Lilly Panholzer

Star Wars Dezember 2015

Deutschstunde mit Yoda

von Lucia Marjanovic / 14.12.2015

Meister Yoda hat keinen Sprachfehler. Im Gegenteil, er ist ein brillanter Rhetoriker.

Yoda hat es als kleiner, grüner Zwerg unter all den großen Jedi-Meistern sicher nicht leicht gehabt. Sein Lichtschwert ist kürzer als das der Kollegen, und er muss sehr viele akrobatische Kunststücke einlegen, um überhaupt an die Gegner heranzukommen.

Doch auch wenn ihm das sehr beeindruckend gelingt, ist Kämpfen nicht seine eigentliche Stärke.

Yoda ist, wie alle Jedi-Meister (Jedi-Meisterinnen gibt es auch, aber die sagen nicht so viel), sehr weise. Während man allerdings von Meister Windu, der fast genauso weise ist, vor allem das violette Lichtschwert in Erinnerung behält, bleiben von Yoda seine Worte im Gedächtnis.

Und vor allem sein Satzbau.

Powerful you have become, Dooku. The dark side I sense in you.

 

Fought well you have, my old Padawan.

Once you start down the dark path, forever it will dominate your destiny.

Während auf Englisch und Deutsch das Subjekt meist an erster und das Prädikat an zweiter Stelle stehen (Die dunkle Seite ist stark in ihm), stellt Yoda oft das Prädikat ans Ende des Satzes und das Subjekt davor (Stark die dunkle Seite in ihm ist). Das klingt doch gleich viel origineller, nicht wahr? Und man hat alle wichtigen Informationen am Anfang des Satzes (stark, dunkle Seite).

Yoda wählt also nicht nur seine Worte sehr weise, sondern verleiht seinen – nüchtern betrachtet manchmal eher banalen – Inhalten durch verdrehte Syntax mehr Gewicht: Hard to see, the dark side is. (Na logisch, deswegen ist sie ja auch dunkel.)

Masking the future is this disturbance in the Force.

Yoda

Wahrscheinlich tut er das bewusst. Denn eigentlich beherrscht er die übliche Reihenfolge Subjekt – Prädikat – Objekt. Er verwendet sie zum Beispiel, wenn er sich ärgert: „I cannot teach him. The boy has no patience.“

Als er Luke einreden will, er solle auf dem Sumpfplaneten in aller Seelenruhe noch ein bisschen Handstand üben, statt seinen Freunden, die von Darth Vader gefoltert werden, zu Hilfe zu eilen, benützt er den korrekten Imperativ:

„Luke! You must complete the training!“

„You must not go!“

„Remember your failure at the cave!“

Klingt in diesem Fall auch überzeugender als „Nicht gehen du darfst!“.

Yoda erklärt seine Besorgnis sogar noch ausführlicher, in zwei langen, grammatikalisch völlig korrekten Sätzen:

Only a fully trained Jedi knight with the Force as his ally will conquer Vader and his Emperor. If you end your training now, if you choose the quick and easy path, as Vader did, you will become an agent of evil.


Aber obwohl Yoda für seine verdrehte Grammatik bekannt ist, sind seine bekanntesten Zitate in völlig korrekter Syntax gehalten:

Do. Or do not. There is no try.

Fear is the path to the dark side … fear leads to anger … anger leads to hate … hate leads to suffering.

Und „Die Macht mit dir sein möge“ wäre wohl auch ein bisschen lächerlich.

In diesem Sinne:

May the Force be with you.

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