Gerald Gartner

Bevölkerungsprognose

Wie Österreich altert – in einer Grafik

von Gerald Gartner / 24.11.2015

Die Statistik Austria hat am Dienstagvormittag ihre Bevölkerungsprognose bis 2060 aktualisiert. Sie schlüsselt im Detail auf, wie sich Österreichs Altenrepublik entwickeln wird.

Wie viele Arbeitskräfte werden dem Arbeitsmarkt potentiell zur Verfügung stehen?

Bis 2021 steigt die Zahl der Personen zwischen 20-65 Jahren, also der potentiell Erwerbstätigen. 2014 gehören 5,29 Mio. zu dieser Gruppe, 2021 sind es um vier Prozent mehr. Bis 2030 hält die Zahl ihr Niveau. Danach werden jedes Jahr mehr Menschen ins Pensionsalter kommen als Jugendliche arbeiten beginnen oder Zugewanderte arbeiten dürfen. Die Babyboomer gehen in den Ruhestand.

Wie würde die Pyramide ohne Zuwanderung aussehen?

Zuwanderer gleichen den Rückgang wegen sinkenderer Geburtenrate aus. Ohne Migration wäre das Erwerbspotenzial deutlich niedriger. Schon 2030 wären nur 4,73 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter. Gegenüber 2014 ist das ein Minus von elf Prozent. Schreibt man die Prognose ohne Zuwanderung bis 2060 fort, sinkt die Zahl weiter auf 3,41 Millionen. In der wahrscheinlicheren Hauptvariante liegt die Zahl bei 5,1 Millionen Personen.

Welche regionalen Unterschiede gibt es bei der Alterung?

Im Osten und Süden Österreichs werden mehr über 65-Jährige leben als im Westen. Ausnahme ist Wien: Der Anteil älterer Menschen steigt von 17 Prozent (2014) auf 18,7 Prozent (2030). Bis 2060 wird jeder vierte (23,5 %) Wiener in diesem Alter sein. Das wäre der niedrigste Wert im Bundesländervergleich:

Verantwortlich dafür ist die Zuwanderung. Nach Wien kommen vermehrt junge Personen im Erwerbsalter. Die Bundeshauptstadt zieht 40 Prozent aller Zuwanderer Österreichs auf sich. Hinweise zur Methodik der Statistik AustriaDemografische Prognosen bauen im wesentlichen auf vier Faktoren auf: Zuwanderung, Geburten, Sterbefälle und Bevölkerungsstruktur. Die Experten der Statistik Austria haben wegen der aktuellen Flüchtlingslage ihre Prognosen nach oben korrigiert. Auch die Geburtenrate pro Frau soll steigen. Von derzeit 1,46 auf 1,55 Kinder pro Frauen. Es wird angenommen, dass Paare das Elternsein auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Längere Ausbildungen und der Wunsch nach eine gefestigten Karriereposition würden dafür sprechen. Die Lebenserwartung steigt für Männer bis 2060 auf 87,3 Jahre (heute: 78,9) und für Frauen auf 90,6 Jahre (heute: 83,7). Die Lebenserwartung von Frauen steigt nicht so schnell, weil sie „immer mehr die ungesündere Lebensweise” von Männern annehmen. So erklärt der Statistiker Alexander Hanika die Rechnung. Ab 2030 kippt die Geburtenbilanz stark ins Negative: Dann kommen geburtenstarke Jahrgänge ins Sterbealter.