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Randnotiz

Warum die Jung-Ökos mit Van der Bellen fremdeln? Kalkül ist es nicht

von Wolfgang Rössler / 13.01.2016

Man kann der grünen Parteijugend manches vorwerfen. Aber sicher nicht, dass sie nach der Pfeife der Erwachsenen tanzen.

Der gelernte Spin-Doctor will den Spin entlarven.

https://twitter.com/josefkalina/status/687156517418733569

schreibt der Lobbyist und frühere SPÖ-Kampagnenchef Josef Kalina. Dass die grüne Parteijugend mit Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen öffentlich fremdle, sei Kalkül – um die mangelnde Unabhängigkeit des Professors von seiner Partei zu kaschieren. Er bezieht sich auf eine Aussage von Kay-Michael Dankl, dem Chef der Jungen Grünen. Der hält Van der Bellen für neoliberal – was im Sprachgebrauch der Nachwuchs-Grünen zu den gröberen Beleidigungen gehört.

Kalina insinuiert, dass das mit den Erwachsenen abgesprochen war. Der Jung-Öko distanziere sich im Auftrag der Bundespartei von Van der Bellen, damit dieser den grünen Stallgeruch ablegen könne: So unabhängig sei er, dass selbst die eigenen Leute an ihm verzweifeln würden. Willkommen in der Politikerblase.

Kein Mensch von Verstand wird Van der Bellen für einen unabhängigen Kandidaten halten. Im Vorstand seines überparteilichen Wahlvereins sitzen grüne Spitzenfunktionäre, man hat ein Büro neben der Grünen-Parteizentrale angemietet. Als Van der Bellen von Armin Wolf darauf angesprochen wurde, sprach er von einer „symbolischen“ Überparteilichkeit und grinste dabei schief. Wenn Van der Bellen Ausflüchte sucht, dann vermittelt er dem Publikum, dass ihm das peinlich sei. Das wirkt sympathisch, weil es seinen Aussagen die Schärfe nimmt. Viele, die mit den Grünen nichts zu schaffen haben, mögen Van der Bellen. Vor ihm, glauben sie, müsse man keine Angst haben.

Genau davon aber träumen die meisten Nachwuchs-Grünen. Sie mussten nicht aufgefordert werden, seine Kandidatur abzulehnen. Schon Dankls Vor-Vor-Vorgänger haben sich an Van der Bellen gerieben, der ihnen stets zu wenig kantig, zu wenig links war. Van der Bellen befürwortete Studiengebühren und redete auch mit Rechten. Er stand und steht für jenen Pragmatismus, der jungen Radikalen so lange verhasst ist, bis sie selbst Politik machen.