Magistratsabteilung 53 – zuständig fürs Image

von Yvonne Widler / 06.05.2015

Wiens Medienorgel, stadteigene Werbeagentur, Machthebel – auf diese Bezeichnungen stößt man, wenn man über den Presse- und Informationsdienst, kurz PID, der Stadt Wien recherchiert. Gemeinsam mit Dossier blicken wir hinter die Praxis jener Stelle, die für Kommunikation und Image der Stadt verantwortlich ist. 

Blicken wir etwas zurück. 28 Jahre lang war Fred Vavrousek Chef vom Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien. „Ich habe immer nach dem Prinzip gehandelt, dass die Stadt von einer vielfältigen Medienlandschaft profitiert und es deswegen legitim ist, etwas in Form von Inseraten zurückzugeben“, erklärte Hofrat Vavrousek einst gegenüber dem Falter. Seinen Leit- und Werbespruch kennt man: Wien ist anders. Projekte wie das „Wiener Rathaus-Klassik-Festival“ oder der „Wiener Silvesterpfad“ wurden unter seiner Leitung umgesetzt, auch das Web-Portal wien.at, die Service-Site der Wiener Stadtverwaltung.

Medienmanagement hatte Vavrousek von Helmut Zilk gelernt, ebenso, dass Kommunikation mehr ist als Zeitungsmachen. Und Bürgermeister Michael Häupl hätte ihm Vertrauen, Freiraum und Schutz gegeben, so der langjährige PID-Chef in der damaligen Presseaussendung im Jahr 2010, in der sein pensionsbedingter Abtritt bekannt gegeben wurde. Es sollten fortan neue Wege erarbeitet und beschritten werden, hieß es weiter in der Mitteilung.

Diese neuen Wege legte man in die Verantwortung von Oliver StriblOliver Stribl studierte Politikwissenschaften, Publizistik und Kommunikationswissenschaften. 2004, nach mehrjähriger Praxis in der Privatwirtschaft, wechselte er in den PID, wo er zunächst Projektleiter für Kundenbeziehungsmanagement war. Anschließend war er Assistent des Abteilungsleiters, 2009 übernahm er die Leitung des Referats Landesmediendienst und wurde Abteilungsleiter-Stellvertreter., der das Amt des neuen Leiters zunächst interimistisch übernahm, um dann Ende 2011 den Posten fix innezuhaben. Der damals 37-Jährige erklärte die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Wien und nahm dabei Begriffe wie „New Public Management“ in den Mund. Sie basiere auf den Grundsätzen der Dezentralisierung.

Bereits Ende der 80er Jahre wurde die Verwaltung der Stadt Wien nach den Regeln der Dezentralisierung strukturiert, was mit Ende der 90er Jahre auch die Bezirke mit umfasste. Von dieser Dezentralisierung sei auch die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Wien betroffen gewesen, die zuvor zentral in der MA 53, beim PID, gelegen ist, und danach sowohl organisatorisch als auch budgetär auf die Magistratsabteilungen aufgeteilt wurde. Der MA 53 seien hauptsächlich koordinierende und steuernde Aufgaben – vor allem im Hinblick auf die Corporate Identity – zugekommen. Die Einführung des New Public Management sowie der Dezentralisierung fuße auf den strategischen Vorgaben und Planungen der Magistratsdirektion. Das dementsprechende Konzept der integrativen Öffentlichkeitsarbeit sei von der MA 53 entwickelt worden und seit Ende der 90er Jahre angewandt.

Der seit 1945 rot regierte PID wird gerne als eine der mächtigsten Abteilungen im Wiener Rathaus bezeichnet. Immer wieder wurden kritische Stimmen der Opposition laut, man kaufe sich wohlwollende Berichterstattung, vor allem durch die Nähe zu „befreundeten“ Boulevardmedien.

Über 100 Mitarbeiter werken für die MA 53, die heute über ein Gesamtbudget von rund 53 Millionen Euro (Budget-Voranschlag 2015) verfügt, wobei die stadtnahen Betriebe nicht darunterfallen. Die Ausgaben des PID sind seit 2001 enorm angestiegen. Im Jahr 2012 erklärte Stribl gegenüber dem Standard, dass natürlich gespart werde.

PID-Ausgaben absolut:

PID-Ausgaben absolut und inflationsbereinigt:

Fast vier Jahre nach seiner Amtsübernahme und ein neues Mediengesetz später haben wir einige Fragen an den PID-Chef. Lesen Sie kommende Woche über das Gespräch mit Oliver Stribl.