Keystone

Polarisierung um Trump

Zerreissprobe für die Republikaner

von Peter Winkler / 11.10.2016

Wenigstens den Kongress in den eigenen Händen halten. Das scheint zunehmend die Losung führender Republikaner zu sein. Die Unterstützung für Donald Trump bröckelt im eigenen Lager zusehends.

Die sexistischen Prahlereien des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump haben das Fass zum Überlaufen gebracht. In einer Telefonkonferenz mit den republikanischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses hat der Speaker der grossen Kammer, Paul Ryan, angekündigt, er werde den New Yorker Immobilienmogul nicht mehr verteidigen, sondern seine Energie darauf verwenden, dass seine Partei die Mehrheit im Kongress behält.

Trotzige Zuversicht

Wie verschiedene amerikanische Medien unter Berufung auf Teilnehmer der Konferenz berichteten, sagte Ryan zwar nicht, dass er Trump formell die Unterstützung entziehe. Doch in der Sache komme es ziemlich aufs Gleiche hinaus. Verschiedene Abgeordnete hätten dem Speaker danach in zum Teil hitzigen Worten vorgeworfen, Ryan lasse den Kandidaten im Stich und überlasse damit der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton kampflos den Sieg.

Aus dem Trump-Lager meldete sich ein Sprecher des Kandidaten auf Twitter trotzig mit der Bemerkung, dies ändere nichts. Trumps Wahlkampf sei von Beginn weg von der Basis getragen worden, nicht von Washington. Trumps Wahlkampfleiterin hatte zuvor mit dunklen Andeutungen insinuiert, einige jener Kongressmitglieder, die Trump ihre Unterstützung entzogen, hätten sich selber der sexuellen Belästigung schuldig gemacht. Parteispitze hinter Trump(Reuters) Donald Trump bekommt Rückhalt von der Parteispitze. Der Vorsitzende der Republikaner, Reince Priebus, betonte nach Angaben von zwei Mitgliedern des nationalen Organisationsgremiums der Partei, dass die Führung nicht mit Trump gebrochen habe. «Wir sind vollständig an Bord», sagte eine der Personen, die anonym bleiben wollte. Das Gremium, das unter anderem das Sammeln von Wahlkampfspenden koordiniert, werde sich uneingeschränkt dafür einsetzen, dass Trump die Wahl in knapp einem Monat gegen die Demokratin Hillary Clinton gewinnen werde.  

Clinton liegt vorne

Die bisher einzige Meinungsumfrage zum Präsidentschaftsrennen seit der Veröffentlichung von Trumps Prahlereien am Freitag dürfte die Laune der Republikaner nicht verbessern. Die Resultate der Umfrage, organisiert vom Fernsehnetzwerk NBC und vom «Wall Street Journal», sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen, denn die Befragungen wurden vor der Fernsehdebatte am Sonntagabend gemacht. In einem direkten Rennen lag die Demokratin unter wahrscheinlichen Wählern mit 52 zu 38 Prozent vorne.

Im realitätsnäheren Szenario mit vier Kandidaten – bei dem zusätzlich zu Trump und Clinton der Libertäre Gary Johnson und die Grüne Jull Stein zur Auswahl stehen – erhielt Clinton 46 Prozent, vor Trump mit 35, Johnson mit 9 und Stein mit 2 Prozent. Das ist das bisher beste Resultat Clintons unter wahrscheinlichen Wählern.