Bundespräsidentschaftswahl

Irmgard Griss, eine Frau geht ihren Weg

Meinung / von Moritz Moser / 08.03.2016

Irmgard Griss hat die notwendigen Stimmen für eine Präsidentschaftskandidatur beisammen und inszeniert die Einreichung beim Innenministerium entsprechend. Die Kandidatin ist in der Politik angekommen.

Die Bewerberin um das höchste Staatsamt steht vor der Hofburg, Mikrofone und Kameras sind auf sie gerichtet. 6.000 Unterstützungserklärungen verlangt das Bundespräsidentenwahlgesetz für einen Platz auf dem Stimmzettel. Den möchte Irmgard Griss nun reklamieren. Der Weg könnte direkt in das Innenministerium führen, wo die Kandidatin oder ihr Vertreter den Kostenbeitrag über 3.600 Euro bezahlt und die eingereichten Erklärungen überprüft werden.

Die Mediengesellschaft verlangt allerdings eine gewisse Inszenierung dieses Verwaltungsaktes. Vor der versammelten Presse wiederholt Irmgard Griss daher zunächst noch einmal ihre bisherigen Kernbotschaften: Unabhängigkeit, Unabhängigkeit und Unabhängigkeit. Es folgt ein kurzes Statement zur Tagespolitik: Die illegalen Grenzübertritte müssten aufhören, das Problem lasse sich aber wohl auch nicht in Mazedonien aufhalten.

Wie viele Unterschriften genau zusammengekommen sind? Das weiß die Kandidatin nicht genau. Griss hat am Vortag noch selbst einige Unterstützungserklärungen aus Graz mitgebracht. Mehr als 7.800 sind es, weiß der Sprecher. Griss gibt bekannt, noch weitere Unterstützungserklärungen sammeln zu wollen, das erste Kontingent will sie dem Innenministerium aber heute schon übergeben. Strategisch ist das klug. Was die Unterstützungen betrifft, wird sich die Kandidatin mit den Bewerbern, die einen organisierten Parteiapparat hinter sich haben, am Ende kaum messen können. Wenn sie als Erste einreicht, hat sie immerhin das Moment der Schnelleren auf ihrer Seite.

Der Gang zum Ministerium hingegen läuft alles andere als schnell ab. Hinter Griss warten nämlich noch Wahlkampfhelfer mit mehreren Kartonagen einer Umzugsfirma. Die sind auf der einen Seite mit den Namen der Bundesländer beschriftet, eine weitere Schachtel steht für die Auslandsösterreicher. Auf der Rückseite steht unter anderem „Irmgard Griss“, „die erste Frau“ und „in der Hofburg“.

„But I am not a politician“

Griss nimmt selbst eine Schachtel in die Hände und postiert sich vor der Anhängerschaft. Die halten ihre Kartons brav in die Kameras. „Einmal noch bitte“, sagt ein Fotograf. Anschließend baut man für die Medienvertreter eine Pyramide mit den Schachteln, von denen niemand weiß, wie voll sie eigentlich sind. Dann gibt es noch eine Fragerunde. Eine amerikanische Touristengruppe kommt vorbei und will wissen, was los ist. Griss, die einen Master in Harvard gemacht hat, gibt in hervorragendem Englisch bereitwillig Auskunft. „But I am not a politician“, sagt sie in das Mikrofon der Stadtführerin. „Not yet.“

Die Wahlhelfer machen sich währenddessen schon einmal mit den Schachteln auf den Weg in Richtung Bruno-Kreisky-Gasse. Zu früh. Man ruft sie noch einmal zurück, damit die Kameras den langen Marsch zum Innenministerium in der Herrengasse auch einfangen können. Griss und ihr Team setzen sich also gemeinsam in Bewegung, die Medien-Entourage trottet hinterher.

Zwischen Außenministerium und Palais Niederösterreich gibt es einen kurzen Stopp. Die Kameraleute laufen voraus, auf „eins, zwei, drei“ kommen die Unterstützer mit den Unterschriftenkisten ums Eck und biegen in die Leopold-Figl-Gasse ein. Die Szene ist im Kasten, die Inszenierung geht weiter. Auf dem Trottoir vor dem Innenressort staut es sich. Die Fernsehcrews wollen den Einmarsch ins BMI möglichst gut erwischen.

Noch einmal werden die Kisten hochgehalten, bis ein ausfahrender Dienstwagen kurzfristig die Wahlveranstaltung unterbricht. Während der Saftlieferant des Innenministeriums versucht, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, werden Besucherkarten an die Wahlhelfer ausgeteilt. Die Journalisten schauen noch für kurze Zeit von außen zu und ziehen dann ab. Alle sind zufrieden. Griss ist jetzt Politikerin, die Journalisten haben ihre Geschichte.