APA-FOTO: Johannes Zinner/WIENER LINIEN

Imagewerbung der Verkehrsbetriebe

Berlin hat Schnauze, Wien schnauzt

Meinung / von Julia Herrnböck / 15.12.2015

Mit dem Werbeclip „Is’ mir egal“ haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Sympathiepunkte gesammelt. „Endlich“, meint eine Sprecherin der BVG. „Imagemäßig waren wir immer neidisch auf die Wiener Linien.“ Dort ist man wegen der Frage nach den Werbeausgaben „not amused“. Die am Dienstag veröffentlichten Medientransparenzdaten zeigen: Im Wahljahr gaben die Wiener Verkehrsbetriebe doppelt so viel für Inserate aus wie im Vorjahr. 

Die Berliner Verkehrsbetriebe – kurz BVG – haben einen Hit gelandet. In dem Internetvideo „Is mir egal“ tänzelt ein Kontrolleur (alias Werbetexter Kazim Akboga) durch die U-Bahn- und Busgarnituren der Stadt, vorbei an Punk-Lesben, Möpsen in Haifischkostümen und Zwiebel schneidenden Passagieren.

Mit Berliner Schnauze erklären die BVG, alles sei egal, nur einen Fahrschein müsse man eben haben. „Nur wir lieben dich so, wie du bist“ steht am Schluss des Werbespots – und die Berliner und der Rest im Netz lieben brav zurück. Rund 1,5 Millionen Mal wurde der Spot seit Freitag angesehen, verantwortlich dafür ist die Werbeagentur Jung von Matt.

Pressesprecherin Petra Reetz freut sich: „Wir sind ja immer sehr neidisch auf die Wiener Linien. Die haben ein unglaublich gutes Image.“ Die Hassliebe, wie Reetz das Verhältnis zum österreichischen Äquivalent beschreibt, kann man sich etwa so vorstellen: „Wer in Berlin Wahlen gewinnen möchte, schimpft auf den BVG. Wer in Wien gewinnen will, muss die Wiener Linien loben.“ Mit dem Werbeclip habe der BVG endlich auch mal Sympathiepunkte gesammelt.

Positive Aufmerksamkeit gibt es auch in Berlin nicht umsonst: Rund drei Millionen Euro hat der BVG – ebenfalls ein landeseigenes Unternehmen – im Jahr 2014 für Werbung, Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben. Zahlenmäßig kann Wien gut mithalten: Der BVG hat rund 13.000 Mitarbeiter und transportierte im Vorjahr 978 Millionen Fahrgäste. „Wir schreiben mittlerweile schwarze Zahlen und erwirtschaften die eigenen Löhne“, sagt Reetz.

Bis 2020 bekommen die BVG jährlich rund 250 Millionen Euro Ausgleichszahlungen, Wien fördert seine Stadtbetriebe mit 500 Millionen Euro im Jahr.

Subventionen für beide Betriebe notwendig

Bei den Wiener Linien arbeiten rund 8.700 Menschen, 931,2 Millionen Fahrgäste kamen zusammen – und das bei der Hälfte der Einwohner. Ein neuer Rekord, mit dem zu Recht hausiert wird. Wie viel die Wiener Linien für Inserate und Werbung ausgeben, verraten sie hingegen nicht gern.

Werbung habe nichts mit Image zu tun, erklärt Sprecher Answer Lang. Das gute Image der Wiener Verkehrsbetriebe sei das Resultat freundlicher Mitarbeiter, und nicht von Werbung, ist er sicher. Er will oder kann nicht sagen, wie viel das öffentliche Unternehmen für Inserate ausgibt. „Wenn es Ihnen um die Zahlen geht, können Sie sich diese ja zusammensuchen.“

Laut den am Dienstag veröffentlichten Medientransparenzdaten haben die Wiener Linien im Vorjahr rund 1,6 Millionen Euro Steuergeld für Inserate ausgegeben. Kosten für Öffentlichkeitsarbeit sind darin nicht enthalten. Interessant ist besonders der Vergleich zu 2015: In den ersten drei Quartalen 2014 inserierten die Wiener Linien für rund 835.000 Euro, im Wahljahr ist es mit 1,53 Millionen Euro zwischen Jänner und September fast doppelt so viel.

Is’ nicht egal, um es mit Berliner Schnauze zu sagen.