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Spanische Hofreitschule

Das Ende einer Männerdomäne

von Meret Baumann / 15.09.2016

Die Ausbildung zum Bereiter in der Spanischen Hofreitschule ist lang und hart. Nun ist nach 450 Jahren die erste Frau in den ehrenvollen Rang aufgestiegen.

Die über 450 Jahre alte, weltberühmte Spanische Hofreitschule in Wien hat ihre erste Bereiterin. Dem Ende einer der letzten Männerdomänen wohnten am Mittwoch gleich zwei österreichische Regierungsmitglieder bei, der für die Hofreitschule zuständige Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, der die sogenannte Angelobung (Vereidigung) Hannah Zeitlhofers vornahm, sowie die Frauenministerin Sabine Oberhauser. Zeitlhofer ist damit eine von nur dreizehn Bereitern der Kulturinstitution, dazu kommen zwei Oberbereiter. Zusammen mit drei Anwärtern und zwei Eleven bilden sie die rund hundert Lipizzaner in der klassischen Reitkunst der „Hohen Schule“ aus.

Erst seit 2008 werden Frauen ausgebildet

Erst seit 2008 wird das Wissen darüber an der Hofreitschule auch Frauen vermittelt – wie es der Tradition entspricht, ausschliesslich mündlich. Zeitlhofer wurde damals als Elevin aufgenommen. Vier Jahre später stieg sie zur ersten Bereiteranwärterin auf und bildete den Hengst „Siglavy Batosta“ aus. Als Bereiterin hat sie nun die Verantwortung für mehrere Pferde übertragen bekommen und darf auch Eleven sowie Lehrlinge unterrichten.

Die 29-Jährige reitet bereits seit dem siebten Altersjahr und studierte später Pferdewissenschaften. Die Liebe zu den Tieren nannte Zeitlhofer als eines ihrer Erfolgsgeheimnisse, doch reicht das längst nicht aus: Die Ausbildung bis zum Bereiter ist lang und körperlich hart, am Anfang hat sie vor allem Stallarbeit zum Inhalt. Jedes Jahr bewerben sich Hunderte um eine Stelle als Lehrling – nur fünf werden genommen, und noch weniger bringen das Durchhaltevermögen oder auch das Talent dafür auf, sich frühestens acht Jahre später als Bereiter zu qualifizieren.

Zeitlhofer betonte am Mittwoch, sie sei stolz auf das Erreichte, aber nicht deswegen, weil sie eine Frau sei. Die Generaldirektorin der Spanischen Hofreitschule, Elisabeth Gürtler, nannte es aber sehr wohl einen grossen Schritt für ihre Institution und ein wichtiges Signal. Tradition und Gleichberechtigung schlössen sich nicht aus, sagte Ministerin Oberhauser.

Die Uniform bleibt die gleiche

Rund 300.000 Besucher verzeichnet die Hofreitschule jedes Jahr, sie gehört zu den Touristenmagneten Wiens. Ende letzten Jahres wurde ihre klassische Reitkunst der „Hohen Schule“ zudem in das Verzeichnis des immateriellen Weltkulturerbes der Unesco aufgenommen. Wie alle Bereiter übt auch Zeitlhofer diese in der klassischen Empire-Uniform aus: weisse Hirschlederhose, brauner zweireihiger Frack und Zweispitz. Männerkleidung zwar, doch ist sie seit 200 Jahren fast unverändert. Damals war noch nicht daran zu denken, dass dereinst auch eine Frau Teil des weissen Balletts sein könnte.