Was am Sonntag bei unserer Online-Wahl passiert ist

von Lucia Marjanovic / 03.10.2016

Wir haben gestern ein E-Voting abgehalten. Es war eine interessante Erfahrung. Wir haben Besuch von Hackern bekommen, und außerdem können wir dem Innenministerium nun Tipps geben, welche Fehler man vermeiden sollte.

Obwohl wir wunderschöne Printmagazine machen, sind wir ein Online-Medium. Wir haben uns relativ viel mit der Bundespräsidentschaftswahl beschäftigt, und wir finden, der Wahlkampf dauert schon viel zu lange. Aufgrund des Wahlkartendesasters haben wir diskutiert, ob E-Voting eine Alternative wäre. Daher entstand die Idee, die Wahl abzuhalten – bei uns auf NZZ.at.

Unser technischer Entwickler bastelte also ein Tool zum Abstimmen, pünktlich um Mitternacht ging der Beitrag online. Was dann passierte, war nicht beabsichtigt, aber ziemlich desillusionierend.

Jetzt hatten wir unser Online-Wahllokal eingerichtet, und den Wählern wurde gesagt, die Seite sei nicht sicher, sie sollten doch bitte lieber eine andere besuchen. Das ist ein bisschen peinlich. Wie sagte schon unser Innenminister: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Falls jemand die Wahl anfechten möchte, wird unser Verfassungsjurist Moritz Moser rechtliche Schritte prüfen.

Hoffentlich hat das Innenministerium besser geschützte Server

Das Problem mit dem Zertifikat war irgendwann am Vormittag behoben. Kurz darauf tauchte das nächste auf:

Das System ist tatsächlich zusammengebrochen. Grund war allerdings leider nicht der Ansturm unserer User. Es gab „jede Menge sehr seltsame Zugriffe“ auf unsere Server, von unterschiedlichsten IP-Adressen aus dem Ausland. Die zuständigen Experten vermuteten eine DoS-Attacke aus einem TOR-Netzwerk. Erst am Abend konnte eine endgültige Lösung für das Problem gefunden werden.

Falls jemand da draußen beweisen wollte, dass Online-Wahlen auf NZZ.at nicht sicher sind – es ist gelungen.


Das Ergebnis der Wahl finden Sie hier.