Carlo Allegri / Reuters

Trumps Anhänger

Das republikanische Schiff sinkt bis jetzt nicht

von PEWI / 30.08.2016

Bevor ein Schiff sinkt, sollen die Ratten massenweise fliehen. Wendet man das Bild auf die amerikanischen Republikaner an, ist bis jetzt wenig Panik auszumachen.

Der Tag der Arbeit, Labor Day, fällt in Amerika auf den ersten Septembermontag und beschliesst formell die lange Sommerpause des politischen Betriebs. Die Losung, dass der Wahlkampf erst richtig nach diesem langen Wochenende losgehe, ist seit Präsident Obamas Kampf um die Wiederwahl im Jahr 2012 allerdings infrage gestellt. Seine Wahlkampagne überschwemmte im Sommer vor allem jene Staaten, die für einen Erfolg entscheidend wurden, mit einem Tsunami an Fernsehwerbung gegen seinen Rivalen Mitt Romney. Obwohl die Wirkung dieses Überraschungsangriffs umstritten blieb, scheint auch Hillary Clintons Stab der Überzeugung anzuhängen, dass mit frühen Botschaften das Bild des Gegners in der Öffentlichkeit bleibend geformt werden kann.

Werbung mit unklarer Wirkung

Bei Romney wurde damals vor allem die Karikatur eines herzlosen Geschäftsmanns gezeichnet, der auf dem Buckel der «kleinen Leute» seine lukrativen Geschäfte machte. Beim diesjährigen republikanischen Kandidaten, Donald Trump, ist die Botschaft nicht so eindeutig. Herzlosigkeit und mangelndes Mitgefühl werden ihm ebenso vorgeworfen wie Ahnungslosigkeit in der Sicherheitspolitik oder unlauteres Geschäftsgebaren.

Zwar deuten die Meinungsumfragen seit dem demokratischen Wahlkonvent in Philadelphia meist auf bequeme Vorsprünge Clintons. Doch ein Ereignis, das von vielen Auguren vorausgesagt wurde, ist bisher keineswegs eingetroffen: eine breite Absetzbewegung gestandener Republikaner weg von ihrem unkonventionellen, schillernden Bannerträger.

Eine prominent placierte Liste von mehr oder weniger bekannten republikanischen Dissidenten in der Online-Ausgabe der «New York Times» hat am Montag diese Tatsache unterstrichen – obwohl vermutlich das Gegenteil geplant war. Angesichts des fast konstanten Aufschreis in der veröffentlichten Meinung des Landes über Trumps Äusserungen ist sowohl die Zahl als auch das Gewicht jener, die sich entweder öffentlich von Trump abkehrten oder gar eine Stimme für Clinton ankündigten, überschaubar geblieben.

Pragmatisch statt ideologisch

Nicht einmal der frühere Präsidentschaftskandidat John McCain, dessen Kriegsgefangenschaft von Trump als Beweis für sein Versagen behandelt wurde, mochte sich dezidiert aus dem Schatten des New Yorker Immobilienmoguls lösen. McCain stellt sich im November als Senator zur Wiederwahl und muss sich zuerst in einer Vorwahl gegen eine republikanische Herausforderin durchsetzen. Da liegt der springende Punkt: Wie an vielen anderen Orten ist auch in Arizona die Zahl der Trump-Anhänger unter jenen, die an einer Vorwahl teilnehmen, hoch.

Zudem muss McCain davon ausgehen, dass von den Republikanern vor allem Trump-Anhänger in die Wahllokale strömen, während der Grad der Mobilisierung unter den Skeptikern ungewiss ist. Will er gewinnen, kann er diese Wählergruppe nicht vor den Kopf stossen, denn die Demokraten werden für ihre eigene Kandidatin stimmen.

Mark Kirk aus Illinois ist deshalb der einzige Senator vor einer Wiederwahl, der sich offen von Trump distanziert hat. Jene, die in der Partei weiter vorwärtskommen wollen, sind wohl zu Recht bedeutend vorsichtiger mit ihren Urteilen über Trump. Das betrifft vor allem die Abgeordneten des Repräsentantenhauses, deren Wahl häufiger durch einen parteiinternen Rivalen gefährdet wird als durch einen Konkurrenten aus einer anderen Partei.