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Wahlkampf

Trumps ganz eigener Weg

von Peter Winkler / 22.06.2016

Der republikanische Kandidat stellt weiter die Gesetze des Wahlkampfs auf den Kopf. Sollte er Erfolg haben, hätte das langfristige Folgen für den amerikanischen Wahlkampf.

Der wahrscheinliche republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat erneut die allgemein anerkannten Regeln eines Wahlkampfs auf den Kopf gestellt. Seit er im Mai die nötige Zahl der Delegierten für den Wahlkonvent im Juli erreichte, hat er praktisch keinen Aufwand betrieben, um seine Kriegskasse für den November zu füllen. Obwohl Trump versuchte, aus der Not eine Tugend zu machen, gibt es Anzeichen dafür, dass nicht Absicht, sondern Unerfahrenheit die Triebfeder dafür war.

32-mal mehr Cash für Clinton

Corey Lewandowski (Zweiter von links), hier bei einem Auftritt im März, ist nicht mehr Trumps Wahlkampfleiter.
Credits: Erik Lesser/EPA

Laut den Angaben, welche die Wahlkampfteams von Hillary Clinton und Trump gegenüber der Wahlkommission machten, hatte der New Yorker Immobilienmogul Ende Mai gerade einmal 1,3 Millionen Dollar in der Kasse, gegenüber Clintons 42 Millionen. Trump sammelte im Monat Mai – zu dessen Beginn er als Sieger der republikanischen Vorwahlen feststand – insgesamt lediglich gut 3 Millionen und steckte 2 weitere Millionen als Darlehen aus seinem persönlichen Vermögen in die Kampagne. Clinton, die sich noch bis in den Juni hinein gegen ihren Herausforderer Bernie Sanders behaupten musste, sammelte 27 Millionen Dollar.

Das Resultat spiegelt sich in der Fernsehwerbung, welche die beiden Kampagnen buchten und ausspielten: Während die Clinton-Kampagne allein im Juni Fernsehwerbung für 26 Millionen Dollar reservierte, um Trumps Image zu demolieren, hat der Wahlkampfstab des New Yorker Milliardärs offenbar noch keine Werbung für Sommer und Herbst placiert. Auch in der Zahl der Angestellten, die besonders in den hart umkämpften Bundesstaaten („Battleground States“) angeheuert wurden, zeigt sich Trumps Rückstand: Gemäß Angaben der New York Times umfasste sein Wahlkampfteam rund 70 Personen, während Clinton fast 700 bezahlte Helfer anheuerte.

Wahlkampfmanager gefeuert

Trumps Wahlkampfmanager, Corey Lewandowski, verteidigte jüngst gegenüber dem Wall Street Journal noch den Low-Budget-Ansatz seines Teams in hohen Tönen: Trumps Kampagne sei schlanker, zugkräftiger, effizienter und wirkungsvoller, erklärte er und behauptete, in der Geschäftswelt lobe man diesen Ansatz. Doch am Montag musste der gleiche Lewandowski unter Aufsicht des Sicherheitsdienstes sein Büro räumen – er war entlassen worden.

NBC News berichtete, Trumps erwachsene Kinder, Ivanka, Donald junior und Eric, hätten ihren Vater mit einer langen Liste von Unterlassungen und Fehleinschätzungen Lewandowskis davon überzeugen können, den Weggefährten der ersten Stunde aufzugeben. In einem Gespräch mit Fox News erklärte Trump am Montagabend, er wolle einen neuen Kurs einschlagen, aber gewisse Elemente der kleinen, überschaubaren Operation beibehalten.

Ein solcher Anspruch wäre nicht völlig aus der Luft gegriffen. Trump hat den ungewöhnlichen Schritt gewagt, seine Wahlkampagne für den Herbst in großen und wichtigen Teilen an die Republikanische Partei zu delegieren. Diese hat sich unter dem Zepter von Reince Priebus, dem Vorsitzenden des Republican National Committees, in den vergangenen drei Jahren intensiv auf eine aktivere Rolle vorbereitet, vor allem was die Rekrutierung von „Parteisoldaten“ in den Bundesstaaten sowie die Sammlung und Analyse von Daten zu Wählern betrifft. Erstaunlich ist, dass Trump, anders als die letzten Präsidentschaftskandidaten der Grand Old Party, kein Interesse daran zu haben scheint, diese Parteimaschine unter seine eigene Kontrolle zu bringen.

Koch-Brüder auf Abstand

Falls Trumps Rechnung aufgeht, könnte das große Auswirkungen auf die Zukunft der amerikanischen Präsidentenwahlen haben. Noch keine anderthalb Jahre ist es her, dass die Nachricht, die Industriellen Charles und David Koch wollten mit ihrem Netzwerk von Gönnern rund eine Milliarde Dollar in den Wahlkampf werfen, hohe Wellen schlug. Mittlerweile ist Charles Koch wegen verschiedener Äußerungen des Immobilienmoguls auf Distanz zu Trump gegangen, und sein Netzwerk hat beschlossen, sich auf die hart umkämpften Senatswahlen zu konzentrieren.

Der gegenwärtige Rückstand Trumps gegenüber Clinton in den Finanzen ist noch nicht sehr aussagekräftig. Entscheidend ist, ob Clinton den Vorsprung auch nutzen kann, um ihren Gegner weichzuklopfen. Sie versuchte dies am Dienstag mit einer Rede in Ohio, in der sie den Mythos zerpflückte, Trump sei ein erfolgreicher Geschäftsmann. Clinton porträtierte ihn dagegen als Mann, der auf dem Buckel seiner Geschäftspartner und der kleinen Zulieferbetriebe Profit zog. Ob ihre Strategie nachhaltigen Erfolg hat, bleibt abzuwarten.