Brian Snyder/Reuters

Clinton und Trump stellen sich als zukünftige Oberbefehlshaber dar

von Beat Ammann / 08.09.2016

Bei einer Veranstaltung des amerikanischen Senders MSNBC haben Hillary Clinton und Donald Trump ihre Qualifikationen für das Amt des höchsten militärischen Befehlshabers einer Grossmacht herausgestrichen.

Der im Hudson River in New York verankerte ausrangierte Flugzeugträger „Intrepid“ (Unerschrocken) diente am Mittwoch als Ort einer ersten indirekten Konfrontation zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Unmittelbar nacheinander beantworteten Kandidatin und Kandidat Fragen eines überwiegend militärischen Publikums zu Fragen von Sicherheit, Aussenpolitik und Strategie.

„Niemals wieder Bodentruppen im Irak“

Die Veranstaltung lief unter dem Titel „Commander-in-Chief Forum“. Sie sollte Clinton und Trump Gelegenheit geben – oder sie dazu zwingen – darzulegen, warum sie für das Amt der Oberbefehlshaberin oder des Oberbefehlshabers qualifiziert seien. Clinton sagte gleich zu Beginn, die wichtigste Eigenschaft, die ein Präsident haben müsse, sei Ausgeglichenheit sowie die Fähigkeit, zuzuhören und zu verstehen, was die jeweiligen Optionen seien.

Clinton konnte darauf verweisen, dass sie „mehrere Präsidenten“ von Nahe habe beobachten können. Sie erwähnte jenen Nachmittag im Situation Room des Weissen Hauses, als Präsident Obama und sein Team die Kommando-Aktion gegen Usama bin Laden in Pakistan verfolgten. Clinton war dabei. Nichts Neues ergab der Abschnitt über die Entscheidung von Clinton, als Aussenministerin einen privaten E-Mail-Server zu benutzen. Die Frage, ob diese Fehlentscheidung sie nicht fürs Amt der Oberkommandierenden disqualifiziere, blieb unbeantwortet, war aber ohnehin überzogen.

Clinton sprach mehrmals von ihrer Fähigkeit, internationale Koalitionen zusammen zu bringen, um Brandherden zu begegnen, etwa in Libyen oder gegenüber der Atompolitik Irans. Ohne es auszusprechen brachte sie so Kritik am Stil von Trump vor, der gewiss besser dabei ist, Leute abzukanzeln als sie anzuhören. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin machte zudem klar, dass sie wie Barack Obama keine amerikanischen Bodentruppen in grosser Zahl nach Syrien oder in den Irak schicken will. „Wir schicken niemals wieder Bodentruppen in den Irak“, sagte Clinton.

Generäle als Witzfiguren

Trump konnte keine ähnliche Erfahrung wie Clinton im Umgang mit politischer Macht vorbringen. Er sagte, der Aufbau einer grossen Firma sei seinem guten Urteilsvermögen zu verdanken, das ihm im Weissen Haus zugute kommen werde. Er kenne China bestens und habe jüngst bei seinem Kurzbesuch in Mexiko sofort einen guten Draht zum dortigen Präsidenten gehabt. Beide Länder lebten auf Kosten der USA. Das würde sich unter ihm ändern.

Der Geschäftsmann sagte, die USA hätten in letzter Zeit die schlimmste und dümmste Aussenpolitik gehabt. Er wiederholte seine Aussage, unter ihm hätten die Generäle 30 Tage Zeit, einen Plan vorzulegen, wie der Islamische Staat (IS) zu besiegen sei. Er selbst habe einen Plan, gab aber nichts davon preis, mit der Erklärung, er werde dem Feind nicht vorab erklären, was dieser zu erwarten habe. Unter Obama seien die Generäle zu Witzfiguren verkommen. Er tönte an, er werde viele Generäle auswechseln.

Das Desaster sind die Anderen

Mit Blick auf den Irak erklärte Trump, die Amerikaner hätten die Hand auf das dortige Erdöl legen sollen, um die Kontrolle im Land zu behalten. Dies hätte auch verunmöglicht, dass der IS sich via Erdöl finanziere. Trump blieb seiner Rhetorik treu. Er blockte Fragen zu konkreten Schritten im Amt – etwa gegenüber Wladimir Putin – zumeist dadurch ab, dass er sagte, Obama und Clinton seien eine Katastrophe gewesen. Er möge das russische Regierungssystem zwar nicht, aber in diesem System sei Putin der klare Anführer – „sehr viel mehr, als unser Präsident ein Anführer war“. Er, Trump, werde eine gute Beziehung zu Russland haben. Unter ihm werde Amerika wieder gross. Auf die Frage, ob er vom ersten Tag an in der Lage sein würde, dem Amt gerecht zu werden, sagte Trump, „sie“ habe in Libyen einen Riesenfehler gemacht und diesen hinterher noch verschlimmert. Gemeint war Hillary Clinton. „Wir haben“, schloss Trump, „grosse Management-Kapazitäten“.