Eric Thayer / Reuters

Strategie

Schlechte Aussichten: Trump will Trump bleiben

von Beat Ammann / 18.08.2016

Laut Umfragen droht Donald Trump eine vernichtende Niederlage, da er in wahlentscheidenden Gliedstaaten bös im Rückstand liegt. Er hält dies für Machinationen der korrupten Medien.

Trump bleibt Trump. Dies hat er oft gesagt und am Dienstag wiederholt, angesichts vieler Zurufe, sich zu ändern, zu mäßigen, sich weniger in Kontroversen zu verstricken und sich darauf zu beschränken, seine Botschaft zu verbreiten. Diese dreht sich laut seinem Slogan darum, Amerika wieder zu alter Größe zu verhelfen.

Schlechte Aussichten

Solche Zurufe haben in letzter Zeit an Dringlichkeit zugenommen, weil die Aussichten Trumps, ins Weiße Haus gewählt zu werden, derzeit als sehr schlecht erscheinen. Das eine ist, dass er im Durchschnitt der wichtigsten landesweiten Umfragen rund 6 Prozentpunkte hinter Hillary Clinton liegt. Wichtiger jedoch ist, dass er in etlichen jener Gliedstaaten, die er unbedingt gewinnen müsste, ebenfalls auf der Verliererstrasse unterwegs ist. Umfragen können falsch sein, und Trump pflegt zu unterstellen, sie seien zu seinem Nachteil manipuliert. Doch Institute von links und rechts kommen in ihren Befragungen zu ähnlichen Resultaten; sie unterscheiden sich lediglich im Ausmaß des Rückstandes, den Trump aufweist.

Scharfe Worte von rechts

In einer Reaktion auf die Umfragen antwortete Trump in einem Tweet, er würde Clinton um 20 Prozentpunkte schlagen, wären die Medien nicht so verlogen und korrupt. Solche Rundumschläge sind nicht besonders glaubwürdig, wenn eine sicher nicht links stehende Publikation wie das Wall Street Journal Trump ebenfalls zerpflückt. Die Zeitung stellte fest, es sei offenbar zu viel verlangt von Trump, wenigstens eine halbe Stunde pro Tag für die Lektüre ernsthafter Texte aufzubringen, statt sich immer nur Talk-Shows anzuschauen. Trump sei im Begriff, eine Wahl, die er gewinnen könnte, wegzuwerfen. Trump solle sich zusammenreißen oder zugunsten seines Vizepräsidentschaftskandidaten Pence zur Seite zu treten.

Trump hingegen ist offensichtlich der Meinung, er könne im November im gleichen Stil gewinnen, wie er die parteiinterne Vorwahl gegen 15 andere Kandidaten und eine Kandidatin spektakulär gewann. Er sagte am Dienstag gegenüber Fox News, niemand habe so großen Zulauf zu Wahlkampfveranstaltungen wie er. Dieses Argument hatte er schon zu Zeiten der Vorwahl vorgebracht – offensichtlich zu Recht. Erfahrene Wahlkämpfer sagen aber, für die Kampagne im Vorfeld der allgemeinen Wahl gälten andere Regeln. Trump widerspricht.

Am Mittwoch hat Trump die Spitze seiner Kampagne neu organisiert. Er brachte zwei Personen an Bord, die ihm helfen werden, sich selbst besser zu verkaufen, nicht, sich zu ändern. Neu wird Stephen Bannon als CEO der Kampagne vorstehen. Bannon, ein früherer Bankier, leitet Breitbart News, eine rechtsstehende Internet-Plattform, wo Trump viel Unterstützung bekommt. Zudem wird Kellyanne Conway, eine Fachfrau für Umfragen, Trump künftig täglich begleiten und beraten.

Fernab der eigenen Partei

Paul Manafort, der bisherige Chef, bleibt unter Bannon Manager der Kampagne. Manafort, umstritten wegen seiner früheren Tätigkeiten als Berater und Lobbyist in der Ukraine, zählt angeblich zu jenen, die Trumps Spontaneität zähmen wollten. Die neuen Köpfe im Umfeld von Trump verheißen keine Annäherung des Kandidaten ans Establishment der Partei, die er vertritt.

Im Gegenteil, Bannon, der als hitzig gilt, wird wohl eher Trumps Image als Außenseiter fördern wollen. Eine Annäherung an die eigene Partei würde seine Botschaft untergraben, dass er allein in Washington aufzuräumen in der Lage ist. Dieser Anspruch hebt ihn passend ab von seiner Gegnerin, die er als „Schurken-Hillary“ und das Inbild der korrupten Insiderin darstellt.

Unbeliebt bei Frauen

Noch sind es gut 80 Tage bis zur Wahl. Trump baut darauf, dass die Umfragen die wahre Gemütslage der Nation nicht verlässlich spiegeln. Demnach müsste es eine dunkle Masse von Trump-Wählern geben. Man weiß, dass etwa Frauen mit höherer Bildung sicher nicht dazu zählen, denn in dieser Wählergruppe hat Trump sehr wenig Rückhalt.

Es müsste ihn beunruhigen, dass laut den Umfragen Gliedstaaten wie etwa Georgia, Arizona und sogar das erzkonservative Utah als nicht mehr verlässliche Zuträger zu seinem Wahlerfolg gelten. Andere wenden sich offenbar von ihm ab: In Virginia liegt Trump etwa 10 Prozentpunkte im Rückstand, in Florida 4 und in Pennsylvania 9 Prozentpunkte – zum Teil massive Abstände. In Ohio ist die Differenz knapper, doch hat Clinton dort ebenfalls die Nase vorn.

Es wird für Trump keine Gelegenheit geben, Amerika nach seinem Bild wieder groß zu machen, sollte er in allen diesen wahlentscheidenden Gliedstaaten verlieren. Trump hat eine Serie von TV-Spots angekündigt – ein Feld, das er bis heute hat brachliegen lassen.