Gewista

Wettbewerbsvorteile SPÖ-naher Unternehmen

Ein Schildbürgerstreich von Gewista

von Julia Herrnböck / 28.02.2016

Der SPÖ-nahe Werberiese Gewista hat in Wien nicht nur eine Quasi-Monopolstellung bei der Vermietung von attraktiven Werbeflächen. Er legt allen Kunden auch nahe, die gesamte Produktion und den Druck bei seiner Tochterfirma ISPA Werbung in Auftrag zu geben – zu Lasten der bestehenden Schildermacher und Beschrifter.

In der Werbung gibt es nur ein Gesetz: Je mehr Menschen erreicht werden, desto besser. Wer über entsprechend gut frequentierte Werbeflächen verfügt, beherrscht den Markt. In Wien ist das Gewista, eine ehemalige Magistratsabteilung und heute privatisierter Konzern, an dem die Wiener SPÖ immer noch über Umwege beteiligt ist.

→ Lesen Sie mehr: Besitzverhältnisse der SPÖ an Gewista

Gewista „ist das bedeutendste Außenwerbeunternehmen unseres Landes. Diese Bedeutung resultiert aus der absoluten Marktführerschaft in der Bundeshauptstadt Wien und den wichtigsten Agglomerationsgebieten“, steht auf der Firmenwebsite.

Wer in der Stadt werben will, kommt an Gewista nicht vorbei: Neben tausenden Flächen für Plakate und Citylights vermietet das Unternehmen auch exklusiv die begehrten Werbeplätze rund um die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien, sei es in den Stationen oder an den Fahrzeugen direkt. Wer auch immer hier bucht, finanziert die SPÖ indirekt mit.

Nach unserem Artikel über den Ausbau der digitalen Bildschirme und den Beteiligungsänderungen rechtzeitig vor Inkraftreten des Parteienfinanzierungsgesetzes, hat sich ein Schilderhersteller bei NZZ.at gemeldet. Schilderhersteller konzipieren und gestalten Beschriftungen, z. B. auf Fahrzeugen, an Schaufenstern und Fassaden, Straßenschildern, Firmen- und Werbetafeln. Eben alles, womit auf den Gewista-Flächen geworben wird.

Er klagt darüber, Gewista würde den Kunden vermitteln, die Produktion und den Druck bei der ISPA Werbung machen zu lassen – seit der Jahrtausendwende ihre Tochterfirma. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten alle gute Geschäfte mit Gewista gemacht, es gab die berühmte „Gewista-Liste“, auf der die verschiedenen Schildermacher den Kunden empfohlen wurden. Das änderte sich ab dem Jahr 2000 und habe der Branche massiv geschadet.

ISPA Werbung im Gewista-Netzwerk als Organigramm

Wir haben weitere Schildermacherbetriebe kontaktiert, zwei waren zu einem Gespräch bereit; aus Sorge um ihr Geschäft allerdings nur unter Zusage der Anonymität. Das ist auch bei dem ersten Branchenvertreter der Fall, der sich bei der Redaktion gemeldet hat. „Die Gewista arbeitet gegen uns“, sagt er.

An Gewista führt kein Weg vorbei

Will ein Unternehmen in Wien werben – zum Beispiel an einer Straßenbahn oder einem Plakatständer – geht es zu Gewista, um eine Fläche zu mieten. Daran kommt keiner vorbei: Die meisten Flächen in der Stadt gehören dem SPÖ-nahen Werbekonzern. Auch das An- und Abmontieren der Werbung darf nur über Gewista vorgenommen werden, ein einträgliches Geschäft. Allerdings gibt es keine Einschränkung bei der Produktion oder beim Druck. Doch genau das kommuniziere Gewista den Kunden, behaupten alle drei Beschrifter, die das von ihren bestehenden Klienten erzählt bekämen.

„Gewista interveniert bei der Vermietung der Flächen, gleich alles über die eigene Firma ISPA Werbung abzuwickeln. Die meisten wissen gar nicht, dass sie die Produktion genauso gut bei wem anderen in Auftrag geben dürfen“, sagt einer. Um bestehende Kunden müsse hart gekämpft werden, neue zu gewinnen sei in Folge der Kommunikationsstrategie von Gewista aussichtslos.

„Von der exakten Planung und Konzeption bis hin zur Produktion erhalten Sie ein hochwertiges Gesamtpaket, das keinerlei Wünsche offen lässt. Kurz gesagt: Sie erhalten bei uns alles aus einer Hand“, steht auf der Startseite der ISPA Werbung. In Kombination mit Gewista, die über die wichtigsten Werbeflächen der Stadt verfügt, geradezu unschlagbar. „Bundling“ heißt diese Form der Produktzusammenführung in der Wirtschaft. Dabei ist es die Aufgabe von Wettbewerbshütern, aufzupassen, dass eine Monopolstellung nicht missbraucht wird, um weitere Services damit zu verbinden.

Gewista sieht keinerlei Anlass, die Praxis zu überdenken. „Wir agieren in einer freien Marktwirtschaft. Natürlich legen wir nahe, auch den Druck und die Produktion bei uns machen zu lassen“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens. Eine Verpflichtung für den Kunden gebe es nicht.

Manfred Sonntag ist Berufsgruppenobmann der Wiener Schilderhersteller. „Wir müssen uns auf jeden Fall bei den eigenen Kunden positionieren, dass wir genau das können und auch dürfen“, sagt er. Natürlich sei das ein freier Markt, und Gewista halte kein Monopol, verkaufe es aber so.

Die Frage ist, wie frei die Marktwirtschaft der Werbeflächenvermietung in Wien tatsächlich ist. Historisch als Magistratsabteilung angelegt, verfügt Gewista heute praktisch über den Markt. Und da wäre noch die indirekte Beteiligung einer Regierungspartei. „Sie nutzen ihr Monopol stark aus“, sagt einer der drei Beschrifter.

Produktion nach Ungarn ausgelagert

Mittlerweile gibt es nur mehr sechs Schilderherstellerfirmen in Wien. Der Gewista-Konzern hingegen freut sich über eine erfolgreiche Entwicklung. „Die Konsequenz war, Mitarbeiter zu kündigen, zu schließen oder das Geschäft auf andere Dienstleistungen umzustellen“, erzählt der Schildermacher, der sich als erster bei NZZ.at gemeldet hat. Er hat auf den Verkauf von Werbematerial umgesattelt.

Die ISPA Werbung lässt in Ungarn bei der Firma Big Print zu günstigen Konditionen für Gewista produzieren. Noch ein weiterer Grund, warum heimische Firmen nicht mehr mithalten können. „Keiner kann mit ihren Preisen konkurrieren. Da dachte ich mir, das kann ich auch“, erzählt der Beschrifter. Im Auftrag seines Kunden schrieb er an die Big Print, er wolle gerne bei ihr Material bestellen. Es handelte sich um Werbefolien für eine Wiener Straßenbahngarnitur.

Da die Maße dafür von der ISPA Werbung festgelegt werden, wusste Big Print, für welchen Markt der Auftrag bestimmt ist und lehnte ab. In einer Mail begründete sie, es gebe eine Art Exklusivvertrag mit Gewista. Big Print dürfe für niemand anderen in Österreich Fahrzeugwerbung herstellen.

Ob es einen solchen Vertrag gibt, wusste der Gewista-Sprecher nicht. Doch selbst wenn, sei das privatwirtschaftlich in Ordnung. „Das Unternehmen sieht keine Veranlassung, eine Stellungnahme zu den Druckkonditionen abzugeben.“