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Kommentar

Wie man die Budgetsektionschefin fand, die man suchte

Meinung / von Moritz Moser / 24.11.2015

Erstaunlicherweise fand sich nur eine Bewerberin für einen der wichtigsten Beamtenposten der Republik. Obwohl, so erstaunlich ist das doch wieder nicht.

Am Anfang sah es noch ganz anders aus: Die Ausschreibung für den Posten des Budgetsektionschefs im Finanzministerium schien wie eine Blaupause des Lebenslaufs von Thomas Wieser, des Chefs des Wirtschafts- und Finanzausschusses der Eurogruppe. Doch dann wurde dieser überraschend in seiner Funktion wiederbestellt. Er ist damit der erste Präsident des Ausschusses, der eine dritte Amtszeit erhält.

Für den einflussreichen Posten an der Spitze der Budgetsektion wurde deshalb jemand sehr Wieser-mäßiger gesucht. Gefunden hat man anscheinend Helga Berger, die bisher als Sektionschefin im Rechnungshof tätig ist. Berger war einst Mitarbeiterin im Kabinett von Susanne Riess und erhielt von der SPÖ den wenig schmeichelhaften Titel „Drehscheibe zur FPÖ“.

Reihung der Bewerberin für die Leitung der Sektion II im BMF (Budget)
Credits: BMF

Sicher ist jedenfalls, dass eine Frau die Budgetsektion leiten wird, denn das Finanzministerium hat am Dienstag die Reihung der Bewerberin veröffentlicht. Bewerberin in der Einzahl deshalb, weil sich offenbar nur eine Person auf die Stelle im Ressort von Hans Jörg Schelling beworben hat.

Das kann man natürlich erstaunlich finden – wenn man davon ausgeht, dass einer der wichtigsten Posten im öffentlichen Dienst der Republik nach rein qualitativen Kriterien vergeben wird. Zumindest Verwaltungsbedienstete geben sich da allerdings keiner Illusion hin. Alle anderen qualifizierten Kandidaten wussten wohl von vornherein, dass sie keine Chance hätten, und verzichteten daher auf eine Bewerbung. Vor diesem Hintergund fand sich dann eben nur diejenige, die man ohnehin suchen wollte.