APA/HERBERT PFARRHOFER

Wir werden alle nicht jünger – wählt ÖVP!

Meinung / von Michael Fleischhacker / 16.09.2016

Jetzt steht es sogar schon in der Kronen Zeitung: Das mit der Regierung ist nicht so einfach. SPÖ und ÖVP lassen Gemeinsamkeit vermissen; Reformstau, so weit das Auge reicht. Darum: „Probleme lösen oder Neuwahlen!“ Und dem Kurier-Herausgeber drängt sich sogar der schreckliche Verdacht auf, dass es den Parteien bei der Bestellung der ORF-Direktoren nicht um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geht und bei der Bildungsreform nicht um die Kinder.

Wer hätte das gedacht. Und das, obwohl alles immer so vielversprechend beginnt.

Die Idee mit den Neuwahlen ist möglicherweise gar nicht so schlecht. Wenn man jetzt gleich die doppelte Menge Hochsicherheitswahlkartenkuverts ordert, gibt es vermutlich einen fetten Discount, es gibt ein paar reservierte Werbeflächen, den Zeitungen wird auch nur langweilig bis Anfang Dezember. Und vor allem: Der neue ÖVP-Generalsekretär, der Charly Blecha aussehen lässt wie einen Hipster-Boy aus Bobo-Brooklyn, kann das strategische Geschick, das er bei den Verhandlungen über die Besetzung der ORF-Direktoren bewiesen hat, in einer smarten Wahlkampagne zur Geltung bringen.

Sowas wie „Wir werden alle nicht jünger – wählt ÖVP!“ würde sich anbieten. Vielleicht finden sich auch noch irgendwo Autogrammkarten von Alois Mock. In unsicheren Zeiten muss man auf das Bewährte setzen, die Menschen da draußen mögen keine Experimente.

Es ist ungerecht

Natürlich ist es ungerecht, dass jetzt alle außer der Kronen Zeitung, die sich ein bisschen in den Außenminister verguckt hat, auf die ÖVP hinhauen. Denn was die großen Themen betrifft, die seit Jahrzehnten geduldig ihrer Nichterledigung entgegendämmern, haben einander die beiden Regierungsparteien wenig vorzuwerfen. 

Die SPÖ kann sich nur auf zwei Dinge verlassen: Dass im ORF, der nach wie vor die politische Stimmung im Land entscheidend mitprägt, der Hass auf alles, was nach ÖVP riecht, so tief verwurzelt ist, dass man bereit ist, taktische Siege des SPÖ-Klüngels rund um den Generaldirektor als menschenrechtspreiswürdige Großtaten im Interesse der globalen Medienfreiheit zu feiern. Und dass die ÖVP alles in ihrer Macht stehende tut, um dieses billige Klischee auch zu bedienen.

Vermutlich werden wir in diesem Herbst keine Nationalratswahlen sehen, auch dann nicht, wenn die Krone-Forderung nach sofortiger Problemlösung nicht umgehend umgesetzt wird. Aber es ist, wenn man über die nötige Bescheidenheit im intellektuellen Anspruch verfügt, interessant mitanzusehen, wie sich der politmediale Komplex im rasenden Stillstand um sich selbst dreht.

Dreimal dürfen Sie raten, wer sich das, ausgeruht grinsend, erste Reihe fußfrei ansieht.