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Todesanzeigen in den USA: Stimmen gegen Trump und Clinton als letzter Wille

von Romina Spina / 12.09.2016

Die diesjährigen Präsidentschaftskandidaten in den USA sind beide extrem unbeliebt – so stark, dass sich manche Bürger selbst über den Tod hinaus mit den Wahlen beschäftigen.

Die Amerikaner stehen vor einer schwierigen Wahl im kommenden Herbst. Wie zahlreiche Erhebungen zeigen, gelten Donald Trump und Hillary Clinton als die unbeliebtesten Präsidentschaftskandidaten der jüngeren Geschichte. Die Abneigung gegen die beiden Bewerber ist derart stark, dass sie manche Bürger sogar über ihren Tod hinaus beschäftigt. So kommt es, dass Todesanzeigen nun manchmal politische Aufrufe enthalten. Kürzlich drückte etwa ein 91-Jähriger aus Connecticut seinen letzten Wunsch so aus: Wer ihm ein ehrendes Andenken bewahren möchte, solle nicht für Trump stimmen. In der Todesanzeige eines 86-Jährigen aus Ohio hiess es, sein einziges Bedauern im Leben sei, dass er nicht mehr gegen Clinton stimmen könne.

Es ist zwar nicht neu, dass man statt um Blumen um Stimmen für oder gegen einen Kandidaten bittet. Solche Anzeigen waren vereinzelt auch 2004 erschienen, als der damalige Präsident George W. Bush von John Kerry herausgefordert wurde. Doch im Zuge der diesjährigen Kampagne häufen sich offenbar die Fälle. Laut einem Bericht der „Washington Post“ sollen es schon weit mehr als 100 sein, während es 2008 und 2012 noch weniger als 30 gewesen seien. Die Daten kommen von der Website Legacy.com, die landesweit Todesanzeigen sammelt. In Online-Kommentaren wird hin und wieder versprochen, beim Urnengang den letzten Willen der Verstorbenen auch tatsächlich zu befolgen.

Das Phänomen der politischen Botschaft an die Nachwelt erklären Experten mit der zunehmenden Bedeutung des Internets. Traueranzeigen werden individueller und enthalten häufiger persönliche Gedanken zur Politik. Hinterbliebene versuchen manchmal auch, auf diese Weise liebevoll an den Humor der Verstorbenen zu erinnern. Für Aufsehen sorgte etwa im Mai eine Todesanzeige aus Virginia. Die Verstorbene hatte sich zu Lebzeiten trotz schwerer Krankheit oft über den Wahlkampf aufgeregt. In ihrem Nachruf hiess es: Angesichts der Aussicht, entweder Trump oder Clinton wählen zu müssen, sei sie lieber zu Gott zurückgekehrt.