APA/HERBERT NEUBAUER

Interaktive Grafik

Die Macht der Sprache: Von Griss bis Obama

von NZZ.at / 19.12.2015

Irmgard Griss sieht die Sprache als ihr wichtigstes Werkzeug. Zwei interaktive Grafiken inklusive Videos zeigen, wie sich frühere und aktuelle Präsidenten und Politiker zwischen Aufdecker und Hetzer, Einluller und Versöhner einordnen lassen. Mitarbeit: Fabian Lang, Lukas Wagner, Lukas Sustala.

Irmgard Griss will Bundespräsidentin werden. Was sie zunächst in einem Videointerview mit NZZ.at noch als Absicht zu Protokoll gegeben hat, ist seit gestern offiziell. In einem Video an die YouTube-Nation hat Griss dabei die Ziele ihrer Kandidatur formuliert. Wichtiger noch, sie hat geschildert, was sie von den übrigen Kandidaten unterscheiden wird. Statt der parteipolitischen Vernetzung will Griss nämlich vor allem ihre Sprache als politisches Werkzeug einsetzen:

Mein wichtigstes Werkzeug ist die Sprache. Als Bundespräsidentin stehe ich für eine Sprache, die nicht zudeckt, sondern aufdeckt, die nicht einlullt, sondern aufrüttelt, die nicht hetzt, sondern versöhnt, die nicht ausgrenzt, sondern einbindet.

Wir haben uns angesehen, wie sich verschiedene Staatsmänner gemäß der Griss’schen Koordinaten einordnen lassen.

Aufdecker und Ausgrenzer

Politik grenzt gerade dann aus, wenn die Institutionen mit einer Situation überfordert sind. Dann ist ein Feind von außen etwas Nützliches, das über die eigenen Schwächen hinwegschummeln lässt. Wer ausgrenzt, nutzt dann immer wieder auch das Instrument der Hetze.

Hetzer und Aufrüttler

Auf Konfuzius geht das folgende Zitat zurück:

Wenn die Begriffe nicht richtig sind, so stimmen die Worte nicht; stimmen die Worte nicht, so kommen die Werke nicht zustande; kommen die Werke nicht zustande, so gedeihen Moral und Kunst nicht; gedeihen Moral und Kunst nicht, so trifft die Justiz nicht; trifft die Justiz nicht, so weiß die Nation nicht, wohin Hand und Fuß zu setzen. – Also dulde man nicht, dass in den Worten etwas in Unordnung sei. Das ist es, worauf alles ankommt.

Vielleicht ist es bei der kommenden Präsidenschaftswahl in Österreich besonders wichtig, dass die Begriffe stimmen.