Präsidentenwahl in den USA: Trump schlägt um sich

von Daniel Steinvorth / 12.10.2016

Führende Republikaner haben ihm die Gefolgschaft versagt, in Umfragen fällt er zurück. Und doch scheint Donald Trumps Angriffslust ungebrochen. Wie weit will der Milliardär noch gehen, um das Ruder herumzureissen?

Donald Trump kämpft längst nicht nur gegen Hillary Clinton. Der republikanische Präsidentschaftskandidat kämpft auch gegen die Spitzen seiner eigenen Partei. Wer auch immer den Immobilienmogul kritisiert, wer auch immer ihm die Unterstützung verweigert, muss mit Spott, Häme und wüsten Gegenangriffen rechnen. Ein einsichtiger, reumütiger Trump? Fehlanzeige. Er freue sich, nun endlich „von den Ketten“ befreit zu sein, twitterte Trump am Dienstag, als wären die verbalen Attacken der vergangenen Monate erst ein lauer Vorgeschmack gewesen. Von nun an könne er für Amerika kämpfen, wie er es wolle.

Ganz nach der Devise „Angriff ist die beste Verteidigung“ holt Trump gegen alle aus, die sich von ihm nach der Veröffentlichung des Skandalvideos von 2005 distanziert haben. Gegen Paul Ryan etwa, den Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses und damit ranghöchsten Mandatsträger der Republikaner. Für Trump ist er nichts anderes als eine „sehr schwache und erfolglose“ Führungsfigur.

„Untreue“ Republikaner, „betrügerische“ Hillary

Bereits am Montag hatte der Präsidentschaftskandidat Ryan kritisiert, nachdem dieser ankündigt hatte, sich nicht mehr für Trump einzusetzen. Ryan solle lieber mehr Zeit für den Staatshaushalt, den Arbeitsmarkt und das Problem der illegalen Einwanderung verwenden, statt den Kandidaten der Republikaner zu bekämpfen, twitterte Trump.

Auch Senator John McCain, der Präsidentschaftskandidat im Jahr 2008, bekam Trumps Zorn zu spüren. „Unflätig“ sei McCain, dass er ihn für nichts als „Umkleidekabinen-Gerede“ fallenlasse. Darunter versteht Trump seine sexuellen Prahlereien, wie sie in dem jüngst veröffentlichten Video zu hören waren. Überhaupt sei der Kampf mit untreuen Republikanern für ihn viel schwieriger als die Auseinandersetzungen mit der „betrügerischen“ Hillary (so Trumps Standardvokabular für seine Kontrahentin).

Dass Trumps „Umkleidekabinen-Gerede“ ihn nicht nur die Gefolgschaft zahlreicher prominenter Republikaner gekostet, sondern auch zu einem wachsenden Rückstand auf Clinton in den Umfragen geführt hat, scheint die Angriffslust des Milliardärs nur noch weiter anzufachen. In einer neuen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos führt Clinton mit 45 Prozent vor Trump, der nur noch auf 37 Prozent kommt.

Noch härtere Bandagen?

In einem Interview mit dem konservativen Fernsehsender Fox News gab Trump zu verstehen, dass er noch härtere Bandagen im Wahlkampf anlegen könne. „Ich war bisher sehr nett“, sagte er dem sichtlich überraschten Moderator Bill O‘ Reilly, ohne ins Detail zu gehen. Auch das „Wall Street Journal“ berichtete von Trumps „neuer“ Strategie: Anstatt sich wie im Wahlkampf üblich um unentschlossene Wähler zu kümmern, werde Trump seine nationalistischen Botschaften und persönlichen Attacken auf die Gegnern noch einmal intensivieren.