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Vorwahlen

Trump ist der Kandidat der Republikaner

von Beat Ammann / 04.05.2016

Donald Trump gewinnt mit deutlichem Vorsprung in Indiana – sein Rivale Ted Cruz gibt auf. Hillary Clinton verliert, liegt im Gesamtrennen der Demokraten aber immer noch weit vor Bernie Sanders.

Der texanische Senator Ted Cruz hat am Dienstagabend sein Rennen um die Präsidentschaft aufgegeben. Donald Trump ist damit praktisch sicher der Kandidat der Republikaner für die allgemeine Wahl im November. Aller Voraussicht nach dürfte er gegen die Demokratin Hillary Clinton antreten. Cruz beendete seine Kampagne, nachdem Trump ihn am Dienstag bei der Vorwahl im US-Gliedstaat Indiana schon wieder vernichtend geschlagen hatte.

Lügen und Syphilis

Es war für Cruz die siebte Schlappe in Folge binnen nur zwei Wochen. Cruz hatte Indiana zur Entscheidungsschlacht im Kampf gegen den Vormarsch von Trump erklärt. Das wurde wahr in einem Sinne, wie Cruz es sicher nicht gemeint hatte: Sie endete damit, dass er die weiße Flagge hisste.

Indiana schien auf dem Papier ein Gliedstaat zu sein, den Cruz gewinnen sollte, etwa wegen des hohen Anteils an Evangelikalen, die sich auch als wiedergeborene Christen bezeichnen. Doch laut einer Umfrage von CNN unter Personen, die soeben gewählt hatten, gewann Trump fast die Hälfte der Stimmen aller Evangelikalen, ein bisschen mehr als Cruz.

Dies war jener Trump, den Cruz in einer unerhörten Breitseite am Dienstagmorgen „völlig amoralisch“ und „einen pathologischen Lügner“ genannt hatte, einen Narzissten, einen Frauenhelden, der die Heilung von Geschlechtskrankheiten als „sein persönliches Vietnam“ empfunden habe, jemanden, der Gott noch nie um Vergebung gebeten habe, der Amerika als Präsident in einen Abgrund stürzen könnte.

Trump für einmal mit mehr Stil

Cruz hatte hinzugefügt, die Wählerschaft von Indiana habe die Chance, Trump den Weg zu verstellen und Amerika die Katastrophe zu ersparen, allenfalls Trump als Präsidenten aufs Auge gedrückt zu bekommen. Cruz, der nichts spontan tut, muss gehofft haben, seine Tirade gegen Trump werde ihm nutzen. Das Wahlresultat erscheint in diesem Licht für ihn umso vernichtender.

Die Wut von Cruz war auch persönlich gefärbt, da Trump absurd scheinende Berichte erwähnt hatte, wonach der Vater von Cruz in die Ermordung von John F. Kennedy verwickelt gewesen sein soll. Es warf ein unvorteilhaftes Licht auf Cruz, dass dieser sich in seiner Rede am Dienstagabend nicht dazu überwinden konnte, Trump zum Sieg zu gratulieren. Er drosch lediglich hehre Phrasen darüber, wie groß Amerika doch sei.

Trump hingegen zollte später in seiner kurzen Rede Cruz Respekt. Dieser sei ein sehr zäher Gegner gewesen und habe eine große Zukunft. Die Schimpftirade, die Cruz wenige Stunden zuvor losgelassen hatte, erwähnte Trump mit keinem Wort. Der Immobilien-Milliardär sprach ohne Triumphalismus und ohne rhetorisches Ausgreifen, als wäre er selbst noch verblüfft über seine neue Lage.

Anti-Trump-Bewegung verpufft

Cruz hatte bis vor kurzem vorgeben können, es sei keine Überraschung, dass er als Ur-Konservativer in New York gegen Trump unterlag, wie vor zwei Wochen geschehen. Doch nach dem erneuten Triumph von Trump in einem konservativen Gliedstaat wie Indiana gab es für all jene kaum noch etwas zu sagen, die sich in letzter Zeit zu Pro-Cruz- und Anti-Trump-Exponenten gemausert hatten.

Es ist offensichtlich so, dass ein großer Teil der Wählerschaft, der an Vorwahlen teilnimmt, längst entschieden hat, dass Trump der Mann der Stunde ist. Nach dem Ausscheiden von Cruz ist die Frage so gut wie hinfällig geworden, ob Trump die Hürde von 1237 Delegiertenstimmen nehmen kann.

Nun ist neben Trump nur noch John Kasich im Rennen, der Gouverneur von Ohio. Kasich hat allerdings nur die Vorwahl in seinem Heimatstaat gewonnen. In den meisten anderen Staaten verdiente er kaum die Erwähnung in der Kategorie „ferner liefen“. Er hat derzeit lediglich etwa einen Siebtel der Delegiertenstimmen von Trump errungen.

Cruz hatte davon geträumt, am Wahlparteitag der Republikaner Trump auszumanövrieren. Das wäre gemäß Parteistatuten zulässig, doch wenn es schon für Cruz politisch kaum tragbar erschien, so scheint es für Kasich vollends unmöglich.

Augenreiben

Die Kandidatur von Trump ist eine geradezu unglaubliche Erfolgsgeschichte. Kaum jemand nahm den Geschäftsmann und TV-Star ernst, als er vor Jahresfrist in seinem Trump Tower in New York seine Bewerbung ankündigte. Trump hat seither gezielt die negative Stimmung im Land angezapft, deren Ausmaß die meisten politischen Strategen völlig überraschte.

Die republikanische Partei wird sich noch ein Weilchen die Augen reiben müssen, um – vielleicht – zu schlucken, dass Trump ihr Kandidat ist. Republikaner, die Trump für inakzeptabel halten, könnten im November natürlich auch Hillary Clinton wählen.

Clinton verlor am Dienstag zwar die Vorwahl in Indiana knapp an Bernie Sanders, gewann aber wegen des Proporz-Systems, das bei den Demokraten gilt, doch Delegiertenstimmen hinzu. Es bleibt dabei, dass Sanders unter normalen Umständen Clinton nicht schlagen kann.