Brian Snyder / Reuters

Clintons stellvertretende Wahlkampfleiterin: Eine Freundin der ersten Stunde

von Marie-Astrid Langer / 14.10.2016

Auf den ersten Blick ist Huma Abedin das Gegenteil von Hillary Clinton: fast 30 Jahre jünger, gross, dunkelhaarig, schüchtern. Tatsächlich ist sie ihre engste Vertraute und Beraterin – und das seit 20 Jahren.

„Ich habe eine Tochter. Hätte ich eine zweite, wäre das Huma.“ So beschrieb Hillary Clinton im Jahr 2010 das Verhältnis zu ihrer Beraterin Huma Abedin. In diesem Herbst feiern die beiden Frauen ihr Zwanzig-Jahre-Jubiläum, gekrönt durch den Wahlkampf um das Weisse Haus. Abedin ist die Mitarbeiterin, die am längsten für Clinton tätig ist, und trägt heute den Titel der stellvertretenden Wahlkampfleiterin; tatsächlich ist sie aber Clintons rechte Hand und persönliche Vertraute. Manche sagen, nur Bill sei ihr näher.

Dabei kreuzten sich ihre Wege eher zufällig: Die 21-jährige Journalismus-Studentin Abedin bewarb sich im Wahljahr 1996 um ein Praktikum im Pressestab von Bill Clinton, stattdessen teilte man sie dem Büro der First Lady zu. Das erste Zusammentreffen mit dieser beschrieb Abedin in einem ihrer seltenen Interviews als Schicksalsbegegnung: „Kurz nach Bekanntwerden des Wahlsiegs kamen sie und Bill zu den Mitarbeitern. Hillary schüttelte meine Hand, unsere Blicke trafen sich. Und ich dachte, wow, das ist unglaublich, sie ist umwerfend.“ Auch Clinton schien von der jungen Frau mit arabischen Wurzeln überzeugt, denn seit jenem Herbst ist Abedin nicht mehr von ihrer Seite gewichen: Sie war Clintons persönliche Beraterin während ihrer Zeit als Senatorin und der erfolglosen Präsidentschaftskandidatur 2008, ihre persönliche Assistentin im Aussenministerium. Sollte Clinton am 8. November gewinnen, wird Abedin als Stabschefin gehandelt.

Dass die 41-Jährige in Clintons Schatten verschwindet, stört sie offenbar nicht. Der „Vogue“ sagte sie: „Ich habe nie den Ehrgeiz verspürt, der Chef zu sein. Ich helfe Hillary, anderen zu helfen.“ Keine Clinton-Rede, die nicht Abedin genehmigt, keine Wahlkampfentscheidung, bei der sie nicht mitgeredet hat. Selbst in Mode-Fragen berät sie die Kandidatin. Abedin ist der Motor und das Gedächtnis des Clinton-Apparats. „Ich weiss, wie Hillary die Dinge haben will“, sagt sie.

Bemerkenswert ist der persönliche Hintergrund der gläubigen Muslimin: Als eines von vier Kindern einer indischen Frauenrechtlerin und eines pakistanischen Professors wurde sie im US-Gliedstaat Michigan geboren. Als Abedin zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Saudiarabien. Dort besuchten die Kinder britische Schulen und lernten neben dem Englischen Hindi, Urdu und Arabisch. Zum Studium zog Abedin in die amerikanische Hauptstadt – eigentlich, um Journalistin zu werden. Speziell in Fragen des Nahen Ostens gilt sie heute als Clintons Einflüsterin und springt auch einmal als Dolmetscherin ein.

So gerne Abedin hinter der Bühne bleibt, wurde sie zuletzt doch immer wieder ins Scheinwerferlicht gezerrt: Republikaner kritisierten sie etwa 2012 als Sympathisantin der Muslimbrüder, was jedoch als haltlose Behauptung gilt. In den Nachrichten, die durch Clintons E-Mail-Affäre publik wurden, taucht Abedins Name immer wieder auf. Die Frage steht im Raum, wie sauber sie ihre Doppelrolle als Mitarbeiterin der Clinton-Stiftung und des Aussenministeriums getrennt hat. Bisher konnte ihr jedoch kein Rechtsbruch nachgewiesen werden.

Zuletzt sorgte Abedins Privatleben für Schlagzeilen: Ihr Ehemann, der New Yorker Kongressabgeordnete Anthony Weiner, wurde mit publik gewordenen Intim-Fotos und Affären zum nationalen Gespött. Lange hielt Abedin zu ihm, trennte sich nun aber Ende August, nachdem Weiner erneut intime Fotos versendet hatte, auf denen auch der gemeinsame Sohn zu sehen war. Die Ehekrise dokumentiert der Film „Weiner“, der im Frühjahr in den amerikanischen Kinos lief – eine zusätzliche Demütigung für Abedin. Einige Medien schrieben, der Skandal um Weiner mache Abedin zu einer Last für Clintons Wahlkampf. Diese dürfte das anders sehen – verbindet die Erfahrung eines untreuen Ehemanns die beiden Frauen doch zusätzlich.