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Terror in Paris

Entsetzen und Krokodilstränen im Nahen Osten

von Monika Bolliger / 14.11.2015

Arabische Staatschefs und religiöse Autoritäten haben die Attentate von Paris verurteilt. Manche versuchten, daraus Kapital zu schlagen. In sozialen Medien drückten viele Entsetzen über die Tat aus.

Arabische Staatschefs haben die Attentate von Paris scharf verurteilt. Riad drückte sein Mitgefühl für die Opfer aus, während der Herrscher von Kuwait erklärte, diese „kriminellen Terrorakte“ verstießen gegen „die Lehre des heiligen Glaubens und menschliche Werte“. Während IS-Sympathisanten in sozialen Medien mit dem Hashtag „Paris brennt“ triumphierten, waren viele andere Reaktionen in der Region von Entsetzen und Trauer geprägt.

Verurteilung durch die Azhar

In manchen ägyptischen Reaktionen in staatsnahen Medien war ein gewisses „Seht ihr, euch kann es genauso treffen“, unüberhörbar. Es wurde auch die Hoffnung ausgedrückt, dass die Welt sich endlich mit der ägyptischen Regierung in der Terrorbekämpfung solidarisiert und nicht mehr über Menschenrechtsverletzungen spricht. Der syrische Präsident Baschar al-Assad, dessen Regime zehntausende Tote auf dem Gewissen hat, erklärte derweil unverfroren, Frankreich sei Opfer desselben Übels, an dem Syrien seit fünf Jahren leide.

Entsetzen und Trauer

Im privaten Gesprächen dominierten Entsetzen, Trauer und die Frage, wohin das alles noch führen soll. Etwas Bitterkeit, dass die Opfer von Paris mehr Betroffenheit ernten als jene von Beirut, war auch vorhanden. Ein palästinensischer Freund meinte, dass die Welt ein furchterregender Ort geworden sei, und dass ihn die Ereignisse von Paris traurig stimmten. „Zum Teufel mit dem Terror. Und zum Teufel mit dem Krieg gegen den Terror“, schrieb er. Damit drückte er ein in der Region verbreitetes Gefühl aus – das Gefühl, zwischen zwei Übeln gefangen zu sein. Auf der einen Seite sind blutrünstige Terroristen mit rückwärtsgewandten Weltbildern, auf der anderen repressive Regimes und Militärinterventionen, deren „Kampf gegen den Terror“ auch unschuldige Zivilisten tötet und politische Aktivisten in Gefängnissen verschwinden lässt, wo sie gefoltert werden.

Der oppositionelle syrische Journalist Farhan Matar aus Rakka, der „Hauptstadt“ des IS in Syrien, der in Paris Zuflucht gefunden hat, reagierte auf seiner Facebook-Seite mit folgenden Worten auf die Berichte, wonach die Attentäter „Das ist für Syrien“ gerufen haben sollen: „Ihr Mörder, Syrien trägt keine Schuld an euren Verbrechen, und wir brauchen nicht noch mehr Perversionen als jene, die ihr bereits über unser Volk und unseren Traum von der Freiheit gebracht habt.“