Carolyn Kaster / Keystone

Geld und Politik

Die Clintons als Symptom

von Beat Ammann / 27.08.2016

Amerikas Politik schwimmt in einem Meer von Geld. Donald Trump hat sich gerühmt, darin besser geschwommen zu sein als irgendwer. Dennoch ist es Hillary Clinton, die sich rechtfertigen muss.

Bill und Hillary Clinton sind seit einer halben Ewigkeit Bestandteil des öffentlichen Lebens von Amerika, er als Gouverneur von Arkansas, Präsident der USA während zweier Amtszeiten, als ungetreuer Ehemann, sie als First Lady, betrogene Gattin, als Senatorin, Aussenministerin und zweifache Präsidentschaftskandidatin. Und dennoch erscheinen die beiden als reine Anfänger, wenn es gilt, mit Attacken von Gegnern umzugehen, solche vorherzusehen und vorab zu unterlaufen.

Trump und das System

Es müsste zu erklären sein, dass Hillary Clinton – eine der bekanntesten Frauen auf dem Planeten – ihre Berühmtheit und das globale Netz ihrer Beziehungen nutzt, um via die Stiftung der Familie, die Clinton Foundation, armen und kranken Leuten zu helfen. Es müsste darzustellen sein, dass sie als Aussenministerin unzählige Leute traf, unter ihnen solche, die Geldgeber der Stiftung waren, ohne diesen hörig zu sein.

Doch es ist den Clintons nicht gelungen, dies glaubhaft zu vermitteln. Ähnlich untauglich verhält sich Hillary Clinton in der E-Mail-Affäre. Man mag daraus schliessen, dass es nicht gelingen konnte, weil die Clintons Dreck am Stecken haben. In dieser Sicht hat Hillary Clinton deswegen ihren privaten Server benutzt und Zehntausende von Mails gelöscht, um ihr Gebaren und jenes der Stiftung zu verbergen.

Donald Trump behauptet, seine Gegnerin im Rennen um die Präsidentschaft habe sich an der Stiftung persönlich bereichert. Dafür gibt es keine Indizien oder Beweise. Beide Clintons haben jeweils lächerlich hohe Beträge – Hunderttausende von Dollars – dafür kassiert, dass sie vor exklusiven Zirkeln eine Rede gehalten haben. Trump, der Geschäftsmann, versteht gewiss, dass jemand den Marktwert ausnutzt, um Geld zu verdienen. Hillary Clinton sagte vor einigen Monaten, es seien eben so hohe Summen angeboten geworden.

Trump mutiert ebendieser Tage vom Geschäftsmann zum Politiker. Plötzlich will er nicht mehr alle schätzungsweise 11 Millionen illegalen Einwanderer erst deportieren und dann prüfen, wer wieder kommen darf. Plötzlich insistiert er, dass viele von diesen gute Leute seien; man könnte ihnen den Umweg übers Heimatland und zurück ersparen.

Als Trump noch nur Geschäftsmann war, hatte er in typischer Manier gesagt, er verstehe „das System“ wie kein anderer. Daher hatte er Politiker links und rechts finanziell unterstützt. Auch der Clinton-Stiftung hatte er 100 000 Dollar oder mehr gespendet. Auch hatte er die Clintons zu seiner Hochzeit eingeladen. Nun unterstellt er, wer der Stiftung Geld gegeben habe, sei auf ein Gegengeschäft aus gewesen. Denn so funktioniere „das System“, und Clinton sei am Gängelband von Geldgebern.

Spender dauernd gesucht

Daher verkam laut Trump das Aussenministerium unter Clinton zu einem korrupten Morast, in dem man nicht mehr wusste, wo die Stiftung aufhörte und das Amt anfing. Aber ausgerechnet Trump, der Meister des Systems, hat selbst der Clinton-Stiftung Geld gespendet, nur weil er ein grosszügiger Mensch ist, der Gutes tut, ohne Gegenleistung? Man wartet weiterhin vergeblich darauf, dass Trump seine Steuererklärung publiziert.

Amerikas Politiker sind bekanntlich ständig auf der Suche nach Spendern. Sie finden meistens auch viele und treffen diese an exklusiven Veranstaltungen. Alles ohne Gegenleistung, ausser bei den Clintons? Trotz diesen Umständen ist es Trump gelungen, Clinton in der Defensive zu halten. Dies mag damit zu tun haben, dass sein neues Team ihn ein bisschen diszipliniert hat. Er liest Reden nun vom Teleprompter ab, statt stets wild vom Leder zu ziehen. Daher argumentiert er konzentrierter, mitunter sogar weniger krass in der Wortwahl.