Mark Kauzlarich / Reuters

Konvent der Republikaner

Alle gegen Hillary Clinton

von Peter Winkler / 19.07.2016

Nach einem chaotischen Start waren sich die republikanischen Delegierten in einer Frage bald wieder einig: Hillary Clinton darf nicht Präsidentin werden.

Um 22 Uhr 20 war es endlich soweit. Im gleissenden Scheinwerferlicht, nur als Silhouette sichtbar, aber doch unverkennbar, betrat Donald Trump am Montagabend zu den Klängen des Queen-Hits „We Are the Champions“ am Montagabend die Bühne in Cleveland, um seine Ehegattin Melania als Hauptrednerin des ersten Abends am republikanischen Wahlkonvent als nächste First Lady der USA vorzustellen.

Chaotischer Start

Vergessen war zu diesem Zeitpunkt ein chaotischer Beginn, als Sprechchöre durch die Sportarena hallten und der Vorsitzende während Minuten seinen Posten verliess, um sich zu beraten. Eine Gruppe von Delegierten, die früher vor allem zu den Anhängern des texanischen Senators Ted Cruz gehört hatten, wollte eine namentliche Abstimmung über die Regeln des Konvents und der nächsten Vorwahlen erzwingen.

Ihr Ziel war es, künftig jene Gliedstaaten mit zusätzlichen Delegierten zu belohnen, die nur eingeschriebene Parteimitglieder an ihren Vorwahlen teilnehmen lassen. Damit wollten sie sicherstellen, dass konservative Bewerber grössere Chancen erhalten. Doch Trumps Wahlkampfstab und die Parteileitung blockten den Versuch mit vereinten Kräften dezidiert, wenn auch nicht besonders elegant ab.

Familie und Freunde

Im Zentrum von Melania Trumps Botschaft stand die Liebe, die ihr Ehemann für sein Vaterland empfinde. Schon früh nach ihrer ersten Begegnung habe sie festgestellt, dass Trump nie Hintergedanken habe, wenn es um die Liebe zu seinem Land gehe: „Er wird niemals aufgeben, und euch nie im Stich lassen“, rief sie den Tausenden von Besuchern in Cleveland und den Millionen von Fernsehzuschauern im ganzen Land zu.

Neben seinem Willen zur Leistung – „Donald bringt Dinge zustande!“ – betonte Melania Trump vor allem die menschliche Seite ihres Ehegatten, seine unbedingte Loyalität gegenüber seiner Familie und seinen Freunden. Sie kündigte auch an, sie werde sich als First Lady vor allem für das Wohl der Kinder und der Frauen einsetzen.

Wer aber persönliche Anekdoten erwartete, wie etwa von Ann Romney vor vier Jahren genutzt, um die menschliche Seite des damaligen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney hervorzustreichen, wurde enttäuscht. Melania Trumps Rede war zwar vom Programm her der Höhepunkt des Abends, der danach zusehends konturlos ausfranste. Aber im Sinn der Mobilisierung der Partei erzeugte sie keinen Begeisterungssturm.

Emotionaler Höhepunkt

Zuvor hatte eine bunte Schar von Rednern – unter ihnen sieben Veteranen der Streitkräfte – die Notwendigkeit einer entschlossenen Führung für die Weltmacht betont und Hillary Clinton sowie Präsident Barack Obama für Tragödien im In- und Ausland verantwortlich gemacht. Besonders emotional war der Auftritt von Patricia Smith, der Mutter von Sean Smith, der zusammen mit drei weiteren Amerikanern beim Terrorangriff auf die diplomatische Vertretung der USA in Benghasi (Libyen) am 11. September 2012 ums Leben kam. Ihr Schmerz über den Verlust war auch fast vier Jahre danach fast mit Händen zu greifen, ebenso ihre Bitterkeit über Clinton, die sie der Lüge bezichtigte und für den Tod ihres Sohns persönlich verantwortlich machte.

Einschiessen auf Clinton

Patricia Smith stand stellvertretend für die Strategie, die an diesem ersten Abend unter dem Motto „Amerika wieder sicher machen“ deutlich wurde: Es gibt keine Heldentaten Trumps, die man hätte ausbreiten können, um seine Eignung für die Rolle des Oberkommandierenden zu beweisen. Doch es gibt genügend Beispiele für Dinge, die unter Clintons Führung im Aussenministerium schief gingen, nicht nur, aber vor allem im Nahen Osten. Und es gibt viele berechtigte Zweifel an der Ehrlichkeit der wahrscheinlichen demokratischen Kandidatin, welche die Republikaner ausschlachten können.