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Fotoshooting mit den Clintons: Keine Fragen!

von Andrea Köhler / 09.09.2016

Clintons Auftritte in der Öffentlichkeit sind rar gesät. Dafür lässt sie sich auf privaten Fundraising-Partys von der Wall-Street-Elite hofieren.

Ich besitze eine Fotografie von mir und Bill Clinton. Vor vielen Jahren, George W. Bush hatte bereits das Zepter ergriffen, nahm Clinton mich vor dem Weissen Haus in den Arm. Um genau zu sein: Er legte mir jovial die Hand auf die Schulter und lächelte in Richtung Kamera.

Die Begegnung zwischen mir und dem 42. Präsidenten fand freilich nur im 2-D-Format statt. Weil das damals gerade amtierende Regierungsoberhaupt George W. Bush dermassen unbeliebt war, hatte man für die verbliebenen White-House-Pilger den populärsten aller bisherigen Präsidenten als Foto-Attrappe aus Karton am Zaun aufgebaut – auf der man durch ein Loch sein eigenes Gesicht ins Bild bringen konnte. Seither ist Bill Clinton mein berühmtester Pappkamerad.

Kinderglück für 2700 Dollar

Wer dieser Tage ein Bild von sich und den Clintons will, muss tief in die Tasche greifen – darf man für den Wunsch, sich mit Hillary Clinton verewigt zu sehen, doch eine Summe von bis zu 250 000 Dollar berappen. Derweil Donald Trump dem mexikanischen Präsidenten seine Aufwartung machte (dann aber die Latinos umgehend erneut verärgerte) und die Black Community mit einem sorgfältig choreografierten Kirchenbesuch in Detroit von seiner Liebe zur schwarzen Bevölkerung zu überzeugen hoffte, liess Hillary Clinton sich auf Fundraising-Partys der Wall-Street- und Pop-Prominenz hofieren. Paul McCartney oder Bon Jovi werden für eine Familienfoto mit einer strahlenden Präsidentin in spe wohl ein erkleckliches Sümmchen gespendet haben. Dagegen sind Clintons Auftritte in der Öffentlichkeit so rar gesät, dass ihr Rivale daraus bereits einen Running Gag gemacht hat.

Die exklusiven Dinner-Partys und Fotoshootings in den Hamptons oder in Hollywood bringen Clintons Wahlkampfkasse jedenfalls hörbar zum Klingeln: Allein im Monat August hat sie 143 Millionen Dollar zusammengebracht. Ein gemeinsames Abendessen beim Entertainment-Löwen Haim Saban in Beverly Hills samt Foto kostete pro Person 100 000 Dollar. Der Platz am Tisch der Lady Lynn Forester de Rothschild – (Preis: 100 000 Dollar pro Paar) – kam, wie die Hillary Clinton gemeinhin geneigte „New York Times“ in einem scharfen Artikel berichtet, mit der Auflage, die Kandidatin nicht mit politischen Inquisitionen zu quälen. Doch wer seinen Enkeln (unter 16) eine Freude bereiten wollte, konnte den Kleinen im Hause des Hedge-Fund-Magnaten Adam Sender schon für schlappe 2700 Dollar das Glück bescheren, der Kandidatin eine Frage stellen zu dürfen.

Image-Zementierung

In den Hamptons haben die Clintons schon häufig den Sommer verbracht. Dieses Jahr ist Hillary Clinton dort freilich auch bei einer Klientel gern gesehen, die zwar ins republikanische Lager gehört, Trump jedoch beim besten Willen nicht wählen kann. Und derweil Clintons Wahlkampfteam verzweifelt versucht, das Bild einer künftigen Präsidentin zu zeichnen, die – im Unterschied zum „out of touch“-Milliardär Donald Trump – empfänglich für die Sorgen und Nöte der sogenannten „everyday Americans“ ist, tut Clinton selbst alles dafür, das Image einer unverbesserlichen Establishment-Kandidatin zu zementieren.

Bei der Wählergruppe der jungen Schwarzen, die einst als Hoffnung für Hillary Clinton galten, ist sie inzwischen genauso verhasst wie Trump. Der Glaube nämlich, die Ankündigung einer strengeren Regulierung der Finanzindustrie mit dem Erhalt stattlicher Summen aus nämlicher Quelle versöhnen zu können, ist ungefähr so überzeugend wie die gebetsmühlenhafte Beteuerung, dass Clinton eine warmherzige und „ganz normale“ Person sei. Ich hoffe, die Obama-Foto-Attrappe steht schon parat.