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Mordaufruf an Clinton?

Trump rudert nach umstrittenen Aussagen zurück

von Martin Lanz / 10.08.2016

Erneut sorgt Donald Trump mit kontroversen Aussagen für Aufsehen. Dass er Waffenbesitzer zu Gewalttaten gegen Clinton aufgefordert habe, bestreitet der Milliardär jedoch. In landesweiten Umfragen fällt er weiter zurück.

Nach seinen umstrittenen Äusserungen zum Thema Waffengebrauch ist Donald Trump noch am Dienstagabend (Ortszeit) zurückgerudert. Er habe auf die Macht der Waffenrechtsbewegung Bezug genommen, als er gesagt habe, Verfechter des Zweiten Verfassungszusatzes könnten Schritte ergreifen, um seine Widersacherin zu stoppen, erklärte Trump in einem Interview des Senders Fox News. Es gebe „keine andere Auslegung“.

Ein eindeutig zweideutiger Satz

Bei einem Wahlkampfauftritt am Dienstag im Gliedstaat North Carolina hatte der republikanische Präsidentschaftskandidat gesagt, dass nur Waffenfreunde seine Rivalin Hillary Clinton aufhalten könnten. Wenn Clinton als Präsidentin über Richterposten entscheide, lasse sich dagegen nichts machen. Den nächsten Satz liess der republikanische Präsidentschaftskandidat dann abgebrochen in der Luft hängen: „Obwohl, die Unterstützer des Zweiten Zusatzartikels – vielleicht gibt’s da – ich weiss nicht.“

Von amerikanischen Medien und Nutzern der sozialen Netzwerke wurde die Äusserung sogleich dahingehend gedeutet, dass Trump für den Einsatz von Waffengewalt – entweder gegen Clinton oder Richter –plädiert hätte.

Die Demokraten reagierten mit deutlicher Kritik. Sie warfen Trump vor, zum Gebrauch von Waffen gegen Clinton aufgerufen zu haben. Die Senatorin aus Massachusetts Elizabeth Warren etwa schrieb auf Twitter, dass Trump Todesdrohungen ausspreche, weil er als „erbärmlicher Feigling“ es nicht ertragen könne, dass er „gegen ein Mädchen“ verliere.

Der Abgeordnete David Cicilline, der für die Demokraten im Repräsentantenhaus sitzt, bezeichnete die Äusserung als „abscheulich“. Trump rufe entweder zur bewaffneten Revolte oder zum Mord an seiner Rivalin auf, schrieb Cicilline im Internetdienst Twitter.

„Grosse politische Macht“

Das Wahlkampfteam des Republikaners versuchte, diesen Verdacht zu zerstreuen. Trump habe lediglich gesagt, dass die Waffenfreunde in hoher Zahl in November zur Wahl gehen und geschlossen gegen Clinton und für Trump stimmen würden. Die Verteidiger des Rechts auf Waffenbesitz stellten eine „enorm geschlossene Gruppe“ mit einer „grossen politischen Macht“ dar, erklärte Trumps Kommunikationsberater Jason Miller.

Der Republikaner beschimpft seine Opponentin regelmässig als „schurkige Hillary“ und hat sie kürzlich auch als „den Teufel“ bezeichnet. Für seine Kandidatur hat er die offizielle Unterstützung der mächtigen Waffenlobby NRA bekommen.

Den Vorwurf, sie wolle das Verfassungsrecht auf privaten Waffenbesitz abschaffen, hat Clinton jedoch wiederholt zurückgewiesen. Sie hat angekündigt, sie wolle lediglich Waffenverkäufe strikter regulieren, so dass keine Waffen in die Hände von Kriminellen, Terrorverdächtigen oder mental labilen Menschen gelangen könnte.

Sinkflug in Umfragen

Die jüngsten umstrittenen Äusserungen reihen sich in eine Serie von Fehltritten, die Trump in den vergangenen Tagen viele negative Schlagzeilen beschert haben. Mit Blick auf die Präsidentenwahl am 8. November verliert der 70-Jährige derzeit in Umfragen deutlich an Unterstützung: Im Vergleich zu seiner Kontrahentin Clinton liegt Trump derzeit knapp 8 Prozentpunkte zurück, wie der gewichtete Umfragedurchschnitt von Real Clear Politics zeigt.

(Bild: Screenshot RCP)