Carolyn Kaster / Keystone

Ted Cruz verweigert Donald Trump die Unterstützung

von PEWI / 21.07.2016

Am Wahlkonvent der Republikaner in Cleveland hat sich der Riss in der Partei deutlich gezeigt. Ted Cruz verweigerte Donald Trump seine Unterstützunger. Er verliess die Bühne unter Buhrufen.

Zufall war es wohl nicht, dass Donald Trump just dann aus den Kulissen in die Arena von Cleveland trat, als der Saal den texanischen Senator Ted Cruz auf der Bühne niederzuschreien drohte. In seiner mit Spannung erwarteten, länglichen Rede hatte der hartnäckigste Rivale Trumps in den Vorwahlen nur am Anfang dem Sieger zu seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat gratuliert. Danach tat er sein Möglichstes, den Namen Trump nicht mehr zu erwähnen, sondern stellte die Wahl im November als Gewissensfrage dar, bei der es um konservative Prinzipien gehe.

Defaitismus an der Wahlparty

Die New Yorker Delegation war die erste, die den Braten roch und unruhig wurde. Immer deutlicher war der Ruf hörbar, Cruz solle Trump endlich seiner Unterstützung versichern. „Ich nehme Ihren Enthusiasmus zur Kenntnis“, rief Cruz den Unruhestiftern mit säuerlichem Lächeln zu. Doch spätestens dann wurde allen klar: Die Worte, die für die Wiedervereinigung der Partei nach einem harschen Vorwahlkampf so wichtig wären, würde Cruz nicht aussprechen. Er verliess die Bühne schliesslich unter lauten Buhrufen.

Der einzige Trost für das Wahlkampfteam Trumps war, dass die grossen Fernsehstationen zu dieser Zeit ihre Live-Berichterstattung aus Cleveland noch nicht begonnen hatten. Die folgenden Ansprachen, insbesondere die eigentliche Antrittsrede des Gouverneurs Mike Pence aus Indiana, der die Nominierung zum Kandidaten für die Vizepräsidentschaft annahm, werden in der Erinnerung trotzdem unter dem Schatten des Risses in der Partei stehen, den Cruz für alle sichtbar gemacht hatte.

Schon vor seinem Auftritt hatten Insider gemunkelt, dem Texaner werde es auf der Bühne vor allem darum gehen, seine Wahlkampagne für die nächste Runde im Jahr 2020 vorzubereiten. Dazu stellte er sich – wie schon in diesem Wahlzyklus – als der wahre Verfechter von Freiheit und Verfassungstreue dar. Niemandem konnte entgehen, dass er damit Trumps Haltung zu diesen essenziellen Fragen des konservativen Flügels in Frage stellte.

Natürlich geht die Rechnung von Cruz nur dann auf, wenn Trump im November verliert. Das war auch den Delegierten im Saal von Cleveland klar, was ihren Zorn nur noch anheizte. An der entscheidenden Wahlparty, die der Partei die Energie für den Kraftakt des Wahlkampfs im Herbst verleihen soll, hat Defaitismus keinen Platz. Die Sache zeigt, dass für Cruz das Rennen trotz seiner Niederlage noch nicht beendet war.

Pence erfüllt seinen Auftrag

Pence seinerseits erfüllte seine Aufgabe sicherlich zur Zufriedenheit seines Chefs. Er war vor allem darum als Running Mate auserkoren worden, um dem schillernden Immobilienmogul aus New York einen Anker im konservativen Flügel der Partei zu geben, und Pence tat genau das, als er sich vorbehaltlos hinter „seinen“ Präsidentschaftskandidaten stellte.