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US-Vorwahlen

Trump demontiert die Eliten der Republikaner weiter

von Beat Ammann / 16.03.2016

Donald Trump gewinnt weiter – aber nicht alles. Es wirkt wahrscheinlich, dass die Entscheidung erst am Parteikongress fällt. Das verhieße Manipulation und Schacher. Marco Rubio schied aus dem Rennen bei den Republikanern aus. Bei den Demokraten konnte vor allem Hillary Clinton Siege erringen.

Die jüngste Runde von Vorwahlen um die amerikanische Präsidentschaft hat Klärung, aber keine definitive Vorentscheidung gebracht. Bei den Republikanern flog Senator Marco Rubio hochkant aus dem Rennen, da Donald Trump ihn in seiner Heimat Florida in demütigendem Ausmaß besiegte. Trump hingegen verlor in Ohio gegen den dortigen Gouverneur Kasich, der endlich seinen ersten Sieg einfuhr.

Kein Durchmarsch für Sanders

Bei den Demokraten hatte Hillary Clinton einen großen Tag, da sie Bernie Sanders nicht nur in Florida und North Carolina distanzierte, sondern auch in Ohio und in Illinois. Im Camp von Sanders hatte man gehofft, dessen Coup in Michigan vor einer Woche sei der Auftakt zu einer Siegesserie in Gliedstaaten des Mittleren Westens gewesen. Sanders hatte laut nicht vollständigen Resultaten im weniger gewichtigen Missouri Aussicht auf den ersten Platz.

Das klare Resultat zugunsten von Clinton in Ohio und der eher überraschende Gewinn von Illinois – sozial und ökonomisch ähnlich gelagert wie Michigan – widerlegte die Andeutungen aus dem Lager von Sanders, nur dieser könne im Mittleren Westen gewinnen. Laut solchen Stimmen gewann Hillary zwar die Vorwahlen in den Gliedstaaten des Südens, doch diese seien für die Demokraten in der allgemeinen Wahl im November ohnehin verloren.

Zweierlei Revolutionen

Sanders kann seine Kampagne weiter führen, zumal er dank dem Proporzsystem trotz Niederlagen Delegiertenstimmen hinzu gewann. Doch wirkt seine Rede von der politischen Revolution, deren Speerspitze er angeblich ist, nach der jüngsten Vorwahlrunde gewiss noch weniger überzeugend, als sie es zuvor schon war.

Anders bei den Republikanern. Der Hauptwidersacher von Trump, Ted Cruz, erzielte am Dienstag wohl keinen Sieg; in Missouri unterlag er Trump laut vorläufigen Resultaten immerhin nur knapp. Er gewann dennoch Delegierte, da zwar nicht alle, aber gewisse Gliedstaaten am Dienstag bei den Republikanern ebenfalls das Proporzsystem anwenden. Trump eliminierte in der Person von Rubio einen weiteren Konkurrenten und kann sich neue Siege auf die Fahne heften, so neben Florida auch North Carolina, Illinois und allenfalls Missouri.

Allerdings bedeutet der Triumph von Kasich in Ohio, dass Trump ein Paket von 66 Delegiertenstimmen entging. Es schaut danach aus, dass Trump in den kommenden Ausmarchungen das notwendige Minimum von 1237 Delegierten in seinem Lager nicht erreicht, um die Nominierung der Republikaner direkt zu erringen. Der Unternehmer aus New York hat derzeit gut die Hälfte dieses Minimums hinter sich.

Dies hieße, dass es im Juli zu einem Showdown am Nationalen Parteikongress käme. Normalerweise sind solche Veranstaltungen Feiern, bei denen der Sieger der Vorwahlen auf den Schild gehoben wird. Kasich verkündete am Dienstagabend, er werde am Ende Trump an Delegiertenstimmen übertreffen: Es sind noch deren mehr als 1000 zu vergeben.

Aufstand gegen den Aufstand

Ein solches spätes Abräumen durch Kasich wirkt jedoch unwahrscheinlich. Daher ist dessen Verbleib im Rennen kaum anders zu verstehen denn als Wette darauf, dass die etablierten Kräfte der Partei am Kongress im Juli in Cleveland (Ohio) Trump und Cruz ausbooten und deswegen eine wenigstens minimal legitimierte Alternative benötigen: Kasich, mit vielleicht ein paar Hundert Delegierten hinter sich. Nicht nur Trump, sondern auch Cruz ist unter den höheren Herren der Republikaner äußerst unbeliebt.

Allerdings ist diesen Herren die Kontrolle über das Geschehen längst entglitten. Es wäre ein potenziell hoch riskanter Akt, alle Erfahrungen und Vorurteile der Wählerinnen und Wähler von Trump und Cruz zu bestätigen, wonach die Eliten am Ende immer über die Köpfe der kleinen Leute hinweg entscheiden und diese nie ernst nehmen, selbst wenn sie aufständisch geworden sind.

Man kann sich eben noch knapp daran erinnern, dass das Inbild der republikanischen Elite, Jeb Bush, auch einmal ein Kandidat war, ehe er sang- und klanglos im Rausch unterging, den Trump auf der politischen Rechten auszulösen vermochte.