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Geschäftspraktiken

Die miesen Tricks von Donald Trump

von Andreas Mink / 05.06.2016

Donald Trump baut seine Bewerbung um das Amt des amerikanischen Präsidenten auf angebliche Erfolge als Unternehmer. Doch neue Enthüllungen lassen ihn als Hochstapler erscheinen.

Journalisten bezeichnen Donald Trump regelmäßig als Milliardär. Sie verlassen sich dabei primär auf den republikanischen Kandidaten für die US-Präsidentschaft selbst. Trump behauptet, er sei 10 Milliarden Dollar schwer. Einblick in seine Vermögensverhältnisse gewährt der 69-Jährige aber nicht. Seit Monaten verweigert er mit fadenscheinigen Gründen die für politische Kandidaten übliche Veröffentlichung seiner Steuererklärungen. Doch nun werden Machenschaften publik, die ein übles Geschäftsgebaren enthüllen. Sie lassen Trump als Hochstapler und Halsabschneider erscheinen.

Anfang dieser Woche gab ein Richter in Kalifornien interne Papiere der „Trump University“ frei. Dabei handelt es sich um bis zu 35.000 Dollar teure Kurse, die Trump von 2005 bis 2010 veranstaltete. Sie sollten die Teilnehmer in die Geheimnisse des Immobiliengeschäftes einführen und reich machen. Profitiert hat aber anscheinend nur Trump. Deshalb verklagten ihn ehemalige Kursteilnehmer 2013 wegen Betruges. Die Dokumente enthüllen aggressive psychologische Tricks und irreführende Behauptungen der Werber von Trump. Zudem widersprechen die Papiere Trumps Behauptung, er habe keine aktive Rolle bei der Führung der „University“ gespielt und seine Gewinne von angeblich 5 Millionen Dollar wohltätigen Zwecken gestiftet. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat die „Trump University“ diese Woche als „Betrug von Anfang bis Ende“ bezeichnet. Am 18. November – zehn Tage nach der Präsidentschaftswahl – hat Trump einen Gerichtstermin in dem Verfahren.

Um Wohltätigkeit ging es Anfang des Jahres auch an einer Spendenveranstaltung in Iowa für Kriegsveteranen. Ende Mai fand die Washington Post heraus, dass Trump die eingenommenen 4,6 Millionen Dollar nicht ausgeschüttet hatte. Er verteilte das Geld überstürzt nach einer Anfrage der Zeitung. Erst dann löste er auch sein Versprechen ein und gab 1 Million Dollar aus der eigenen Tasche an Veteranenvereine.

Hohe Schulden

Gleichzeitig wies das Magazin Politico nach, dass Trump sein Vermögen öffentlich viel zu hoch bewertet, damit er als erfolgreicher Unternehmer dasteht. Darauf fußt sein Wahlversprechen, er könne „Amerika wieder groß machen“. Aber während er seine Golfplätze öffentlich auf 50 Millionen Dollar beziffert, setzte er sie dem Steueramt gegenüber nur auf 1,35 Millionen Dollar an. Von „Politico“ befragte Fachleute vermuten, dass Trump hohe Schulden hat und ständig unter Liquiditätsengpässen leidet.

Die New York Times ging derweil Trumps Prahlereien in Richtung China nach. Als Präsident würde er der Volksrepublik mit Sanktionen für Amerika wunderbare Abkommen aufzwingen. Doch als er 1994 wieder einmal vor dem Konkurs stand, bettelte Trump Milliardäre aus Hongkong um Hilfe an. Diese sprangen mit Immobilienkrediten ein und schlugen daraus zehn Jahre später große Profite. Trump blieb nur ein vergleichsweise geringer Gewinn. Er zog darauf zwar in typischer Manier vor Gericht, verlor aber. Wie man aus der New Yorker Baubranche hört, ist Trump dort höchst unbeliebt. Angeblich zahlt er seine Rechnungen stets so spät wie irgend möglich und außerdem nie komplett. Zudem gewähren ihm Geldinstitute wegen seiner Konkurse ungern Darlehen.

Sollten Trump tatsächlich ständige Geldnöte drücken, dann erscheint seine Bewerbung um die Präsidentschaft als hilfreich. Laut einer Vermögenserklärung für die Wahlkommission vom Mai verzeichnet Trump dank seiner Kandidatur in vielen seiner Unternehmen kräftige Zuwächse. So will er 190 Millionen Dollar mehr als im Jahr vor seiner Bewerbung eingenommen haben.

Zwielichtige Partner

Besonders beliebt sind Trumps Golfklubs und die Hotelanlage „Mar-a-Lago“ in Florida, in der er gerne Reden hält und Pressekonferenzen durchführt. Ethisch bedenklich erscheint jedoch, dass er seine zahlreichen Geschäftsaktivitäten im Ausland weiter betreibt. Zudem hat er beispielsweise in Aserbaidschan mit zwielichtigen Oligarchen zusammengearbeitet. Ein angekündigter Besuch in Großbritannien einen Tag vor der Brexit-Abstimmung vom 23. Juni soll der Eröffnung eines Golfplatzes dienen und nicht etwa der Erweiterung seines politischen Horizontes.

Trüber sieht die Bilanz laut der Vermögenserklärung für Trumps Gattin Melania aus. Ihre laut Eigenwerbung „mit Kaviar angereicherte“ Hautpflegelinie „Melania Beauty“ hat demnach keine nennenswerten Umsätze erzielt.