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Randnotiz zum Opernball

Opernball, die einzige Cashcow des Hauses am Ring?

von Julia Herrnböck / 04.02.2016

Es ist schon eine Art „geflügelter Satz“, wenn auch heuer verkündet wird, der Opernball sei nun mal „der einzige Tag des Jahres, an dem die Staatsoper Gewinn macht“: Er ist jedes Jahr in einer anderen Variante zu hören.

Wer ihn als Erster gesagt hat, ist nicht dokumentiert. Vermutlich war es Viktor Klima (SPÖ), der in seiner Rolle als Minister für „öffentliche Wirtschaft und Verkehr“ im Jahr 1993 der Opernball-Organisatorin Lotte Tobisch finanziell unter die Arme griff. Seither ertönt dieser Glaubenssatz aus diversen Mündern, zuletzt etwa von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) als er gefragt wurde, ob in Krisenzeiten ein so prunkvolles Event angebracht sei.

Aber: Trifft es heute überhaupt noch zu, dass einzig die Nacht der Promis und Staatsgäste Geld in die Kassen spült, und an den 364 übrigen Tagen im Jahr der Steuerzahler nachhelfen muss?

59,5 Millionen Euro Förderung pro Jahr

„Es ist natürlich ein pointierter Spruch, aber er stimmt“, sagt André Comploi, Sprecher der Wiener Staatsoper. Ganz so einfach sei die Rechnung jedoch nicht: In der Nacht des Balls agiere die Oper nicht in ihrer eigentlichen Funktion, sondern als Gastgeber. Für dieses Jahr erwartet das Management Einnahmen in der Höhe von rund 4,6 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen Ausgaben von etwa 3,8 Millionen Euro – es bleibt also ein Gewinn in Höhe von mindestens 800.000 Euro.

Wie steht es nun um die Finanzen der Staatsoper im Rest des Jahres? In der letzten Saison subventionierte das Kulturministerium den Betrieb mit 59,5 Millionen Euro. Die Einnahmen betrugen laut Comploi etwa 109 Millionen. „Unsere Eigendeckung liegt im Schnitt bei 46 Prozent“, erklärt der Staatsopernsprecher. Das sei im Vergleich mit Opernhäuser anderer europäischer Städte, die nur 25 bis 30 Prozent selbst aufbringen könnten, ein passables Ergebnis.

Die Wiener Staatsoper hat rund 34 Millionen Euro allein durch den Kartenverkauf umgesetzt – das ist in etwa die Summe der drei Berliner Opernhäuser zusammen. Ohne staatliche Zuschüsse kann der Kulturbetrieb eines Landes mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, wo es viele private Mäzene gibt, kaum überleben. Ohne die Gäste am Opernball übrigens auch nicht: Eine Eintrittskarte kostet heuer 290 Euro, eine Einzelloge 20.500 Euro und ein Tisch für sechs Personen 1.200 Euro.

Die Staatsoper, als Tochter der Bundestheater Holding GmbH, ist eine wirtschaftlich eigenverantwortliche und künstlerisch autonome Gesellschaft im Eigentum des Bundes. Für die Erfüllung dieser Aufgabe stellt der Bund jährlich eine Basisabgeltung zur Verfügung. Auch der Holding, dem Burgtheater und der Volksoper steht eine solche zu. Im Budgetvoranschlag für 2016 beträgt die Gesamtsumme für alle 163,4 Millionen Euro, in der Saison waren es 148,9 Millionen Euro.

Anmerkung: In einer ersten Version stand Viktor Klima verkürzt als Wirtschaftsminister im Text. Er war 1993 Minister für „Öffentliche Wirtschaft und Verkehr“ in der Regierung.