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Wie kommt man in Österreich an ein Sturmgewehr? Jedenfalls nicht legal

von Wolfgang Rössler / 24.05.2016

Der Attentäter von Nenzing feuerte mit einer nachgebauten Kalaschnikow* ins Publikum. Ob der amtsbekannte Mann einen Waffenschein hatte oder nicht, spielt keine Rolle: Keine Privatperson in Österreich darf eine solche Waffe offiziell besitzen. 

Es gibt noch viele offene Fragen zum Amoklauf im Voralberger Nenzing, die in den nächsten Tagen und Wochen zu klären sind. Nicht die unwichtigste: Wie ist der rechtsradikale 27-Jährige, dem der Besitz von Feuerwaffen behördlich verboten war, zu dem Sturmgewehr gekommen? Jedenfalls nicht legal. Die Tatwaffe, eine der russischen Kalaschnikow nachgebaute Zastava M92, ist im österreichischen Handel nicht erhältlich.

Das Waffengesetz unterscheidet zwischen vier Kategorieren von Schusswaffen: Jagd- und Sportgewehre der Kategorien C und D (der Unterschied ist rein technischer Natur) kann grundsätzlich jeder über 18-Jährige erwerben, der beim Händler ein positives, polizeiliches Führungszeugnis vorlegt (daran wäre der Amokläufer bereits gescheitert). Kategorie B bezeichnet genehmigungspflichtige Waffen, mit denen man mehrere Schüsse in kurzer Zeit abgeben kann: zum Beispiel Revolver oder Pistolen. Hier reicht das polizeiliche Leumundszeugnis nicht, die Käufer müssen auch ein psychologisches Attest vorlegen. Unter die Kategorie A fallen automatische Waffen, die für den Kriegseinsatz gedacht sind: Etwa solche wie die Zastrava M92. Der private Besitz von Waffen der Kategorie A ist in Österreich verboten.

Der Attentäter muss das Gewehr also am Schwarzmarkt erstanden haben.

Über die Herkunft der Waffe kann zum derzeitigen Zeitpunkt nur gemutmaßt werde. Bei dem Modell handelt es sich um einen serbischen Kalaschnikow-Nachbau, der in den Balkankriegen zum Einsatz kam.

Angesichts der offenen Grenzen stellt sich weniger die Frage, wie die Waffen nach Österreich gekommen ist. Sondern wie sie in die EU eingeführt wurde. „Wer innerhalb Europas im Auto eine Waffe transportiert, geht kein großes Risiko ein“, sagt ein gewerblicher Waffenhändler, der ungenannt bleiben möchte. „Die Wahrscheinlichkeit, in eine Kontrolle zu geraten, ist denkbar gering.“

Zudem sei es in Serbien, Montenegro oder Bosnien-Herzegowina ein Leichtes, Kriegsmaterial zu erstehen: „Das geht in diesen Ländern problemlos unter der Theke.“

Die einzige nennenswerte Herausforderung für Schwarzhändler ist es also, die verbotenen Waffen über die – nur teilweise gesicherten – Schengengrenzen von Kroatien oder Ungarn zu schmuggeln. Alles andere ist eine Frage der richtigen Kontakte und des notwendigen Kleingeldes.

Eine Pistole zu kaufen, ist nicht schwer. Sie legal zu tragen, hingegen schon

*Korrektur: Im ursprünglichen Titel war von einem Maschinengewehr die Rede. Tatsächlich handelt es sich bei der Zastrava M92 um ein Sturmgewehr