JOHANNES ZINNER

Randnotiz

Wie Sima wirbt

Meinung / von Moritz Moser / 10.01.2017

Eine Kampagne der Wiener Linien soll die Fahrgäste Anstand lehren. Es ist ein weiterer Werbeposten der Stadt Wien mit fraglichem Nutzen.

Stadträtin Ulrike Sima will den Verzehr stark riechender Lebensmittel und den Konsum von Alkohol in den Öffis einschränken und spricht von einer Kampagne für „Zivilcourage“. Ob Plakate und Inserate tatsächlich die Döner- und Dosenbierquote in U-Bahnen senken, darf bezweifelt werden.

Wenn, dann bitte gut

Kampagnen sind, auch wenn einen ihre inflationäre Lancierung durch die öffentliche Hand das glauben machen könnte, nicht immer für die Fisch’. Wenn man es geschickt anstellt, kann man Menschen kostengünstig auf das eigene Anliegen aufmerksam machen. Die Berliner Verkehrsbetriebe betreiben beispielsweise einen humorvollen Twitteraccount.

Wenn man mehr Geld in die Hand nimmt, sollte dabei schon etwas Gutes herauskommen. Die Verkehrsbetriebe im australischen Melbourne haben vor einigen Jahren mit ihrem Video „Dumb Ways to Die“ nicht nur auf Gefahren im Haltestellenbereich hingewiesen, sondern auch 143 Millionen Aufrufe auf Youtube erreicht.

Sima geht immer

Währenddessen machten sich die Wiener Linien im Herbst des vergangenen Jahres unter Führung von Stadträtin Sima auf, Plakate gegen stinkendes Essen, Hunde ohne Leine und Alkohol zu affichieren. Zunächst wurde eine Sujet-Welle lanciert, von der nicht erkennbar war, worum es eigentlich ging: „Ihr stinkt’s“ war da beispielsweise mit dem Foto einer verdrossen dreinblickenden jungen Dame zu lesen.

Als für die Wiener Linien zuständige Stadträtin ist es mir nämlich wichtig, Verantwortung zu übernehmen.

Stadträtin Ulrike Sima

Die mit Spannung erwartete Auflösung, was denn nun stinken könnte, kam einige Zeit später: die Wiener Linien. Man mache auf „Delikte“ aufmerksam, die Fahrgäste als störend empfänden, verteidigt Sima den Werbeeinsatz in einer Anfragebeantwortung an die Wiener NEOS. Die Kampagne sei auch deshalb nötig, weil andere erfolgreiche öffentliche Verkehrsbetriebe auch Werbung machen und weniger erfolgreiche nicht.

Dass sie selbst in einem Video der Kampagne auftaucht, sieht Sima nicht problematisch. Das sogenannte Kopf-Verbot des Medientransparenzgesetzes verbietet führenden Bundes- und Landespolitikern eigentlich Auftritte in Werbung ihrer Gebietskörperschaft. Für Sima ist das Video jedoch nicht Teil der Kampagne, sondern lediglich Ersatz für eine Pressekonferenz.

Keine Werbung bei Lokalbahnen

Die 565 Plakatstellen für die Kampagne, gebucht bei der SPÖ-teileigenen Gewista, kosteten 191.000 Euro. Was der Druck der Plakate selbst kostete, blieb Simas Anfragebeantwortung schuldig. Auch die Ausgaben für die begleitende Medienkampagne sind nicht klar, die Stadt verwies auf die Meldungen der Wiener Linien nach dem Medientransparenzgesetz. Daraus ist allerdings nur das gesamte meldepflichtige Werbevolumen ersichtlich, das zuletzt abgenommen hatte. Allerdings liegen die Zahlen für das letzte Quartal 2016 noch nicht vor.

Auch wenn sich laut Sima der Erfolg eines öffentlichen Verkehrsunternehmens am Werbevolumen messen lässt, haben die ebenfalls im Eigentum der Stadt Wien stehenden Wiener Lokalbahnen im selben Zeitraum keine entsprechenden Ausgaben gemeldet.

Die Wiener NEOS haben die Kampagne zum Anlass genommen, von den Wiener Linien gebuchte Plakatstellen mit eigenen Sujets zu überkleben. Die Sachbeschädigung wurde bisher nicht angezeigt.


Fleischhacker: Wer stoppt Ulli Sima?