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Nach „Super Tuesday“

Das Duell ist fix: Hillary Clinton vs. Donald Trump

von Beat Ammann / 08.06.2016

Mit Siegen in mindestens drei Vorwahlstaaten hat Hillary Clinton ihre Rolle als designierte Kandidatin der Demokraten gefestigt. Sie verlor wenig Zeit mit Siegesreden, sondern holte direkt zum Schlag gegen Trump aus.

Beinahe am Ende des Reigens der Vorwahlen in Amerika hat Hillary Clinton am Dienstagabend die Sache klar gemacht. Sie ist die erste Frau, die die Nominierung zur Präsidentschaftskandidatur einer der beiden großen amerikanischen Parteien gewinnt. Das ist ein Meilenstein in der Geschichte der USA.

Ministerium als Hedgefonds

Donald Trump, ihr Gegner für die Republikaner, hat in einer kurzen Rede am Dienstagabend sogleich den Wahlkampf gegen sie eröffnet. Sie hatte ihre erste große Salve gegen ihn bereits vor ein paar Tagen abgefeuert und darin Trump als Gefahr für Amerika und die Welt gebrandmarkt. Trump beschuldigte Clinton, die Exponentin eines manipulierten, korrupten Systems zu sein und als Außenministerin das State Department in einen privaten Hedgefonds pervertiert zu haben.

Bernie Sanders, der hartnäckige parteiinterne Herausforderer von Hillary Clinton, hätte am Dienstag ein politisches Wunder benötigt, um sein Ausharren im Rennen halbwegs rational erscheinen zu lassen. Gewählt wurde in sechs Gliedstaaten. Das Wunder fand nicht statt. Clinton gewann nicht nur haushoch in New Jersey, sondern – laut vorläufigen Zahlen – auch in New Mexico, South Dakota, vielleicht in Montana und allem Anschein nach in Kalifornien – dem Grand Prix dieser Wahlnacht, wenn auch dort viele Stimmen noch nicht ausgezählt sind. So oder so: Sie hat das notwendige Minimum von Delegierten klar übertroffen.


Credits: NZZ, New York Times

Selbst wenn die parteiinternen Eigenheiten der Demokraten, die zur Kür einer Kandidatin oder eines Kandidaten gehören, nicht existierten, hätte Clinton Sanders klar und deutlich geschlagen. Sie hat insgesamt rund fünf Millionen Stimmen mehr errungen als der Senator aus Vermont. Es wird erwartet, dass Präsident Obama demnächst seinen Rückhalt für seine ehemalige Außenministerin öffentlich deklarieren und seine Ärmel für die Schlacht gegen Trump hochrollen wird.

Angebot an Sanders-Fans

Trump wandte sich in seiner Rede direkt an die Anhänger von Sanders. Er unterstellte, Sanders sei von Clinton nur wegen des manipulierten Systems der Super-Delegierten besiegt worden – was falsch ist (siehe oben). Trump sagte, die Gefolgschaft von Sanders sei in seinem Lager willkommen. Er stellte fest, Sanders und er seien sich einig in der Kritik an der traditionellen Handelspolitik amerikanischer Regierungen.

Er hingegen werde Handelsabkommen nur dann unterzeichnen, wenn sie für Amerika vorteilhaft seien. Er werde Jobs zurück nach Amerika bringen. Trump schürte weiter die Ängste gegen Einwanderer, indem er sagte, er habe Eltern umarmt, die ihre von illegalen Einwanderern ermordeten Kinder hätten begraben müssen. Amerika sei bankrott, und Verbrechen nähmen zu. Unter seiner Präsidentschaft würde endlich wieder „America First“ gelten. Er würde im Ausland nur in Konflikte eingreifen, wenn dort Amerikas Sicherheit direkt auf dem Spiel stehe.

Ausholen von Hillary Clinton

In ihrer Siegesrede hob Hillary Clinton zwar die historische Bedeutung ihrer Nomination hervor, verlor aber nicht viel Zeit mit hehren Worten, sondern ging gleich zum Angriff gegen ihren Gegner über: Trump sei von seinem Temperament her unfähig, Präsident zu sein.

Er sei ein rückwärtsgewandter falscher Prophet, der vorgaukle, er könne die Wirtschaftsstrukturen von früher wieder herstellen.

Sie tönte an, der Slogan von Trump – „America First“ – impliziere die Rückkehr zu einem Land, das auch nach Rassen gespalten sei. Sie hingegen wende sich der Zukunft zu, und es gehe etwa darum, Amerika zur Supermacht nachhaltiger Energie gestalten.

Clinton belobigte ihren Rivalen Sanders und hob hervor, was sie mit ihm verbinde. Die Auseinandersetzung mit ihm sei gut gewesen, sowohl für die Demokratische Partei als auch für Amerika. Sie bemühte sich, mit der Beschwörung bodenständiger Werte Brücken zu schlagen zu all jenen, die ihr skeptisch oder ablehnend gegenüber stehen.

Clinton wirkte gelöst und selbstsicher. Bill Clinton trat am Ende der Rede auf die Bühne und umarmte seine Frau. Beherrschte man die Kunst des Lippenlesens, könnte man sicher sein, dass er ihr zuflüsterte: „I’m proud of you.“