Richard Ellis / Keystone

Donald Trump

Der grinsende Betrüger

von PEWI / 08.09.2016

Breite Teile der amerikanischen Öffentlichkeit verkennen, wie korrupt Donald Trump tatsächlich ist. Eine Mitschuld daran tragen die Medien.

Donald Trump beherrscht die Kunst der knackigen Formulierung. Mit Titeln wie „Low Energy Jeb“ und „Little Marco“ stigmatisierte er seine Konkurrenten im Vorwahlkampf, und auch jüngst fand er wieder eine griffige Etikette: Die Geschäftspraktiken der Clinton-Stiftung titulierte er als „Pay for Play“, insinuierend, dass unter Clinton als Aussenministerin grosszügige Spender auch politisch zum Zug kamen. Allerdings bezahlt auch Trump gerne Politiker, um mitspielen zu dürfen. In einem jüngst publik gewordenen Fall überwies er der Justizministerin Floridas just zu dem Zeitpunkt 25.000 Dollar, als deren Behörde darüber befand, ob man gegen die Trump University wegen widriger Geschäftspraktiken klagen sollte. Wenig überraschend verwarf das Ministerium diese Idee kurz darauf. Schon länger bekannt ist, dass Trump seit Jahrzehnten die Limite für Spenden an Politiker ignoriert und dafür mehrmals gebüsst wurde. Die Fälle ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Karriere. Sie alle belegen: Der 70-Jährige ist höchst korrupt.

Mit seinen Vergehen konfrontiert, gibt Trump zu, dass er sich bei Politikern Einfluss erkauft. „Wenn du als Geschäftsmann und grosszügiger Spender Geld gibst, dann tun sie, was zum Teufel auch immer du von ihnen willst“, prahlte er in einem Interview sowie in einem der republikanischen Fernsehduelle. Angesichts dieser Aussagen und der langen Liste von Verstössen würde man denken, dass Trumps Ruf der eines korrupten, manipulativen Geschäftsmannes ist. Doch tatsächlich manifestiert sich das Bild, dass Hillary Clinton die Korrupte ist und Trump der etwas fanatische, bizarre Aussenseiter. Wie kann das sein? Erstens berichten die amerikanischen Medien unzureichend über Trumps anrüchige Geschäftspraktiken. Einzelne grosse Redaktionen holen zwar immer wieder Leichen aus dem Trump’schen Keller hervor. Doch derartige Geschichten werden schnell verdrängt, meist durch Klicks garantierende Meldungen über die neuste kontroverse Aussage des Kandidaten. Über Clintons Vergehen wiederum schreiben die Medien mit akribischem Eifer, wohl auch um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, sie klüngelten mit dem „Establishment“ – was Trumps Anhänger natürlich trotzdem reklamieren. Diese sind es auch, die, zweitens, nicht wahrhaben wollen, dass Trump Teil der Korruption ist, unter der das System leidet, und kein Heilmittel dagegen. Die Illusion des Geschäftsmanns als Heilbringer ist zu attraktiv, als dass man sie sich durch einen Blick hinter die Fassade zerstören will. Als Projektionsfläche für Hoffnungen eignet sich der Milliardär und Reality-TV-Star ideal.

Der Hauptgrund für Trumps Popularität dürfte aber sein, dass zwar beiden Kandidaten fragwürdige Praktiken vorgeworfen werden, sie jedoch konträr damit umgehen. Clinton verkauft den Wähler für dumm und streitet ab, dass Spender ihrer Stiftung politische Hintergedanken verfolgt haben könnten. Trump hingegen steht unverfroren zu seinem Verhalten. In seiner Logik qualifiziert ihn dieses für das höchste politische Amt: Weil er selbst Teil des korrupten Systems ist, kann nur er es reparieren. Seine Anhänger werten das als erfrischend ehrlich und sehen ihm die Vergehen nach. Doch auch ein Grinsen im Gesicht macht aus Korruption kein Kavaliersdelikt. Die falsche Etikette gilt es zu erkennen – und im November Konsequenzen zu ziehen.