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Wo sind Trumps Millionen?

von Georg Renner / 06.06.2016

Das Bedienen von Ressentiments hat Donald Trump in den Vorwahlen den Sieg beschert. Er ist offensichtlich überzeugt, dass er damit auch das Präsidentenamt erobern kann.

Die Republikanische Partei der USA hat in den vergangenen Tagen nur zu deutlich erfahren, was mit einem Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bis zu den Wahlen im November auf sie zukommt. Während sich die letzten Überreste der Kampagne, Trumps Kandidatur doch noch zu verhindern, verflüchtigten und sich auch der Speaker des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, trotz offensichtlicher Bedenken hinter den New Yorker Immobilienmogul stellte, machte Trump klar, was er mit der Grand Old Party vorhat: Er will sie wie einen Ochsen am Nasenring hinter sich herziehen, in jedwede Richtung, die ihm gerade opportun erscheint. Und Trump unterstrich auch, was er von der Gewaltenteilung in einer freiheitlichen Demokratie hält: nichts.

Wo sind die Millionen?

Da war zunächst das Trauerspiel um Trumps Spendensammlung für Veteranen. Man erinnert sich: Weil er auf eine Präsentatorin wegen ihrer Fragen in der ersten Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber wütend war, weigerte sich Trump, an der zweiten Debatte von Fox News im Januar teilzunehmen. Stattdessen organisierte er einen Konkurrenzanlass, bei dem er nach eigenen Behauptungen 6 Millionen Dollar sammelte. Die Washington Post ging seither den Fragen nach, wie viel Geld wirklich versprochen worden war und wie viel davon die Veteranenorganisationen auch tatsächlich erreicht hat.

Es stellte sich heraus, dass keine Veteranenorganisation auffindbar war, die Geld von Trump erhalten hatte. Der Manager seiner Wahlkampagne hatte zuvor berichtet, es seien 4,5 Millionen Dollar gesammelt und vollumfänglich überwiesen worden, inklusive einer Million aus Trumps Privatbesitz. Doch am Dienstag klang es anders: 5,5 Millionen seien gesammelt worden, seine eigene Million sei ausgezahlt worden, zusammen mit Beiträgen für rund 40 weitere Organisationen. Vor allem jedoch benutzte Trump die Pressekonferenz, an der er die Verteilung der Spenden bekanntgab, um jene Medienvertreter zu verunglimpfen, welche die Arbeit taten, die eigentlich von ihnen verlangt wird: dem Kandidaten für das höchste Amt im Land auf den Zahn zu fühlen.

Trump hat aus seiner Verachtung für Journalisten nie ein Geheimnis gemacht. Für jemanden, der seine Wahlkampagne zum großen Teil auf einer Welle von Gratiswerbung in den Medien bestritt, scheint das auf den ersten Blick verwunderlich. Auf den zweiten Blick ist aber ersichtlich, dass wohl niemand besser weiß als Trump, wie vor allem die elektronischen und digitalen Medien seine zutiefst verstörenden Aussagen und Beleidigungen unbesehen als Sensation vermarkteten, um Einschaltquoten und Klicks zu generieren.

Dass die Medien eine Pflicht haben, stellvertretend für Wählerinnen und Wähler den Kandidaten für öffentliche Ämter auf die Finger zu schauen, akzeptiert Trump ebenso wenig wie den Grundsatz, dass die Justiz unabhängig von Legislative und Exekutive wirkt – vor allem dann, wenn die Justiz Vorwürfe gegen den Immobilienmogul selber behandelt. Weil er natürlich weiß, dass er einen Untersuchungsrichter oder einen Richter nicht einfach absetzen kann, wenn ihm deren Arbeit missfällt, greift er zum bewährten Werkzeug des Demagogen: der persönlichen Verunglimpfung mithilfe von ausgrenzenden Reizwörtern, die beispielsweise auf die ethnische Herkunft anspielen.

Gonzalo Curiel, 1953 in Chicago als Sohn mexikanischer Einwanderer geboren, ist Bundesbezirksrichter in San Diego. In dieser Eigenschaft befasst er sich mit zwei Sammelklagen gegen die sogenannte „Trump University“, ein Unternehmen, das für gutes Geld angeblich Erfolg garantierende Geheimnisse des Immobilienhandels anbot. Trump hat Curiel wegen seiner mexikanischen Abstammung die Kompetenz abgesprochen, unbefangen zu urteilen. Nicht, dass seine Anwälte je einen Antrag auf Befangenheit und auf das Auswechseln des Richters gestellt hätten. Dafür brauchte es ja klare Hinweise auf diese Befangenheit. Trump behauptet einfach, Curiel müsse als „Mexikaner“ ein Trump-Hasser sein, weil Trump an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen wolle.

Bedienen von Ressentiments

Curiel, der als Untersuchungsrichter wegen Drohungen eines mexikanischen Drogenkartells monatelang unter Polizeischutz leben musste, ließ sich nicht provozieren. Die gleichen Republikaner jedoch, die sich in den vergangenen Wochen die Nase zuhielten und hinter Trump scharten, mussten sich schon wieder distanzieren. Trump hat gezeigt, dass er weiter auf sein Erfolgsrezept setzt: das Bedienen von Ressentiments. Nicht Trump ist das Problem dieser republikanischen Tragödie, sondern jener Teil der Wählerschaft, der darauf anspricht – und jene Republikaner, die glauben, sich wegducken zu können.