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Bundespräsidentenwahl

Herr Hofer und die österreichische Nation

Meinung / von Moritz Moser / 12.04.2016

Der blaue Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer glaubt also doch an die österreichische Nation. Sagte er zumindest in der Pressestunde am 10. April. Mit den Deutschnationalen will er aber nicht brechen.

Eine Nation, diese Frage ist eine Gefühlsfrage.

Norbert Hofer

Hofer hat das „Handbuch freiheitlicher Politik“ und das Programm der FPÖ verantwortet, laut dem „Sprache, Geschichte und Kultur Österreichs deutsch“ sind. Hofer ist Mitglied der deutschnationalen Burschenschaft „Marko-Germania“, die die österreichische Nation ablehnt. Hofer geht mit schwarz-rot-goldener Couleur auf den Akademikerball. Aber Hofer glaubt, so sagt er es in der Pressestunde, an die österreichische Nation.

Wenn man ihm glauben will, ist das ein erstaunliches Bekenntnis, das wohl dazu führen wird, dass er die Stimmen derjenigen verliert, die 1980 Norbert Burger gewählt haben. Der Deutschnationalismus ist in gewissen Kreisen der FPÖ ja noch durchaus en vogue, auch wenn die Deutschnationalen nur mehr etwa sechs Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Dennoch: Manche Freiheitliche sind eher bereit, an die Existenz von Chemtrails zu glauben als an jene der österreichischen Nation.

Ich bin der Meinung: Österreich ist eine Nation.

Norbert Hofer

Ernst und ehrlich gemeint könnten Hofers Aussagen einen freiheitlichen Paradigmenwechsel bedeuten. Doch der Bruch mit dem großdeutschen Lager bleibt vordergründig. Hofer lehnt das deutschnationale Bekenntnis seiner Verbindung nicht ab, sondern ist nur „anderer Meinung“.

Das ist insofern nachvollziehbar, als Nationalität nichts anderes als ein persönliches politisches Bekenntnis zu einer konstruierten Gemeinschaft ist, die „Marko-Germania“ selbst ist im Gegenzug jedoch weit weniger liberal. Sie lehnt die „geschichtswidrige Fiktion einer österreichischen Nation“ ab. Hofer will der Verbindung, die seine Ansichten derart verurteilt, trotzdem treu bleiben.

Wir sind Teil dieses deutschen Sprach- und Kulturraums.

Norbert Hofer

Für Hofer ist, und auch das erstaunt, Nationalbewusstsein aber ohnehin nur „ein Kinkerlitzchen“ und „ein Minithema, das für Österreich völlig unerheblich ist für die Zukunft“. Solche Aussagen hätte man sich eher von der Grünen Jugend erwartet, die bekanntlich mit der österreichischen Flagge Hundekot aufwischen möchte.

Dafür, dass kollektive Identitätskonstrukte so unbedeutend sind, tauchen bei FPÖ-Kundgebungen jedoch verdächtig oft rot-weiß-rote Flaggen und patriotische Slogans auf. Auf Hofers Plakaten steht bekanntlich „Deine Heimat braucht dich jetzt“ und „Flagge zeigen“.

„Nur wer die eigene Kultur liebt, kann andere Kulturen schätzen.“ sagt Hofer weiter. Es gebe einen „deutschen Sprach- und Kulturraum“, aber: „Mein Vaterland ist Österreich.“ Im Grunde doch sehr ausführliche Einlassungen für jemanden, der das Thema für „ein Kinkerlitzchen“ hält.


 

→ Unter falscher Flagge