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Die Grünen haben ein Nazi-Problem

Meinung / von Michael Fleischhacker / 22.04.2016

Dass die bevorstehende Präsidentschaftswahl in Sachen Umfragen weitgehend ungesichertes Terrain ist, hat Kollege Renner bereits ausführlich und einleuchtend beschrieben. Zu den vielen Sorgen, die den Kandidaten und ihren Strategen die Neuheit der Situation bereitet, scheint sich nun ein altbekanntes Problem zu gesellen: die Angst des Favoriten, am Ende ein Mobilisierungsproblem zu bekommen.

Und wie mobilisiert man am besten für einen grünen Kandidaten? Indem man demjenigen Kandidaten, der ihm oder ihr am gefährlichsten werden könnte, ein Nazi-Problem anhängt.

Irmgard Griss ist unter den drei Kandidaten, denen Meinungsforscher derzeit am ehesten den Einzug in die Stichwahl zutrauen, nach Einschätzung ebendieser Meinungsforscher die Einzige, die beide möglichen Stichwahlkandidaten besiegen würde – sowohl Alexander Van der Bellen als auch Norbert Hofer. Hofer gegen Van der Bellen würde wohl eher Van der Bellen gewinnen, aber auch das scheint inzwischen weniger sicher als noch vor einigen Wochen.

Einberufungsbefehle

Was also tun? Erstens: eine Strategie entwickeln, die Robert Menasse versteht. Zweitens: die zwei, drei einigermaßen noch rudimentär schreibfähigen Repräsentanten des Grün-ist-das-neue-Rot-Bataillons ausfindig machen und mit der erschreckenden Möglichkeit vertraut machen, dass es der einzige kandidierende Garant gegen Schwarz-Blau doch nicht in die Stichwahl schaffen könnte, weil dem Sascha am Ende die Mobilisierungspuste ausgehen könnte.

Und siehe da: Doron Rabinovici und Joachim Riedl melden sich zum Dienst. Rabinovici auf Facebook, Riedl in seinem vom Hamburger ZEIT-Verlag herausgegebenen persönlichen Tagebuch. Frau Griss, schreiben die beiden in unterschiedlich bescheidenen Texten, habe ein Nazi-Problem. Also: Van der Bellen wählen, denn es braucht in der Hofburg jemanden, der den Nationalsozialisten von damals den erbitterten Widerstand leistet, den man von jedem erwarten kann, der nicht auf einem weststeirischen Bauernhof aufgewachsen ist.

Facebook-Widerruf

Dass jetzt für Griss-Faxen nicht die richtige Zeit ist, haben die alarmierten Grün-Strategen auch dem Dichter Menasse rechtzeitig vermitteln können. In einem Facebook-Widerruf seiner Facebook-Griss-Empfehlung, einer Art Kontroverse des Dichters mit sich selbst, korrigiert Menasse: „Konsequent“ habe man Alexander Van der Bellen zu wählen, heißt es nun. Zwar sei es Unfug, Frau Griss irgendeine Nähe zum NS-Gedankengut zu unterstellen, wie das einige grüne Hysteriker versuchten, aber angesichts der Gefahr, dass Irmgard Griss und Norbert Hofer die Stichwahl bestreiten könnten, müsse nun die Taktik geändert werden, die noch vor kurzem nahegelegt hatte, Griss zu wählen, um Hofer zu verhindern.

Griss – Hofer, das wollte der Dichter nicht. Noch dazu, wo sich nun herausgestellt habe, dass Griss die Bildung und Angelobung eines schwarz-blauen Kabinetts Kurz – Strache nicht nur für eine Möglichkeit halte, sondern möglicherweise sogar für eine Normalität. Also: konsequent Van der Bellen.

Es wird interessant sein zu sehen, ob und wie diese Doppelstrategie – ein paar alte Veteranen einberufen und eine Strategie entwerfen, die Robert Menasse versteht und taktisch umsetzen kann –, funktioniert. Wenn nicht, wird ein Satz empirisch belegt, der theoretisch schon lange stimmt: Die Grünen haben ein Nazi-Problem.