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Trump und die Frauen

Donalds Ekel

von Andrea Köhler / 12.04.2016

Der republikanische Kandidat hat durch seine ungenierte Diffamierung von Frauen die Gunst der Wählerinnen weitgehend verscherzt. Nun soll es seine Gattin richten.

Wann eigentlich hat es angefangen, Donald Trumps Problem mit den Frauen? Mit Megyn Kellys Menstruationszyklus? „You could see there was blood coming out of her eyes. Blood coming out of her … wherever“ – erklärte der selbsternannte „Frauenkenner“, nachdem die Fox-Moderatorin den Frontrunner bei der ersten republikanischen TV-Debatte mit einer Auswahl seiner frauenfeindlichsten Äußerungen konfrontiert hatte. Kellys Aufzählung– „fette Schweine“, „Hündinnen“, „Schlampen“, „widerliche Tiere“ – war demzufolge nichts anderes als eine ihrem Hormonzyklus zuzuschreibende aggressive Laune.

Der weibliche Körper

Auch sonst scheint der Umstand, dass Frauen jenseits ihrer Funktion als Sexobjekt einen Körper haben, dem Mann Probleme zu machen. Nachdem Hillary Clinton in einer Debattenpause ein paar Sekunden verspätet auf die Bühne gekommen war, machte Trump seinem Dégoût – „Ich weiß, wo sie hinging – es ist widerlich“ – später bei einer Wahlkampfveranstaltung Luft. Eine Anwältin, die einst in einem Prozess gegen den Immobilienmogul um eine Pause bat, um Muttermilch abzupumpen, bekam Trumps „Ekel“ ebenso um die Ohren gehauen wie die vormalige republikanische Kandidatin Carly Fiorina seinen Abscheu hinsichtlich ihres Gesichts: „Look at that face – would anyone vote for that?“

Trumps Problem mit den Frauen beruht freilich auf Gegenseitigkeit. Rund siebzig Prozent der Wählerinnen lehnen ihn ab. Auch sein Retweet einer Fotomontage, die einen entstellenden Schnappschuss von Ted Cruz’ Gattin Heidi neben einem Glamourbild von Trumps dritter Ehefrau, Melania, zeigt, war nicht dazu angetan, seine Beliebtheit bei den Frauen zu steigern. Der „Vergleich“ war angeblich das Machwerk eines Trump-Fans, nachdem Nacktfotos von dem Ex-Model mit der Unterzeile „Lernen Sie Melania Trump kennen – Ihre künftige First Lady“ im Internet aufgetaucht waren. Trump, der dahinter fälschlicherweise eine Cruz-Offensive witterte, warnte diesen vor seiner Rache an Heidi. Man darf sich ausmalen, welche Drohgebärden von weitreichenderer Konsequenz mit Melania ins Weiße Haus einziehen würden.

Melanias Appelle

Doch vorerst sind wir noch bei den Sandkastenspielen des Wahlkampfs, und da soll’s Melania, die der Gatte als seine Garantin für Frauenfragen ins Rennen zu schicken beschloss, nun richten. Ihre bisherigen Appelle – „Darling, you’re so brilliant, you’re so bright. Act presidential“ – haben bisher allerdings nicht viel ausgerichtet. Denn obschon der Spitzenkandidat der älteren weißen Männer selbst bei deren Frauen auf Ungnade stößt, setzt er noch immer eins drauf. Die bisher letzte Volte in Trumps Dauerfeuer der Misogynie gipfelte in der – schnell zurückgenommenen – Forderung, Frauen, die unter seiner Präsidentschaft eine Abtreibung vornehmen ließen, sollten bestraft werden. Damit hat der einstige Pro-Choice-Befürworter sogar die konservativsten Abtreibungsgegner gegen sich aufgebracht. Selbst Ted Cruz, der Schwangerschaftsabbrüche auch noch bei Inzest und Vergewaltigung ablehnt, tat empört – gibt sich die Pro-Life-Bewegung doch gerne als eine besondere Art von Mutterschutz aus.

Doch zurück zu Donald Trump und seinem Wahlversprechen für Frauen, das Melania – unabsichtlich – wie folgt klarmachte: „Wenn man ihn angreift, schlägt er zehnmal härter zurück. Egal, ob man ein Mann ist oder eine Frau, er behandelt alle gleich.“ Dass Trump hinter solchen Drohungen nicht zurückbleibt, hat er hinlänglich bewiesen.