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US-Wahl 2016

Fernsehdebatte der Vizepräsidentschafts-Kandidaten: 6 Antworten zum nächsten TV-Duell

von Marie-Astrid Langer / 04.10.2016

Am Dienstagabend treffen die „running mates“ von Donald Trump und Hillary Clinton aufeinander. Was haben die Zuschauer zu erwarten?

Rund 84 Millionen Zuschauer verfolgten die erste Fernsehdebatte von Hillary Clinton und Donald Trump. Am Dienstagabend treffen nun die Vize-Kandidaten der beiden aufeinander, bei ihrem ersten und einzigen TV-Duell um 21 Uhr Ortszeit auf dem Campus der Longwood Universität in Virginia. Die Debatte dauert 90 Minuten ohne Werbeunterbrechungen.

1) Wer sind die beiden Anwärter?

Die beiden Vizepräsidentschaftskandidaten ähneln sich überraschend stark: Mike Pence und Tim Kaine sind beide weisse Männer Ende 50, beide sind beziehungsweise waren Gouverneure – und beide sind einem Grossteil des amerikanischen Stimmvolks kaum bekannt. Daran hat auch ihre Ernennung als „running mates“ kaum etwas geändert, weil Trump und Clinton derart bekannte Persönlichkeiten sind, dass es neben ihnen kaum Platz im Scheinwerferlicht gibt. Am Dienstagabend wird sich das nun für einen Abend ändern.

Mike Pence. (Bild: Keystone)

Mike Pence, die Nummer Zwei von Trump, ist Gouverneur des Gliedstaats Indiana, der im alten Industriering des Landes liegt („rust belt“) – also dort, wo viele Globalisierungsgegner leben, die Trump anzusprechen versucht. Der 57-Jährige gilt als Liebling der sozialkonservativen Republikaner und versucht den Teil der Partei zu versöhnen, der Trump skeptisch gegenübersteht. Bisher hat er sich bemüht, die Wogen immer dann zu glätten, wenn Trumps Temperament wieder einmal mit ihm durchgegangen ist. Seine Erfahrung als Moderator eines konservativen Radiosenders könnte ihm in der Fernsehdebatte von Vorteil sein.

Tim Kaine. (Bild: PD)

Clintons „running mate“ Tim Kaine war zwei Amtsperioden Gouverneur von Virginia und ist nun Senator des Gliedstaats. Im Senat beschäftigt er sich mit Aussenpolitik und Militärangelegenheiten. Der 58-Jährige spricht seit einem Einsatz in seiner Jugend als Missionar fliessend Spanisch, was Clinton Pluspunkte im wichtigen Wählersegment der Hispanics verschaffen könnte. Ihm wird auch zugute gehalten, sich in seiner Zeit als Gouverneur und als Bürgermeister von Richmond für einen Konsens zwischen den Parteien eingesetzt zu haben

2) Was ist zu erwarten?

Vor allem Pence steht unter Druck: Er wird versuchen, die relativ schlechte Performance seines Kandidaten bei der ersten Fernsehdebatte wett zu machen. Als Vorbild könnte ihm der Auftritt des demokratischen Vize-Kandidaten Joe Biden 2012 dienen, der es im Duell mit Paul Ryan geschafft hatte, das schlechte Auftreten von Obama in der ersten Debatte mit Mitt Romney wett zu machen. Ausserdem wird Pence versuchen, sich betont staatsmännisch zu geben – eine Eigenschaft, die Trump oft in Abrede gestellt wird. Auch wird er die Wogen glätten müssen, die Trumps Angriffe gegen eine frühere Schönheitskönigin in den vergangenen Tagen geschlagen haben.

Kaine wird sich umgekehrt bemühen, auf Clintons solidem Auftritt vergangene Woche aufzubauen. Er dürfte sich als Hälfte eines Teams verkaufen, dass dank umfangreicher Erfahrung „ab dem ersten Tag“ bereit wäre zu regieren.

Grundsätzlich sind die Erwartungen vor diesem Fernsehduell aber eher gering, weil weder Pence noch Kaine so schillernde Figuren sind wie Trump und Clinton. Die „New York Times“ schreibt, die Debatte der beiden könnte die „am wenigsten mit Spannung erwartete“ seit 40 Jahren werden. In den sozialen Medien machen sich Nutzer schon seit längerem darüber lustig, dass die Debatte zwischen Kaine und Pence so spannend sein dürfte, wie es ist, Farbe beim Trocknen zuzusehen.

3) Wieso duellieren sich auch die Vize-Kandidaten?

Seit 1976 ist es üblich, dass im Vorfeld einer Präsidentenwahl nicht nur die beiden Anwärter auf die Präsidentschaft, sondern auch deren Stellvertreter sich dem Stimmvolk präsentieren. Schliesslich sind die Vize-Kandidaten bekanntlich nur einen Herzschlag von der Präsidentschaft entfernt, da sie im Todesfall des Präsidenten sofort die Amtsgeschäfte übernehmen würden. Die Tatsache, dass mit Trump und Clinton zwei der bisher ältesten Kandidaten überhaupt um den Einzug ins Weisse Haus kämpfen, könnte das eher verhaltene Interesse an der Debatte Pence vs. Kaine steigern.

4) Welche früheren Duelle waren herausragend?

Im Wahlkampf 2008 verfolgten fast 70 Millionen Zuschauer, wie sich Joe Biden und Sarah Palin, die „running mates“ von Barack Obama und John McCain, im Fernsehen duellierten. Es war die bisher am meisten gesehene TV-Debatte von Vizepräsidentschaftskandidaten.

Zuvor gehörte dieser Rekord dem Aufeinandertreffen von George H.W. Bush und Geraldine Ferraro; damals stand erstmals eine Frau auf dem Ticket für das Weisse Haus. 56,7 Millionen Zuschauer sahen im Jahr 1984 diese Debatte im Fernsehen.

5) Welche Auswirkungen dürfte das Duell auf das Präsidentschaftsrennen haben?

Auf den Zweikampf zwischen Clinton und Trump dürfte die Fernsehdebatte am Dienstagabend kaum einen Einfluss haben, wie historische Daten zeigen. Das Gallup Institute hatte im Vorfeld der Debatte im Jahr 2012 untersucht, welche Auswirkung die Fernsehduelle der Vize-Kandidaten auf die Präsidentschaftsrennen seit 1976 hatten – nämlich„praktisch keinen“, wie die Autoren der Studie schreiben. Ein genauer Blick auf die Debatten in den Jahren 1992, 1996, 2000 und 2008 zeigt laut Gallup, dass die Veränderung im Präsidentschaftsrennen im Schnitt (Median) bei einem Prozentpunkt lag, sowohl für den demokratischen wie auch den republikanischen Kandidaten.

Die Fernsehduelle der Präsidentschaftskandidaten können hingegen durchaus den Verlauf des Wettrennens beeinflusst, wie historische Daten zeigen:

6) Wie geht es danach weiter?

Am Sonntagabend, den 9. Oktober, treffen Clinton und Trump wieder aufeinander sowie am 19. Oktober für ein drittes und letztes Fernsehduell.

Am 8. November findet die Präsidentenwahl statt. Der Sieger (oder die Siegerin) wird am 20. Januar 2017 als 45. amerikanischer Präsident (oder Präsidentin) vereidigt.