Brian Snyder / Reuters

US-Präsidentschaftswahl

Was bedeutet Clintons Lungenentzündung?

von Stephanie Lahrtz / 12.09.2016

Aus medizinischer Sicht kann eine Lungenentzündung schnell verheilen – vorausgesetzt, der Patient schont sich. Besonders bei älteren Erkrankten kann es sonst Komplikationen geben.

Eine Lungenentzündung kann von diversen Bakterien, Viren, in selteneren Fällen aber auch Pilzen oder Chemikalien verursacht werden. Etwa die Hälfte der Erkrankungen werden von Bakterien wie Pneumokokken oder Staphylokokken verursacht. Allerdings wird laut Lungenspezialist Sebastian Ott vom Inselspital Bern nur maximal bei der Hälfte der Lungenentzündungen der verursachende Erreger wirklich bestimmt. Da die Symptome einer viralen Lungenentzündung ähnlich denen einer bakteriellen sind, ist es laut dem Infektiologen Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich nicht einfach, beide Varianten klar voneinander zu unterscheiden.

In der Regel dauert es wenige Tage bis zu drei Wochen, bis die ersten Symptome einer Lungenentzündung, egal welcher Ursache, auftreten. Die Betroffenen haben dann neben einem anhaltenden starken Hustenreiz innert Stunden hohes Fieber über 39 Grad und Schüttelfrost, Schmerzen beim Atmen oder auch Gliederschmerzen. Bekommen sie zu wenig Flüssigkeit, kann es zu Kreislaufproblemen und Schwindelanfällen kommen – wie dies offenbar auch bei Hillary Clinton am Sonntag beobachtet wurde.

Ruhe ist nötig

Eine Diagnose sollte immer auf einem Röntgenbild und einer Blutanalyse basieren. Im Bild sieht man die Entzündungsherde, im Blut zeigen erhöhte Entzündungswerte und eine erhöhte Anzahl an weissen Blutkörperchen (Leukozyten) die Entzündung an.

Unabhängig vom Erreger sollte immer sofort mit einer Antibiotikatherapie begonnen werden, um das Risiko für einen schweren Verlauf zu minimieren, betonen die Experten. Dies wurde auch bei Clinton getan – wie ihre Ärztin mitteilte, bekommt die demokratische Präsidentschaftskandidatin derzeit Antibiotika.

Zusätzlich werden den Patienten Ruhe und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr verordnet. Drei Tage nach Beginn der Therapie sind in der Regel die Symptome verschwunden oder nur noch sehr abgeschwächt vorhanden. Meist sind die Betroffenen nach sieben bis zehn Tagen wieder gesund und einsatzfähig.

Die Erreger, sowohl die viralen als auch die bakteriellen, sind weit verbreitet. Man kann sich durch Tröpfcheninfektion bei Husten oder Niesen anstecken, aber auch beim Händeschütteln – alles Situationen, die eine Präsidentschaftskandidatin täglich mehrfach erlebt.

Stress und Alter als Risikofaktoren

Anhaltender Stress wie auch ein höheres Alter machen Menschen anfälliger für die Erreger, das heisst, ihr Immunsystem kann die Keime nicht mehr in den Griff bekommen. Auch andere Grunderkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes oder auch eine echte Grippe erhöhen das Risiko für eine Lungenentzündung.

In den meisten Fällen ist der Verlauf nicht lebensbedrohlich. Doch nach wie vor sterben bis zu zehn Prozent der Erkrankten an einer schweren Lungenentzündung. Eine solche scheint Hillary Clinton gemäss den Bildern derzeit jedoch nicht zu haben.