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Krise der Republikaner

Der Trump-Schock sitzt tief

von Peter Winkler / 12.05.2016

Den Vorbehalten vieler Republikaner zum Trotz will Donald Trump an seinem provokativen Stil festhalten. Dabei ist er auf die Hilfe der Partei angewiesen, um mehr als eine Milliarde Dollar für den Wahlkampf aufzutreiben.

Die Republikanische Partei der USA tut sich schwer mit der Erkenntnis, dass der New Yorker Immobilienmogul Donald Trump mindestens bis November der Chef und das Aushängeschild der Grand Old Party sein wird. Wer einen Beweis dafür brauchte, erhielt ihn jüngst bei der Rückkehr des Kongresses nach einer zehntägigen Sitzungspause: Die Gänge des Capitols waren voll mit Reportern, welche die Abgeordneten und Senatoren mit Fragen dazu löcherten, wie sie sich zu Trump stellten.

Wie Starrkrampf-Spritzen

Die New York Times beschrieb in der Mittwochausgabe, dass sich dabei drei Gruppen unterscheiden ließen: Eine Handvoll Kongressmitglieder, unter ihnen Senator John Cornyn aus Texas, stellten sich ohne Vorbehalt hinter den „presumptive nominee“ und versprachen, Trump „aus vollem Herzen“ zu unterstützen. Dies ist bei Cornyn eine erstaunliche Wandlung, hatte er Trump doch noch vor kurzem als „Klotz am Bein“ bezeichnet. Möglicherweise half Cornyn und anderen eine neue Umfrage der Quinnipiac-Universität auf die Sprünge, die Trump erstmals realistische Siegeschancen gegen die Demokratin Hillary Clinton in drei möglicherweise entscheidenden Gliedstaaten voraussagte. Allerdings machte selbst das konservative Wall Street Journal darauf aufmerksam, dass die Prognosen der Universität in diesem Wahlzyklus im Vergleich mit jenen der Konkurrenz mit Abstand die schlechtesten waren.

Senator James Lankford aus Oklahoma vertrat eine zweite, skeptische Gruppe, deren Mitglieder gegenüber den Reportern nach Formulierungen suchten, um ja nicht als Dissidenten zu erscheinen. Laut der Times-Korrespondentin legten sie dabei einen Enthusiasmus an den Tag, als müssten sie sich mental auf die Verabreichung von Starrkrampf-Spritzen vorbereiten. Die Mitglieder einer dritten Gruppe, zu der etwa Senator Robert Portman aus Ohio gehört, eilten fast schon im Laufschritt ihren Destinationen entgegen, um Reporterfragen auszuweichen.

Der Speaker des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, versuchte derweil, die Erwartungen an die Aussprache mit Trump heute Donnerstag zu dämpfen. Als gegenwärtig höchstrangiger Republikaner im Land sorgte er letzte Woche für hochgezogene Augenbrauen mit seiner Erklärung, er sei noch nicht bereit, den Immobilienmogul als Präsidentschaftskandidaten zu unterstützen. In einem Interview mit dem Wall Street Journal machte er klar, dass er diesen Schritt auch nach dem „Schlichtungsgipfel“ mit Trump nicht gleich machen werde. Man könne eine Einigung der Partei nicht fingieren, eine solche zu erzielen, brauche länger als eine Woche.

Von der Drohung Trumps, ihn als Vorsitzenden des Wahlkonvents im Juli abzusetzen, zeigte sich Ryan wenig beeindruckt. Trump habe als wahrscheinlicher Kandidat das Recht, diesen Posten zu besetzen. Wichtig sei, dass die Konservativen mit Blick auf den Herbst zusammenfänden, denn es gehe bei der Präsidentenwahl um sehr viel.

Trump seinerseits machte klar, dass er nicht beabsichtige, seine Provokationen zugunsten eines präsidialen Auftretens fallenzulassen. Der New York Times erklärte Trump, er habe von seinen Anhängern in den Vorwahlen den Auftrag erhalten, an seinem Stil festzuhalten. In einem Interview mit der Agentur Associated Press (AP) doppelte er mit den Worten nach, er werde auch im Rennen um das Weiße Haus die gängigen Theorien für eine erfolgreiche Kampagne ignorieren. Die gezielte Mobilisierung von Wählern auf der Basis detaillierter Datensätze, die Präsident Barack Obama zweimal den Sieg gesichert habe, werde überschätzt. Er selber werde weiter auf seine Persönlichkeit und auf lärmige Großanlässe setzen, welche die Aufmerksamkeit von Tausenden und Gratiswerbung in den Medien garantierten.

Gleichzeitig machte Trump deutlich, dass er die Wahlkampagne nicht mehr größtenteils selber finanzieren will. Bis Ende März hat der Immobilienmogul laut eigenen Angaben 40 Millionen Dollar aus privaten Mitteln in den Vorwahlkampf gesteckt. Für die Präsidentenwahl im November strebt er laut der New York Times ein Budget von 1,5 Milliarden Dollar an – und dafür braucht er die aktive Unterstützung der Republikanischen Partei. Außer um die Frage, inwieweit Trump die konservative Politik der Republikaner im Kongress mittragen wird, wird es in den heutigen Gesprächen – der Präsidentschaftskandidat trifft nach dem Speaker Ryan den Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell – auch um Geld gehen.

Musikeinlagen am Konvent

Dass Trump weiterhin unter der Marke des unkonventionellen Quereinsteigers segeln will, belegten seine Aussagen zum Wahlkonvent. Er kündigte an, den viertägigen Anlass als großartige Show zu inszenieren. Eine musikalische Zugnummer könnte die Sache etwas auflockern, meinte er im AP-Interview; politische Reden werde es genug geben.

Trump hat dafür sicherlich das richtige Gespür. Und er wird alles versuchen, um von der misslichen Tatsache abzulenken, welche vier der letzten fünf republikanischen Präsidentschaftskandidaten – die beiden vormaligen Präsidenten Bush sowie John McCain und Mitt Romney – bereits angemeldet haben: Sie werden dem Anlass aus Protest fernbleiben.