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E-Mobilität

Wiener Elektroautofahrer dürfen hoffen

von Leopold Stefan / 14.01.2016

Die Verkehrspolitik der Grünen in Wien sorgt immer wieder für Kontroversen. Ein Bericht von NZZ.at, dass mit der Eindämmung des motorisierten Individualverkehrs die Ladeinfrastruktur für private Elektroautos hintangehalten wird, sorgte für Aufregung. Auch bei genauem Hinsehen bestätigt sich der Nachholbedarf im Ladenetz – aber ein Wandel in der Verkehrspolitik kündigt sich bereits an.

Die Feststellung, Wien habe kein Netz an Ladestationen im öffentlichen Raum, wies Christoph Chorherr, Gemeinderat der Grünen, zurück. Er verwies auf die E-Mobilitätsstrategie der Stadt Wien und das bestehende Netz von „hunderten Ladestationen“, die in dem Online-Verzeichnis „e-tankstellenfinder.com“ aufgelistet sind.

Sowohl die Internetdatenbank als auch das E-Mobilitätskonzept bestätigen jedoch die fehlenden Ladestationen im öffentlichen Raum, auch wenn es sie vereinzelt gibt.

Kein Ladenetz im öffentlichen Raum

Konkret listet der E-Tankstellenfinder unter dem Suchwort „Wien“ rund 140 Stecker für diverse Elektrovehikel vom E-Fahrrad bis zum Auto auf. Diese verteilen sich auf 45 LadestationenDas Ergebnis dürfte nicht vollkommen sein, so fehlt in der Auflistung z.B. der Tesla-Supercharger im 23. Bezirk. Die Suchmaschine Chargefinder liefert 48 Ladestationen für Wien. .

Dabei handelt es sich mit überwiegender Mehrheit um Ladestationen im halböffentlichen Raum, vor allem in Parkgaragen (meist gebührenpflichtig) und auf Parkplätzen von Restaurants und Geschäften. Im öffentlichen Raum, sprich: neben einem Parkplatz, der von der Stadt Wien bewirtschaftet wird, gibt es zumindest vier.Auch der ÖAMTC bietet an zwei Standorten eine Lademöglichkeit. Nicht auszuschließen, dass je nach Definition des öffentlichen Raums noch die ein oder andere Station hineinreklamiert werden könnte. Zwei Telefonzellen, die ohnedies Platz auf dem Gehsteig einnehmen, wurden mit Steckdosen für Elektroautos ausgerüstet. Bei der Fernwärmeanlage in der Spittelau und vor dem Büro des Interessenvertreters der Energiewirtschaft „Österreichs Energie“ auf dem Brahmsplatz steht jeweils eine weitere.

Teil des Konzepts

Auch die E-Mobilitätsstrategie der Stadt Wien stellt klar:

Grundsätzlich sollen Ladestationen im halböffentlichen Raum, wie zum Beispiel auf Parkplätzen oder in Garagen, zur Verfügung gestellt werden.

Nur in dezidierten Ausnahmefällen soll für spezielle Mobilitätsservices, wie E-Taxis, von diesem Prinzip abgegangen werden – bisher ist das nicht geschehen.

Das E-Taxi-Projekt unter der Leitung der Wiener Stadtwerke baut über den Winter bereits an zehn Schnellladestationen, die eine Flotte von 120 Elektrotaxis versorgen können. Im März sollen die ersten E-Taxis auf den Straßen Wiens unterwegs sein. Die zehn Ladestationen errichte man aber bewusst abseits des öffentlichen Raums, erklärt Michael Lichtenegger von den Wiener Stadtwerken. Sie seien auch nur für die Taxis reserviert, schließlich wolle man die Taxiunternehmer von einer Teilnahme überzeugen.

Im Gespräch verweist der Wiener Gemeinderat Christoph Chorherr auf den maßvollen Umgang mit öffentlichem Raum: Hässliche, klobige Boxen bräuchte man nicht an jeder Straßenecke. Das gilt vor allem für langsame Ladepunkte, die den öffentlichen Parkraum stundenlang blockieren.

Tatsächlich besteht das derzeitige Ladenetz in Wien überwiegend aus langsamen Ladepunkten, oftmals gewöhnlichen SchukosteckernSchuKo ist ein Akronym für Schutz-Kontakt und bezeichnet die auch im Haushalt gängigen, runden Stecker. die mindestens vier Stunden benötigen, um die Elektroautobatterie wieder aufzufüllen. Nur 14 Prozent der Ladepunkte in Wien gelten mit einer Leistung über 11 kW als schnell. Ein Ausbau dieser leistungsschwachen Infrastruktur im öffentlichen Raum würde wertvollen Platz ineffizient nützen.

Kostspielige Infrastruktur

Bei der Genehmigung neuer Ladestationen gäbe es aber auch das konkrete Problem, dass die Infrastruktur zur Stromversorgung für Schnellladestationen nicht überall gegeben ist, sagt Chorherr. Wie bei jedem Großverbraucher, vom Waschsalon bis zur Tankstelle, muss die notwendige Netzkapazität am Standort vorhanden sein oder ein kostspieliger Ausbau nachgeholt werden.


Credits: APA/Herbert Neubauer

Beim Umbau der Mariahilfer Straße habe man diese Chance jedoch verpasst, sagt Heimo Aichmaier, Geschäftsführer von Austrian Mobile Power. In der Planungsphase wäre es einfach und kostenschonend gewesen, Schnellladestationen in der Begegnungszone einzurichten – für E-Taxis, E-Carsharing, den Logistikbereich und auch für Private. Für einen zukünftigen Ausbau der Ladeinfrastruktur sollte sich der Zugang nicht auf exklusive Anwendergruppen beschränken, sondern jedem zur Verfügung stehen, erhofft sich Aichmaier.

Der Wunsch könnte in Erfüllung gehen. Innerhalb der nächsten zwei Monate werde das Konzept für den weiteren Ausbau der Elektroladestationen in Wien finalisiert, kündigt Chorherr an. Dabei würden auch Schnellladestationen im öffentlichen Raum geplant, die zumindest teilweise von Privaten genutzt werden dürfen. Eine genaue Zahl könne Chorherr noch nicht nennen, aber ein Ausbau im zweistelligen Bereich sei angedacht.