Chris Goodney / Bloomberg

Trumps Kampagnenleiterin: Sie sagt ihm, was Frauen nicht wollen

von Birgit Schmid / 14.10.2016

Kellyanne Conway hat einst ein Buch geschrieben mit dem Titel „What Women Really Want“. Dass sie es schafft, mehr Wählerinnen für Donald Trump zu gewinnen, ist zweifelhaft.

Sie dürfte den schwierigsten Job in diesem Wahlkampf haben: Kellyanne Conway, Donald Trumps vor Wochen eingewechselte Kampagnenleiterin. Sie kam, um ihn zu lehren, wie man mit Frauen umgeht. Dass man ihr Verhalten nicht auf ihre Menstruation zurückführe oder sie nicht als fett beschimpfe, wenn man Wählerinnen ansprechen will. Für das Video von letztem Wochenende, das Trump als Sexisten vorführt, kann Conway nichts, es entstand 2005. Ihr Kommentar dazu gegenüber CNN: Seine Worte seien „beleidigend und aggressiv“ gewesen, sie akzeptiere aber seine Entschuldigung. Sie sei oft mit Trump allein, und er sei immer „gracious“ und „ein Gentleman“. Er fördere Frauen – etwa sie –, „weil er Frauen respektiert“.

Als Kellyanne Conway im August zur wichtigsten Beraterin des republikanischen Präsidentschaftskandidaten befördert wurde, fiel vor allem das Buch ins Auge, das sie 2005 geschrieben hatte. Es trägt den Titel: „What Women Really Want“. Darin erklärte die 49-jährige Republikanerin zusammen mit der demokratischen Strategin Celinda Lake, die Zukunft Amerikas sei weiblich. Frauen seien im Begriff, politische Trennlinien und Grenzen zwischen Rassen, Klassen und Religionen „still auszulöschen“, heisst es im Klappentext. Und da Frauen anders vorgingen, um ihre Ziele zu erreichen, verbessere sich so das Leben aller in Amerika.

Sinnfällig ist nicht nur der Titel, der an den Erfolgsfilm „What Women Want“ (2000) erinnert. Darin spielt Mel Gibson einen unausstehlichen Chauvinisten, der zum Frauenversteher wird, indem er plötzlich die intimen Gedanken von Frauen hören kann und sich einfühlt. Eine ironische Note erhält in diesem Wahlkampf auch die Prophezeiung der Autorinnen, der Vormarsch der Frauen sei nicht aufzuhalten: Conway muss an Trumps Seite ausgerechnet die erste Anwärterin auf das höchste Amt Amerikas bekämpfen, Hillary Clinton.

Conway weiss also, was Frauen wirklich wollen. Die Gründerin und CEO der Polling Company, einer Firma, die Umfragen durchführt, liest das aus ihren Datenerhebungen. Seit drei Jahrzehnten berät Conway republikanische Politiker, wie die weibliche Wählerschaft zu gewinnen sei. Sie hat für Newt Gingrich gearbeitet, für den Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence und im Team von Ted Cruz. Und sie weiss, dass Themen wie Schwangerschaft, Abtreibung oder wofür Frauen am liebsten Geld ausgeben, nicht vernachlässigt werden dürfen. Dass sie ihre Kunden nicht immer im Griff hat, zeigte der Konservative Todd Akin, der 2012 für den Senat kandidierte: Zu Abtreibungen nach einer Vergewaltigung befragt, irritierte er mit der Aussage, nach einer „legitimen Vergewaltigung“ habe der weibliche Körper die Möglichkeit, eine Schwangerschaft zu verhindern.

Conway, die Umfrage-Expertin, ist bestens ausgebildet. Schon vom College ging sie „magna cum laude“, an der George-Washington-Universität hat sie in Recht doktoriert. Die vierfache Mutter, die mit dem New Yorker Anwalt George T. Conway III verheiratet ist, war schon früh umgeben von Frauen. Sie wuchs mit ihrer Mutter, ihrer Grossmutter und zwei ledigen Tanten in Atco im Gliedstaat New Jersey auf. „Vier italienische katholische Frauen zogen mich auf“, hat sie einmal gesagt.

Mehr, als dass sie Trumps Kommunikationsstil schleift, braucht er nun ihre moralische Unterstützung. Als er sich am Sonntag nach dem Aufruhr um das sexistische Video in den Trump Tower zurückzog, fuhr sie mit ihm hinunter, damit er auf der 5th Avenue ein Bad in einem Trupp von Anhängern nehmen konnte. Sie verteidigt ihn bei jedem Fernsehauftritt. Auf seine Misogynie angesprochen, weicht sie aus oder dreht den Spiess um und attackiert Hillary Clinton als „nicht nett“ und Lügnerin. Sie hebt ihre eigenen moralischen Werte hervor, mit denen sie als Mutter ein Vorbild sein wolle.

Was hat Conway bisher erreicht bei der Machobändigung? Ihr Einfluss scheint gering, Trump bleibt sich treu. Selbst ihre einstige Theorie, dass Frauen, die in jungen Jahren liberal seien, später zu republikanischen Wählerinnen würden, da sie „Heirat, Knirpse, Hypothek und Anlagen“ konservativer machten, wird von ihrem Chef gerade ausgehebelt.