Parteikonvent der Republikaner

Donald Trump: Von Wut gestärkt in den Wahlkampf

von Marie-Astrid Langer / 23.07.2016

Gegen illegale Einwanderer, Freihandel und Hillary Clinton: Donald Trumps Hasstiraden sind mittlerweile erschreckend vertraut.

Was viele vor einem Jahr noch für unmöglich gehalten hätten, ist am Parteikonvent der Republikaner in Cleveland nun geschehen: Der 70-jährige Milliardär und Reality-TV-Star Donald Trump ist zum Präsidentschaftskandidat der Republikaner gekrönt worden. In seiner anschliessenden Rede spulte Trump seine mittlerweile erschreckend vertrauten Hasstiraden ab und wetterte gegen illegale Einwanderer, Freihandel und Hillary Clinton. Letztere musste während des viertägigen Parteikonvents stets als Sündenbock für die Probleme des Landes herhalten – sie als Gegner war der einzige gemeinsame Nenner, auf den sich die Republikaner offenbar einigen konnten. Entsprechend entwickelte sich als diesjähriges inoffizielles Motto des Parteikonvents „Sperrt Sie weg“ („Lock her up“). Vor vier Jahren hatte sich noch der wesentlich positiver konnotierte Spruch „Wir haben das erschaffen“ („We built that“) etabliert.

Der Wahlkonvent der Republikaner zeigte, dass die Partei die Lehre, die man aus der Niederlage bei den Präsidentenwahlen 2012 gezogen hatte, über den Haufen geworfen hat: den Vorsatz, sich gegenüber Wählerinnen und Minderheiten wie Hispanics stärker öffnen zu wollen, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Entsprechend befürchten führende Republikaner eine Niederlage im Herbst. Es waren denn auch die Absenzen, die in Cleveland deutlich machten, was führende Parteimitglieder von ihrem Kandidaten halten: kein republikanischer Präsidentschaftskandidat seit Ronald Reagan war anwesend, der Gouverneur des gastgebenden Gliedstaats fehlte, ebenso prominente Latinos wie Senator Marco Rubio. Ob, anders als die Republikaner, die Demokraten ihre Partei hinter Clinton zu einen wissen, werden sie nächste Woche an ihrem Parteitag in Philadelphia unter Beweis stellen.