Tran Van Minh / AP

Ausländische Investoren

Aufstrebendes Vietnam: Belohnung der Wagemutigen

von Manfred Rist / vor 6 Tagen

Seit 2012 erzielt das 100-Mio.-Land hohe Wachstumsraten. Ausländische Investoren sind zurück, und das Vertrauen der Anleger in diesen Frontiermarkt steigt.

Wer in der Vergangenheit vor Börsenabenteuern in Vietnam warnte, hatte recht. Wer den Mut dazu aufbrachte, ebenfalls: Nach anfänglichem Auf und Ab, Stagnation und Enttäuschungen hat sich die Börse in Ho Chi Minh City (Saigon) immerhin als interessanter Frontier-Markt entpuppt. Einige der dort gehandelten Unternehmen gelten als Weltklasse, und wer die richtigen herauspickte, hat gut verdient.

Die ersten Gehversuche vor sechzehn Jahren erinnern an die derzeitige Öffnung in Burma: Damals wurden – wie nun in Rangun – erst zwei oder drei Firmen gehandelt; und es herrschte gehörige Skepsis. Inzwischen hat sich die Börsenkapitalisierung in Saigon auf rund 70 Mrd. $ vervielfacht. Die Entwicklung seit Anfang 2016 mit einem Plus von 24% zeigt, dass das südostasiatische Land geradezu ein Geheimtipp war.

Vietnam ist seit längerem eine Erfolgsstory. Die Führung hält zwar am Einparteisystem fest; auch sonst hat sich Hanoi nicht von allen Dogmen aus der kommunistischen Vergangenheit gelöst. Aber auf wirtschaftlichem Gebiet verfolgt man eine Politik der Öffnung, die unumkehrbar ist. Die Stichworte dazu lauten WTO-Beitritt, EU-Freihandelsabkommen, Bekenntnis zum TPP und Öffnung im Rahmen von Asean.

Von 2008 bis 2011 herrschten noch Krise, hohe Inflation und an der Börse übertriebene Kurs-Gewinn-Verhältnisse. Seit 2012 aber wächst die Volkswirtschaft des 100 Mio. Einwohner zählenden Landes um jährlich rund 6%. Das Vertrauen der Anleger ist zurück. Symbol dieses Aufstiegs sind die koreanische und die amerikanische Elektronikindustrie, die in den vergangenen fünf Jahren Milliarden in Fertigungskapazitäten investiert haben. 2016 wurde mit 15,8 Mrd. $ erneut ein Höchstwert erreicht.

Als Lebenselixier für die Börse hat sich vor allem die Lockerung der Quote für ausländische Investoren seit September 2015 erwiesen. Laut Premierminister Nguyen Xuan Phuc soll dieses Jahr auch die Limite für Beteiligungen an Banken erhöht werden. Dieser Schritt lässt eine Modernisierung des Bankensystems erwarten, das bisher als Achillesferse der boomenden Wirtschaft galt.

Für Impulse sorgten kürzlich Börsengänge. So verkaufte die staatliche Beteiligungsgesellschaft State Capital Investment Corporation (SCIC) ihren 9%igen Anteil an Vietnam Diary Products (Vinamilk). Zu den Neuankömmlingen zählen die Baufirma Novaland Investment, Saigon Beer und Vietjet Aviation. Der Börsengang von Vietnam National Petroleum ist in der zweiten Jahreshälfte geplant. Zu den gemeinsamen Merkmalen der Neulinge gehört deren Verankerung in Massenmärkten mit entsprechendem Wachstumspotenzial. Vietnam kann auf eine ambitiöse Jugend, ein funktionierendes Ausbildungs- und Gesundheitssystem sowie eine aufstrebende Mittelschicht zählen. Diese dürstet nach Konsumgütern, beansprucht Wohnraum und will reisen.