Vernetzung wuchern oder – wie Hubert Gorbach – eher peinlich: Das Problem ist ja, dass in so vielen Fällen außer dem Telefonbuch kein Qualifikationsnachweis auszumachen ist.

Beispiel Ruttenstorfer

Kein Mensch, auch kein Österreicher, hätte ein Problem, wenn ein Unternehmer oder Manager seine erfolgreiche Karriere für einige Jahre in der Politik unterbricht und hinterher dort wieder anschließt. Wolfgang Ruttenstorfer war so ein Fall: Von der OMV in die Regierung und zurück in den OMV-Chefsessel. Es hat keiner an seiner Qualifikation gezweifelt, also gab es auch kein Geraunze. 

Aber in unserem politischen System, in dem die Parteien eine viel zu dominante Stellung einnehmen, müssen solche Karrieren rare Ausnahmen bleiben, solange jene, die die Ochsentour vom Jugendfunktionär bis zum Abgeordneten hinter sich haben und auch ökonomisch vollkommen von der Partei abhängig sind, die Macht haben. Sie werden sie freiwillig nicht mehr abgeben, weil sie mangels sonstiger Qualifikationen im wirklichen Leben nur einen Bruchteil ihres Einkommens als Funktionäre und Mandatare erzielen könnten.

Kanzler reicht nicht

Werner Faymann gehört nach allem, was wir über ihn wissen – alles wissen wir nicht – in diese Kategorie. Und deshalb würde man sich zu Recht Fragen stellen, würde er jetzt in der Vorstandsetage eines staatsnahen oder auch privaten Unternehmens auftauchen. Was man als sozialistischer Jugendfunktionär, Wohnbaustadtrat, Infrastrukturminister und Bundeskanzler lernt, reicht für die operative Führung eines großen Unternehmens im internationalen Wettbewerb mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht aus. Bei jedem privaten Eigentümer könnte das der Öffentlichkeit natürlich egal sein, ist ja dessen eigenes Risiko, aber in staatsnahen Betrieben geht das einfach nicht mehr.

Umso mehr muss einen wundern, dass Faymanns Berufung zum UN-Sondergesandten für hämische Kommentare sorgt. Das, was dort verlangt wird, mag, wie bereits erwähnt, nicht herausragend anspruchsvoll sein. Aber eines kann man gewiss sagen:

Werner Faymann kann das.