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Vorwahlen in New York

Die Favoriten auf dem Vormarsch

von Beat Ammann / 20.04.2016
Die Karten von Trump und Clinton sind besser geworden. Trump bezwang seine Rivalen in der Vorwahl in New York, Clinton besiegte Sanders klar. Trump wird in New York fast alle Delegierte gewinnen.

Die Vorwahlen im Gliedstaat New York haben Donald Trump bei den Republikanern und Hillary Clinton bei den Demokraten am Dienstag die erwarteten Siege beschert.

Trump ist New Yorker; Clinton ist seit langem dort wohnhaft und hatte New York im Senat vertreten, ehe sie sich 2008 erstmals um die Präsidentschaft bewarb, gegen Obama parteiintern unterlag und als dessen Außenministerin endete.

Sanders flügellahm

Bernie Sanders, der Gegner von Clinton, ist zwar in New York geboren, doch erwies er sich am Dienstag als klar unterlegen. Das hat unter anderem mit reduzierter Gefolgschaft unter Schwarzen und Minderheiten zu tun, von denen es in New York viele gibt. Überdies konnten in New York nur eingeschriebene Parteimitglieder wählen. Sanders pflegt besser abzuschneiden, wenn die Vorwahlen offen sind. Anhänger von Sanders empfanden es als Benachteiligung, dass die Behörden aus regulatorischen Gründen jüngst etwa 126.000 Namen aus dem Wahlregister der Demokraten gestrichen hatten. Da die Delegierten proportional vergeben werden, geht Sanders nicht leer aus. Sein Stimmenanteil beträgt laut vorläufigen Resultaten immerhin mehr als 40 Prozent. Sanders hatte in den letzten Wochen viele Siege errungen – und sogar zwischendrin noch den Papst getroffen. Er hatte deutlichen Rückenwind, selbst wenn es mathematisch für Sanders schwierig blieb, das notwendige Minimum von Delegiertenstimmen zu erzielen. Ein überraschender Triumph in New York hätte ihm Flügel verleihen können – doch daraus wurde nichts.

Trump hebt ab

Trump hingegen bekam in New York Flügel. Er gewann voraussichtlich über 60 Prozent der Stimmen – mehr als die Umfragen ihm verheißen hatten –, während sein wichtigster Rivale, der texanische Senator Ted Cruz, kaum 15 Prozent erzielte. Der Dritte und insgesamt abgeschlagene Letzte im Feld der Republikaner, der Gouverneur von Ohio, John Kasich, gewann um die 25 Prozent und kam damit ausnahmsweise einmal als Zweiter ins Ziel. Die Vergabe der Delegierten bei den Republikanern ist komplex, sodass es ein Weilchen dauern wird, ehe die genauen Zahlen bekannt sind. Trump jedoch versäumte keine Zeit, rhetorisch seine Pflöcke einzuschlagen. Er sagte schon früh in der Wahlnacht, Cruz sei mit diesem Resultat mathematisch so gut wie eliminiert. Es sei „really nice“, Delegierte an der Wahlurne zu gewinnen.

Stimmen und Strategie

Dies war ein klarer Schlag gegen Cruz, der seit langem daran ist, das Feld dafür vorzubereiten, dass Trump die für eine automatische Nominierung erforderliche Anzahl von Delegiertenstimmen im Verlauf der Vorwahlen nicht anzuhäufen vermag. Trump kommt dieser Schwelle wohl ziemlich nahe, doch ist zweifelhaft, dass er sie übertrifft. Cruz selbst kann diese Zahl nicht erreichen, außer dank eines Wunders für den Texaner. Laut den Regeln geht am Parteikongress, dem die Nominierung des Kandidaten obliegt, ein Freistilringen los, sofern dort im ersten Wahlgang kein Kandidat gewählt wird. Cruz, ein guter Stratege, hat seit langem darauf hin gearbeitet, für einen allfälligen zweiten Wahlgang Delegierte für sich einzunehmen, für die er nicht die erste Wahl ist. Trump, der Neuling, hat dies versäumt. Stattdessen sagt er, plane das Establishment der Republikaner, ihn – den Meistgewählten – um den Sieg zu betrügen. Das ist zwar, rein legalistisch, falsch, aber Umfragen zeigen, dass viele Republikaner, auch Gegner von Trump, der Meinung sind, wer in den Vorwahlen am meisten Stimmen errungen habe, sollte als Kandidat auf den Schild gehoben werden.